Belp

SVP im Visier von Vandalen

BelpVor einem Wahlanlass der SVP im Restaurant Kreuz wurde das Lokal verschmiert. Auch Plakate werden regelmässig beschädigt.

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In diesen Tagen fährt Inge Schütz regelmässig mit dem Auto in Belp und der Umgebung herum. Hin und wieder steigt sie aus, macht sich Notizen und knipst ein paar Fotos.

Schütz ist Präsidentin der SVP Belp, auf ihren Fahrten hält sie fest, wo schon wieder ein SVP-Plakat heruntergerissen oder eine Werbung beschmiert wurde. Langweilig wird ihr nicht, sie entdeckt immer wieder Neues. «Das Ganze hat System», sagt sie.

Am 25. März finden im Kanton Bern Regierungs- und Grossratswahlen statt. 16 Personen bewerben sich um einen Sitz in der Regierung, mehr als 2000 Personen wollen ins Parlament gewählt werden. Viele von ihnen sieht man von Inseraten und Plakaten lachen. Oder auch nicht.

Übermalt und zerrissen

In der Gemeinde Belp gibt es derzeit kaum ein SVP-Kandidatenbild ohne verschmierten, zerrissenen oder sonst wie beschädigten Kopf. Zum Beispiel auf dem Dorfplatz vor dem Restaurant Kreuz. Hier machen die Parteien auf Plakatständern der Gemeinde Werbung.

Die SVP warb für ihre drei Belper Lokalmatadoren Inge Schütz, Gemeindepräsident Benjamin Marti und Gemeinderat Jean-Michel With. Davon war allerdings bald nichts mehr zu sehen. Das Plakat wurde schwarz übermalt. Die Plakate der anderen Parteien blieben verschont.

«Ein paar Leute scheinen Gefallen daran zu haben, unsere Plakate umzulegen und zu beschädigen.»Aliki Panayides SVP Kanton Bern

Im Zentrum Belps wurde ein weiteres SVP-Plakat mit den gleichen drei Köpfen ebenfalls zum Ziel einer Attacke. Eines Tages waren die Köpfe mit mehreren Stickern verziert: «Nazis aufs Maul». Schütz: «Immerhin konnte ich die Kleber mit einem Heissluftföhn entfernen.»

Restaurant beschmiert

Am 25. Februar organisierte die Partei im Restaurant Kreuz eine Jazzmatinee mit Brunch und Konzert. «Als wir am Morgen beim Kreuz ankamen, war die Fassade verschmiert», sagt Schütz.

Die Tür und eine Wand waren bemalt, «SVP fuck» lautete die Botschaft in Schwarz und Silber. Immerhin verlief die SVP-Standaktion am Tag vor der Matinee ohne Zwischenfälle.

Am vergangenen Wochenende stellte die Partei grosse Plakate mit Stahlrahmen auf. «Auch diese Tafeln wurden mit Hakenkreuzen übermalt», sagt Schütz. «Ich selbst bekam einen Hitlerschnauz.»

In Köniz traf es ein ­Plakat von Marti, dem Gemeindepräsidenten aus Belp, und Ueli Augstburger, dem Grossrat aus Gerzensee. «Euer Rassismus kotzt uns an», stand in Grossbuchstaben geschrieben.

Ein Plakat von Katharina Baumann, EDU-Grossrätin aus Münsingen, wurde aus der Verankerung gerissen. Beim neuen Kreisel in Kehrsatz Nord wiederum wurde ein SVP-Plakat gleich ganz abtransportiert. Zwei Drittel aller Belper SVP-Plakate, schätzt Präsidentin Schütz, seien beschädigt worden.

Anderswo ist es ruhiger

Bei der SVP-Kantonalpartei ist man über die Vorkommnisse in Belp informiert. Aus Sicht von Geschäftsführerin Aliki Panayides handelt es sich um eine konzertierte Aktion. «Ein paar Leute scheinen Gefallen daran zu haben, unsere Plakate umzulegen und zu beschädigen.»

Besonders tragisch finde sie, dass auch noch das Kreuz verschmiert worden sei. «Das trifft nicht nur uns, sondern auch andere.» Das Restaurant gehört der Gemeinde Belp. Sie hat Anzeige erstattet.

Auch die SVP Belp hat mittlerweile die Polizei eingeschaltet. Inge Schütz findet die Attacken und insbesondere die Nazi-Beschuldigungen lächerlich und fantasielos. Sie nehme die Angriffe zwar nicht persönlich, aber verletzend seien sie schon.

«Damit werden wir in eine ganz blöde Ecke gestellt.» Wer immer dahinterstehe, missachte die direkte Demokratie und meide die öffentliche Diskussion. «Wenn man Argumente hat, kann man mit uns reden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.03.2018, 05:58 Uhr

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