Region Bern

«Mir sind mit em (Quer-)Velo da»

Region BernDas zweite Velofestival «Hallo Velo!» zwischen Bern und Münsingen stand – wie alles an diesem Wochenende – im Zeichen der Hitze.

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Auf Alltagsvelos und auf modernen Boliden, mit Elektroantrieb oder im Anhänger: Tausende liessen sich am Sonntag von der Aussicht auf autofreie Strassen dazu verlocken, zumindest einen Teil des heissen Sonntags auf dem Velo zu verbringen.

Am Velofestival «Hallo Velo!» war wie bei der letztjährigen Premiere ein 38 Kilometer langer Rundkurs zwischen Bern und Münsingen dem Zweirad vorbehalten. Alle paar Kilometer konnten Interessierte eine (Rad-)Sportart ausprobieren, sich an Verkaufsständen beraten lassen, ihre Geschicklichkeit testen oder ganz einfach: Sich in den Schatten setzen, etwas trinken, eine Glace essen.

Ein Teil des attraktiven, idyl­lischen Parcours führte über Kiesstrassen, was bei Anfängern und Sonntagsfahrerinnen bereits als Mutprobe und Geschicklichkeitstest verbucht werden kann. Auf der sicheren Seite waren auf diesem Terrain jene mit Mountainbikes mit ihren dicken, profilbehafteten Pneus – oder jene auf Cyclocross-Velos.

Davon sind zwar noch nicht annähernd so viele unterwegs wie auf Bikes oder auf Strassenvelos, aber doch genug dafür, von der «Trendsportart Radquer» zu reden, wie dies die Stadt Bern in ihrem Ausblick auf «Hallo Velo!» tat.

Der «Lustig-Faktor»

Neben E-Bikes sei Cyclocross an der diesjährigen Eurobike, der grossen Fachmesse, der Megatrend gewesen, sagt Keepy Wyss. Er ist Inhaber des Radgeschäfts Tactac Cycling in der ehemaligen Feuerwehrkaserne Viktoria. Zusammen mit Mechaniker Manuel Rauch von Tactac Service, dem Laden in Hinterkappelen, war Wyss verantwortlich für den Cy­clocross-Parcours, der auf einer Stoppelwiese im Berner Melchenbühl ausgesteckt war: ohne steile Rampen, ohne Ba­lanciermoment, ohne Feuchtgebiete, aber doch mit Schikanen zum Drüberhüpfen – was auf dem schattenarmen Gelände längstens genügte, um die Fahrerinnen und Fahrer noch mehr schwitzen zu lassen.

Rauch ist angefressener Querfahrer, der unter anderem die Rennen der EKZ-Crosstour fährt. Diese Rennreihe, die letztes Jahr im Berner Weyerli-Bad haltmachte, sei mit dafür verantwortlich, dass Radquer seit etwa fünf Jahren wieder boome, sind sich Wyss und Rauch einig. «Das einst beliebte Radquer musste in den USA neu erfunden werden und unter dem Namen Cyclocross zurückkommen, um hier wieder populär zu werden», sagt Wyss.

Mit dem Revival sei gegenüber dem Radquer von früher «ein Lustig-Faktor» dazugekommen, so Wyss: «Es gibt Cyclocross-Rennen mit Medizinballhindernissen und Schlammgruben – Hauptsache, es macht Spass.»

Die Formel für den Velokauf

Querpilot Rauch schwärmt vom Naturerlebnis, das Cyclocross mit Touren auf Wald- und anderen Naturwegen biete – gepaart mit langen Distanzen, die auf dem Crossvelo viel leichter zu bewältigen seien als mit dem Mountainbike. 90 Prozent der Biker wären auf einem Crossvelo besser aufgehoben, wirft ein Dritter ein. Ausser ganz schmalen Bergwegen lasse sich mit dem Crossvelo fast jedes Mountainbike-Terrain bewältigen. Und: Mit einem zweiten Radsatz mit dünnen, profillosen Pneus kann das Crossvelo auch gleich noch das Rennrad ersetzen.

Eins statt drei also? Das dann doch nicht, so Wyss, und es ist mehr der Velosammler als der Händler, der aus ihm spricht: «Es gibt eine Formel, um die richtige Anzahl Velos zu ermitteln, die ­jemand besitzen sollte: N plus 1.» N stehe für die Anzahl Velos, die jemand bereits habe. Plus eins gilt auch für «Hallo Velo!»: Das nächste Festival findet am ersten Augustwochenende 2019 statt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.08.2018, 16:21 Uhr

Ein Drittel weniger

Die Hitze forderte ihren Tribut: Nur rund 10'000 Personen nahmen am Sonntag an «Hallo Velo!» teil, schätzte Gesamtprojektleiter Fränk Hofer – 5000 weniger als letztes Jahr, 10'000 weniger als erhofft. «Angesichts der ex­tremen Bedingungen, bei denen einem von Sport abgeraten wird, sind wir zufrieden», so Hofer. Erfreulich sei, dass alles tadellos funktioniert habe, die Stimmung sei friedlich gewesen, die Teilnehmenden zufrieden.

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