Süssigkeitenfes­tival: Das Zauberwort heisst massvoll

Köniz

Ein Süssigkeitenfes­tival in Zeiten, in denen sich immer mehr Leute dem Fitness- und Gesundheitswahn verschreiben. Kann das funktionieren? «Natürlich», sagt die Veranstalterin des Festivals in Köniz Karin ­Trüssel-Abplanalp.

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Annic Berset

Zehn Frauen versammeln sich um einen Tisch, in dessen Mitte eine wunderschöne Hochzeitstorte steht. Die Expertin zeigt den Workshopteilnehmerinnen die verschiedenen Schritte, wie ein solches Kunstwerk entstehen kann. Nebenan herrschen derselbe Ansturm und dieselbe Konzentration bei einer Konstruktion für eine sogenannte 3-D-Torte – einen Osterhasen. Jeder Handgriff muss sitzen, man will die Torten nach dem Kurs nach Hause nehmen, vorzeigen und natürlich verspeisen.

«Die Workshops waren alle innert weniger Tage ausgebucht», erzählt die Veranstalterin der ersten Süssmesse, Karin Trüssel-Abplanalp. Die Frauen – ja es sind ausnahmslos Frauen an den beiden Kurstischen – wissen genau, was sie da für Zuckerbomben entwerfen. Es stört sie keineswegs. «Ich esse meine Torte ja nicht allein auf», sagt eine Teilnehmerin lachend. Diese Konstruktion sei etwas Besonderes, und «man darf sich ja auch mal etwas gönnen», fügt sie hinzu.

«Dieses Argument könnte man auch bei einer Weinmesse ins Feld führen. Denn zu viel Alkohol ist genauso schädlich wie zu viel Zucker.»Karin Trüssel-Abplanalp

Nie auf Süsses verzichtet

Karin Trüssel war selber lange Zeit im Leistungssport tätig, als Beachvolleyballerin spielte sie über zehn Jahre auf internationaler Bühne. Sie sagt klar: «Ich habe auch während meiner Karriere als Sportlerin nicht auf Süssigkeiten verzichtet.» Es sei alles vom Mass und der Ausgewogenheit abhängig, sei das beim Zucker, beim Alkohol, beim Shoppen oder sonst irgendwo im ­Leben. «Das muss jeder für sich selber entscheiden», findet sie.

Die Frage, ob es in der Zeit der gesundheitsbewussten Gesellschaft nicht mutig sei, ein solches Festival auf die Beine zu stellen, verneint die Eventplanerin. «Dieses Argument könnte man auch bei einer Weinmesse ins Feld führen, denn zu viel Alkohol ist genauso schädlich wie zu viel Zucker.» Sie ergänzt schmunzelnd: «Das Gute an der Süssmesse ist, dass die Besucherinnern und Besucher dank einem etwas erhöhten Zuckerspiegels glücklich nach Hause gehen.»

Warum nur Salziges?

Eineinhalb Jahre hat es von der Idee bis zum Festival gedauert. Trüssel: «Ich war gerade auf dem Nachhauseweg von einer Foodmesse und habe mir überlegt, dass auf diesen Festivals immer nur Salziges und Herzhaftes angeboten wird.»

Als Verfechterin von Süssigkeiten habe sie etwas anderes anbieten wollen. «Süsses kann unendlich viele Formen und Farben annehmen. Ich wusste, dass ich ein abwechslungsreiches Programm gestalten kann.»

Perfekte Lokalität

Auf der Suche nach dem geeigneten Ort für ihre Messe stiess Trüssel auf die Ausstellungsräume von Sanitas Troesch in Köniz. «Ich wollte nachhaltig arbeiten und nicht eine leere Halle wochenlang aufbauen, um zwei Tage später alles wieder abzubauen.» Etwas nützen, was bereits besteht, war ihre Devise. Die Ausstellungsküchen seien perfekt dafür geeignet gewesen, das Festival im authentischen Rahmen durchzuführen.

Der Erfolg der ersten Süss­messe gibt Karin Trüssel recht. Alle verfügbaren Stände für das Festival konnte sie problemlos besetzen, und sie musste sogar Interessenten absagen. Eine zweite Austragung sei ihr Plan, «aber erst werde ich mal ein paar Tage durchschnaufen und etwas Yoga machen, bevor ich mich definitiv entscheide».

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