Tagsüber im Hörsaal, abends auf Patrouille

Deny Fux finanziert sich sein Geschichtsstudium an der Uni Bern mit einem Securityjob und mit einem Stipendium. In seinem erlernten Beruf kann er nicht arbeiten. Das liesse sich nicht mit dem Studium vereinbaren.

Mensa Unitobler: Das Budget von Student Deny Fux ist trotz Stipendien zu knapp bemessen, als dass er  hier täglich ein Menü essen könnte.

Mensa Unitobler: Das Budget von Student Deny Fux ist trotz Stipendien zu knapp bemessen, als dass er hier täglich ein Menü essen könnte.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Aebischer@cab1ane

Mittagszeit. Deny Fux findet sich in der Mensa der Unitobler ein. Seit anderthalb Jahren studiert er an der Universität Bern Geschichte und Germanistik. Besonders beeindruckt ist er von der Antike, den Verhältnissen im alten Rom. Es wäre ein Leichtes, mit dem 27-jährigen Studenten einfach darüber zu sprechen. Doch deswegen sitzt er nicht hier. Fux redet im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Stipendieninitiative über seine finanziellen Verhältnisse.

Er gehört zu den Glücklichen, die ein staatliches Stipendium erhalten. «Zu meiner Überraschung kam mein Antrag durch», sagt er. Seit zwei Semestern zahlt ihm der Kanton Solothurn 830 Franken pro Monat. Und dies, obwohl Fux zwar nicht aus wohlhabenden, aber auch nicht aus bescheidenen Verhältnissen stammt. Überraschend ebenfalls, weil sein Studium eine Zweitausbildung ist und letztlich, weil Solothurn, wo Fux aufwuchs, nicht zu den grosszügigsten Kantonen gehört. Das Stipendienwesen ist in der Schweiz kantonal geregelt. Die Unterstützung variiert von Kanton zu Kanton (wir berichteten).

Verständiger Chef

Mit den rund 1200 Franken, die Fux mit seinem Teilzeitjob bei einer Sicherheitsfirma verdient, hat er monatlich ungefähr 2000 Franken zur Verfügung. Damit kommt er durch, wenngleich nicht fürstlich. «Ich esse nicht immer in der Mensa», sagt er. Dann gibt es eben eine Pizza oder ein Sandwich. Wie unter Studenten schon fast üblich, lebt er in einer Wohngemeinschaft.

Mehr als die heutigen 30 Prozent arbeiten, betont Fux, läge nicht drin. Sonst würde das Studium darunter leiden. Und er möchte sein Studium in der ordentlichen Zeitdauer abschliessen, also bis zum Jahr 2018. Sein Arbeitgeber akzeptiert das: «Mein Chef ist sehr entgegenkommend», berichtet Fux. Während der Vorlesungszeit teilt dieser ihn darum weniger häufig ein als während der Semesterferien. Einsätze weitab von Bern oder in der Nacht muss Fux nicht leisten. «Am liebsten patrouilliere ich abends auf der Grossen Schanze», sagt er.

Know-how im Militär gelernt

Eigentlich ist Deny Fux gelernter Elektroplaner. Da hätte er einen höheren Lohn. Leider gebe es in diesem Bereich kaum Teilzeitjobs. So musste er eben seine andere Kompetenz ausspielen: Im Militärdienst, den er als Durchdiener absolviert hatte, brachte er es zum Oberleutnant. Für den Job als Sicherheitsangestellter bildete er sich zusätzlich in Kursen weiter.

Am wilden Studentenleben kann Deny Fux als Werkstudent natürlich nicht wie andere teilnehmen. Doch das stört ihn nicht und liege zudem nicht allein an der Arbeit, sondern auch an seinem Engagement in der Unipolitik. Die finanziellen Verhältnisse seiner Kommilitonen unterscheiden sich stark. Von solchen, die komplett von den Eltern ausgehalten würden, bis zu jenen, die jeden Franken umdrehen müssten, gebe es alles. Fux ist mit seiner Situation auf jeden Fall zufrieden. Statistisch gesehen arbeiten drei von vier Studierenden neben den Vorlesungen, acht von hundert erhalten ein Stipendium vom Staat.

Eltern als Rückversicherung

Von den Eltern erwartet Fux keinen finanziellen Zustupf. Sie hätten ihn in früheren Phasen seiner Ausbildung mit Darlehen unterstützt, etwa für einen Fremdsprachenaufenthalt oder für die teure Schule zum Nachholen der Berufsmatura. «Diese Schulden habe ich noch nicht ganz beglichen», sagt er. Geld borgen würden ihm seine Eltern auch heute jederzeit, wenn er in der Klemme stecken würde. Für ihn stimmt das so, wie Fux versichert. Schliesslich mache er eine Zweitausbildung. Das sehen die Behörden offenbar ähnlich. Sie verlangen keine Beteiligung der Eltern. Obwohl Fux selber zum Zug gekommen ist, sieht er im Stipendienwesen Verbesserungsbedarf. Er unterstützt darum am 14.Juni das Anliegen des Verbands der Schweizer Studierendenschaften.

Momentan ackert sich der angehende Historiker in Bern durchs zweite Pflichtlektürenprogramm. Hat er den Bachelor erst einmal in der Tasche, würde ihn für den Master ein Aufenthalt in Genf reizen. Er ist überzeugt, dass er dort ebenfalls einen Job in der Sicherheitsbranche finden würde.

Berner Zeitung

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