Bern

Surfbretter für Aare und Meer

BernNicht nur auf dem Meer, auch auf der Aare reiten immer mehr Surfer auf den Wellen. Und seit kurzem gibt es mit Julian Wullschleger einen Berner, der die Boards selber herstellt.

Sitzt die Finne richtig? Julian Wullschleger prüft sein selbst gebautes Surfbrett.

Sitzt die Finne richtig? Julian Wullschleger prüft sein selbst gebautes Surfbrett. Bild: Raphael Moser

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Obwohl das Meer ein ganzes Stück weg ist von Julian Wullschlegers Werkstatt, kommt schon beim Eintreten ein gewisses Strandfeeling auf. Kein Wunder – auf einer Vorrichtung liegt ein Surfbrett bereit, daneben stehen zahlreiche weitere, die entweder auf ihre Fertigstellung oder auf ihre Reparatur warten.

Der 29-jährige Berner stellt diese Unterlagen seit kurzem ­selber her. «Ich habe vor einigen Jahren angefangen, auf dem Meer zu surfen, und es hat mich interessiert, wie mein Hilfsmittel produziert wird», sagt Julian Wullschleger. Wieder zu Hause nach seinen ersten Surflektionen, suchte er das nötige Material zusammen, um ein solches Brett zu bauen.

«Das war erst mal gar nicht so einfach.» Als er die verschiedenen Kunststoffe und den Rohling schliesslich gefunden hatte, machte er sich an die Arbeit. «Die ersten Versuche waren mehr ein Ausprobieren und ein Nachmachen von Internetvideos», sagt er und schmunzelt. Ein Kurs in Frankreich bei einem Surfbrettbauer brachte schliesslich das nötige Wissen dazu, seinem Hobby professioneller nachzugehen.

Schleifen, laminieren, sägen

Mittlerweile fertigt Wullschleger seine Boards nicht mehr nur für sich selber an, sondern verkauft sie an eine wachsende Anzahl Kunden. «Immer mehr Personen wollen diese Sportart ausprobieren und verfallen ihr dann sofort.» Dabei surfen alle ihr ganz eigenes Brett, jedes von Julian Wullschleger ist ein Unikat.

Deshalb muss bei der Konstruktion im Vorfeld viel besprochen werden. «Das ist wichtig, denn die Bedürfnisse der Surfer sind sehr unterschiedlich.» Jemand, der sein Board auf dem Meer nutze, benötige eine ganz andere Form und Grösse als jemand, der das Brett auf einem Fluss surfe. Manche brauchen stärkere Kanten, andere eine grössere Rundung des Bodens.

Als Erstes gilt es beim Bauen, den Kunststoffrohling auszusägen und in Form zu schleifen. Nachdem die Aussparungen für die Finnen in das Brett gefräst sind, wird die Oberfläche mit Glasfaser und Epoxidharz versiegelt, geschliffen und anschliessend laminiert.

«Etwa zehn Stunden arbeite ich pro Board, verteilt über einige Wochen, weil immer wieder alles trocknen muss», erklärt der 29-Jährige. Je nachdem, welche Sonderwünsche der Kunde hat, kostet ein Surfbrett von Wullschlegers Marke «Yard Surfboards» 600 Franken und mehr. Etwa die Hälfte davon sind Materialkosten.

Kurven aufs Wasser zeichnen

Ist das Surfbrett schliesslich fertig, verziert mit verschiedenen Stoffmustern oder sonstigen dekorativen Details, ist es bereit für das Wasser. «Und das hat bisher einwandfrei funktioniert», sagt der Surfbrettbauer. Besonders freut er sich, wenn er an der Aare Leuten begegnet, die mit einem seiner Bretter unter dem Arm unterwegs sind.

Und an der Aare ist der Sekundarlehrer häufig anzutreffen. Am liebsten klemmt er nach dem Unterricht sein Brett in die Halterung seiner Vespa und fährt in die Matte. Mithilfe eines Seils, das an eine Brücke gespannt wird, lässt er sich den Fluss hinaufziehen und fährt dabei möglichst gekonnt eine Kurve nach der anderen.

«Noch mehr Spass macht es aber auf einer Welle», sagt Wullschleger. Deshalb hofft er, dass die künstliche Flusswelle in Worblaufen bald gebaut wird. Das Flusssurfen komme nicht ganz an das Wellenreiten auf dem Meer heran, findet der 29-Jährige. «Dort wechseln die Bedingungen stetig.

Die Herausforderung ist gross, eine Welle zu erwischen, die Freude ist gross, wenn es klappt.» Um das Fernweh zu überbrücken und das Surffeeling zu erleben, sei das Aare-Surfen aber immer ein Supererlebnis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2018, 08:06 Uhr

Flusswelle

Ein Projekt, auf das viele Berner Aaresurfer warten und für welches sich der Verein Flusswelle Bern schon seit acht Jahren einsetzt, ist eine künstliche Flusswelle in der Aare. Eine solche soll als Teil der «Uferschutzplanung Aareraum Worblaufen» der Gemeinde Ittigen entstehen. Diese will den Aareraum mit einem neuen Wassersportzentrum mit Buvette und Terrasse, einer Einwasserungsstelle für Boote und eben der künstlichen Flusswelle aufwerten.

Im Juni letzten Jahres genehmigte die Gemeindeversammlung die Zonenplanänderung, die den Weg für das Projekt ebnete. «Aktuell arbeiten wir daran, die Grobplanung zu konkretisieren, damit wir sie den Planer­büros vorstellen können», erklärt Gemeinderat Philipp Roth (BVI).

Dabei gehe es um Fragen wie die künstliche Flusswelle genau aussehen oder wo genau sie zu stehen kommen soll. «Sind diese Fragen geklärt, können wir den Kredit genau beziffern», sagt Roth. An der letztjährigen Gemeindeversammlung ging der Ittiger Gemeinderat von rund 11,5 Millionen Franken für die Uferschutzplanung aus.

An der nächsten Versammlung im Dezember stimmen die Stimmberechtigten über den Planungskredit ab, ein Jahr später soll über den Gesamtkredit entschieden werden.
abe

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