Tanz der Kampfmaschinen

Heute Samstag startet die Saison von Swiss Wrestling Entertainment (SWE) in Bümpliz. Während die Stars in den USA Millionen verdienen, steigen die Schweizer Knochenbrecher für ein Trinkgeld in den Ring.

Wrestler Maik Tuga will bei der Show «Turbulence» durchstarten. Im Hintergrund setzt Drake Destroyer zum Bodyslam gegen Air2Style an.

Wrestler Maik Tuga will bei der Show «Turbulence» durchstarten. Im Hintergrund setzt Drake Destroyer zum Bodyslam gegen Air2Style an.

(Bild: Stefan Anderegg)

Ralph Heiniger

Was ist typisch Wrestling? Sind es vorgegaukelte Kämpfe aufgepumpter Steroidklone, dazu sexy Schlampen in Porno-Chic, Pyros und tobende Zuschauer? Jedenfalls schiessen einem solche Bilder durch den Kopf, wenn man an das amerikanische Unternehmen World Wrestling Entertainment (WWE) denkt. In den USA ist Wrestling ein ganz grosses Geschäft. Die Arenen sind meist ausverkauft, die Stars sind weit über die Ringseile hinaus bekannt. Der Jahresumsatz der WWE liegt im dreistelligen Millionenbereich.

In der Schweiz dagegen fristet Wrestling ein Schattendasein. Das merkt man auch, wenn man ein Training besucht. Der Ring, in dem sich die Athleten von Swiss Wrestling Entertainment (SWE) für den Saisonauftakt «Turbulence» heute Abend im Sternensaal in Bümpliz vorbereiten, versprüht wenig Glamour.

Im Trainingscenter in Kallnach riechts eher nach Mist. Der Ring steht nämlich in einer Scheune, direkt neben den Kuhställen. Bevor das Training beginnen kann, müssen die Schweizer Wrestler den Ring jeweils von Staub und den Hinterlassenschaften von Vögeln und Fledermäusen befreien.

Ist das typisch Wrestling? Der Kämpfer Maik Tuga lacht: «Wrestling und Kuhstall, das passt eigentlich gar nicht zusammen.» Der freundliche junge Mann aus Hinterkappelen heisst im normalen Leben Micael de Oliveira und arbeitet als Maurer. Er kam als 10-Jähriger aus Portugal in die Schweiz. Schon damals war er von den Showkämpfen begeistert, die er aus dem Fernsehen kannte. «Meine Brüder und ich haben genau das gemacht, was man eigentlich nicht machen sollte: Wir haben zu Hause ein paar Matratzen auf den Boden gelegt und zusammen gewrestlet.»

Aber erst 2010 begann er ernsthaft, Wrestling zu trainieren. Seither hat der 29-Jährige gut 60 Matchs in der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich bestritten. Er war Light Weight Champion bei Swiss Wrestling Championship und hält aktuell gemeinsam mit Marty Scurll den «Tag Team»-Titel der SWE.

Der Muskelprotz hilft nach

Auf den ersten Blick entspricht Micael alias Maik Tuga aber nicht gerade dem Klischee eines Wrestlers. Er ist nur etwa 170 cm gross und wiegt nur rund 80 Kilo. Dafür ist er aber sehr beweglich und extrem schnell. Im Training ist seine – für Wrestling-Verhältnisse – dürre Figur jedenfalls kein Nachteil. Er wirft den 115-Kilo-Brocken Drake Destroyer scheinbar locker über die Schulter, wirbelt durch den Ring und schmeisst das Kraftpaket aus dem Aargau mit einem Bodyslam zu Boden – natürlich auch, weil der Muskelmann ein bisschen mithilft. «Jeder weiss, wie es im Wrestling läuft. Wir kämpfen nicht gegeneinander, sondern miteinander», sagt Maik Tuga.

SWE-Ziel: 400 Zuschauer

Der CEO der SWE, Markus Wymann, ist beim Training in Kallnach ebenfalls zugegen. Auch Wymann wurde als Kind vor dem Fernseher zum Wrestling-Fan. Er ist überzeugt, dass die Sportunterhaltung in der Schweiz noch viel Potenzial hat. In den USA wird Wrestling professionell vermarktet. Genau das will der gelernte Finanzberater Wymann auch in der Schweiz tun.

Eine seiner ersten Massnahmen ist die regelmässige stationäre Durchführung der Wrestling-Events. «Früher hat man versucht, das Wrestling zu jedem in der Schweiz zu bringen. Wir bleiben jetzt einfach in Bümpliz.» Vier SWE-Shows sind bis Dezember im Sternensaal geplant.

Im letzten Jahr lag der Zuschauerschnitt bei rund 250 Besuchern, in diesem Jahr möchte Wymann einen Schnitt von 400 erreichen. Und in seinem Hinterkopf hat er noch grössere Ziele. «Vielleicht ist es in der Schweiz ja auch einmal möglich, von der Arbeit als Wrestling-Promotor leben zu können.»

«Es wird turbulent»

Und womit können die Wrestling-Fans heute in Bümpliz rechnen? «Es wird turbulent», verspricht Maik Tuga. Gegen wen der Lokalmatador kämpfen wird, ist noch offen – zumindest offiziell. Tuga steckt in einer Storyline, einer Art Seifenoper, bei der eine fortlaufende Geschichte im Ring erzählt wird. Und natürlich halten die Autoren den Ausgang der Storyline noch unter Verschluss. Er sei jedenfalls ein bisschen nervös, so Tuga.

Doch bevor der Maurer aus Hinterkappelen heute Abend zur Kampfmaschine im Ring mutiert, hilft er noch beim Aufstellen im Sternensaal – das ist typisch Schweizer Wrestling.

Die Show «Turbulence» beginnt heute Samstag um 20 Uhr im Sternensaal Bümpliz, Türöffnung ist um 19 Uhr, Tickets gibt es an der Abendkasse.

Berner Zeitung

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