Bern

Täglich werden 120 Publibike-Velos geklaut

BernPublibike­-Mitarbeitende müssen pro Tag bis zu 120 ­entwendete Velos einsammeln. Die Rede ist von einer «Sisyphusarbeit». Bis in vier Wochen sollten alle Schlösser nachgerüstet und somit sicherer sein.

So sollte es sein: Publibikes stehen an einer Ausleihstation in Bern bereit. Ein seltenes Bild dieser Tage.

So sollte es sein: Publibikes stehen an einer Ausleihstation in Bern bereit. Ein seltenes Bild dieser Tage. Bild: Adrian Moser

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Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das Publibike derzeit mitmachen muss. Seit sich am vergangenen Wochenende in Bern herum­gesprochen hat, dass sich die Schlösser der städtischen Velo­flotte leicht knacken lassen, ­verschwinden immer wieder Fahrräder. Am Wochenende ­waren es mit 350 rund die Hälfte aller Leih­velos.

Während Mitarbeitende von Publibike und vom städtischen Kompetenzzentrum Arbeit in den letzten Tagen fleissig dabei waren, die entwendeten Velos aufzuspüren, ging das Klauen munter weiter.

«Gerade am ­Wochenende ­werden nun mehr Mitarbeitende im Einsatz stehen.»Katharina Merkle
Mediensprecherin Publibike

«Leider müssen wir jeden Tag immer noch eine hohe Anzahl einsammeln», sagte Publibike-Sprecherin Katharina Merkle gestern. Bis zu 120 Fahrräder und E-Bikes seien es ­täglich. Sie spricht von einer ­«Sisyphusarbeit». «Gerade am Wochenende werden nun mehr Mitarbeitende im Einsatz stehen», so Merkle ­weiter.

Velos in der Agglo gefunden

Die Postauto-Tochter muss sich mit der Tatsache abfinden, dass ihre Mitarbeitenden noch für weitere vier Wochen damit ­beschäftigt sein werden, entwendeten Fahrrädern hinterher­zurennen. Denn die leicht zu ­knackenden Schlösser werden erst ab kommendem Mittwoch ­sicherer gemacht.

Bis das letzte Schloss der über 700 Publibikes nachgerüstet ist, dauert es ­gemäss gestriger Medienmitteilung bis Mitte ­September. Der Verleihbetrieb soll während ­dieser Zeit weiterlaufen.

Die Hotspots, an denen am meisten Fahrräder geklaut würden, seien in der Berner Innenstadt, heisst es bei Publibike. Aufgefunden werden sie jedoch in ­allen Himmelsrichtungen bis weit in die Agglomeration hinaus – etwa in Ostermundigen, Köniz, Muri oder Frauenkappelen.

Darunter habe es auch Velos, die mutwillig demoliert oder versprayt worden seien, sagt Merkle. Eine Gruppe Unbekannter habe gar eines in die Aare geworfen. Weil einer davon ein Video der Aktion auf Social Media hoch­lud, hat die Veloverleihfirma nun ­Anzeige erstattet.

Es seien bislang jedoch nur «eine Handvoll» Anzeigen gemacht worden, ­ergänzt die Mediensprecherin. Die exakten Kosten liessen sich noch nicht ­abschätzen, heisst es bei Publi­bike. Sicher ist dabei nur: Die Stadt Bern muss das ­Velodebakel finanziell nicht ­mittragen.

Sobald die Berner Veloflotte nachgerüstet ist, geht ab Mitte September die Arbeit in Zürich und den weiteren sechs Publi­bike-Netzen mit insgesamt gut 2000 Velos und 200 Stationen weiter. Bekannt ist, dass auch in Zürich Schlösser manipuliert wurden, jedoch in weit geringerem Mass als in Bern.

Meldestelle eingerichtet

Weil die Velos kein Ortungs­system haben, ist Publibike auf die Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern angewiesen. Immerhin in dieser Hinsicht kann das Unternehmen Positives vermelden.

«Es ist erfreulich, wie viele Leute sich bei uns melden, die ein liegen gelassenes Fahrrad entdeckt haben», meint Katharina Merkle. Weil die firmeneigene Hotline oft überlastet war, wurde mit velo@publibike-service.ch eine Meldestelle für Informationen via E-Mail eingerichtet.

Auch wenn Publibike immer ­wieder die kriminelle Energie der Velodiebe betont, so wird dem Unternehmen die peinliche Panne mit den leicht zu knackenden Schlössern wohl noch lange anhaften. Und auch das Image der städtischen Velo­offensive erleidet dadurch einen Dämpfer. ­

«Publibike bedauert es ausserordentlich, dass die mechanische Schwachstelle der smartphonetauglichen Schlösser trotz Tests nicht entdeckt worden ist, und entschuldigt sich in aller Form für die Umtriebe», schreibt der Veloverleiher am Schluss seiner Medienmitteilung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2018, 18:27 Uhr

Die Anzahl Publibikes schrumpft

Das Parkfeld ist leer, und auch bei den umliegenden Stationen ist kein Publibike verfügbar. Enttäuscht geht man deshalb im Laufschritt weiter. So dürfte es in der letzten Woche etlichen Nutzern ergangen sein. Denn bei Publibike stehen immer weniger Fahrzeuge zur Verfügung. Das zeigt die Analyse der Daten, die diese Zeitung im letzten Monat stündlich von Publibike.ch heruntergeladen hat. Darin sind die Identifikationsnummern aller verfügbaren Publibikes enthalten.

Am Spitzentag standen zu den 24 Zeitpunkten der Datenerhebung 575 verschiedene ­Publibikes mindestens einmal zur Verfügung. Im Mittel können pro Tag 530 verschiedene Velos gebucht werden. Der Tiefstwert wurde nach der grossen Entwendungsaktion vom vergangenen Wochenende am Montag erreicht: Damals mussten sich die Publibike-Kunden gerade noch 300 Fahrzeuge teilen. Vom Freitag auf den Samstag nahm die Flottengrösse gemäss unseren Berechnungen um ungefähr 75 Fahrzeuge ab, vom Samstag auf den Sonntag um 140 und vom Sonntag auf den Montag um 15.

Laut Publibike stehen in Bern über 700 Fahrräder und ­E-Bikes zur Verfügung. Tatsächlich enthalten die Daten gegen 800 Fahrzeugidenti­fikations­nummern. Doch weshalb stehen viel weniger Publibikes zum ­Gebrauch bereit? Urs Bloch, ­Mediensprecher für Publibike, ortet vier Gründe: Fahrzeuge, die zum Zeitpunkt der Datenerhebungen ausgeliehen sind, ­werden nicht gezählt. Ebenso ­E-Bikes, die aufgrund einer ­tiefen Akkuladung blockiert sind. Einige Fahrzeuge befänden sich zudem wegen eines Defekts in der Werkstatt. Hinzu kämen die Publibikes, die entwendet und irgendwo «wild» parkiert ­würden. Mathias Born

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