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Stühle fliegen, Schüsse fallen – und Frauen demonstrieren für ihre Rechte

Das Historische Museum in Bern thematisiert die wilden 1960er-Jahre in der Schweiz und der Welt. Die Bewegung gegen herrschende Normen erreichte 1968 ihren Höhepunkt.

Die Beatles auf der Leinwand, die originalen Musikinstrumente der Zürcher Band Les Sauterelles stehen auf der Bühne. Die Musik dazu gibts aus Kopfhörern.
Die Beatles auf der Leinwand, die originalen Musikinstrumente der Zürcher Band Les Sauterelles stehen auf der Bühne. Die Musik dazu gibts aus Kopfhörern.
Christine Moor / zvg

Wer sich an Woodstock erinnern kann, war nicht dabei. Das sagen die, die dabei waren. «Wer dabei war, erinnert sich», verspricht hingegen das Historische Museum Bern. Und es hält sein Versprechen. In der neuen Ausstellung «1968 Schweiz» kommen sechzehn Zeitzeuginnen und -zeugen zu Wort.

Dabei geht es längst nicht nur um dieses eine Jahr, und das legendäre Popfestival Woodstock kommt auch nur am Rande vor. «1968» ist schlicht der Code für einen gesellschaft­lichen Wandel, von der Mitte der 60er-Jahre bis Mitte der 70er-Jahre – und dies nicht nur in der Schweiz.

Die Ausstellung ist in drei Bereiche gegliedert: Politik, Kultur, Alltag. Zu Beginn des Rundgangs vernimmt man die Stimmen von Zeitzeugen, die von persönlichen Erlebnissen berichten. Die ehemalige Berner Nationalrätin Barbara Gurtner (Progressive Organisation Poch) spricht auch. Sie hat sich zeitlebens für die Gleichstellung der Frauen eingesetzt. Als ihre Tante sie 1968 auf einem Zeitungsbild entdeckt – mit einem Mikrofon an einer Demo –, ist sie nicht amüsiert und meint, Barbara hätte gescheiter zu Hause einen Kuchen gebacken.

Farbige Klamotten aus den 1960er-Jahren. Bild: Christine Moor / zvg
Farbige Klamotten aus den 1960er-Jahren. Bild: Christine Moor / zvg

Filmische Chronologie

Altbacken geht es in einem weiteren Ausstellungsraum zu: Es ist die möblierte Stube einer braven Familie in den 60er-Jahren. An der Wand hängt ein Bild von General Guisan. Nebenan, im Zimmer des Teenagers, sind es Bilder der Beatles, auf dem Bett liegen «Bravo»-Hefte.

Richtig zur Sache gehts im angrenzenden Kinoraum. Hier fliegen die Fetzen – und Schüsse. In einer siebenminütigen Chronologie wichtiger Ereignisse dieser Wandeljahre flimmern auf vier Grossleinwänden Konzerte von Jimi Hendrix und den Stones in Zürich. Während hier nur Stühle fliegen, fallen wenig später Schüsse: In den USA werden Robert Kennedy und Martin Luther King ermordet. In Vietnam Zivilisten. In Europa wird der Prager Frühling niedergeschlagen. Und 1969 machen mit dem «Marsch auf Bern» die Frauen mobil und demonstrieren für ihre Rechte.

In diesen Jahren, als in der Schweiz ein Zusammenleben ohne Trauschein verboten war, Homosexuelle polizeilich regis­triert wurden und langhaarige Männer Beizenverbot erhielten, entwickelte das behäbige Bern auch eine einzigartige kulturelle Dynamik. Die komplette Verhüllung der Kunsthalle durch Christo etwa sorgte bei biederen Bürgern zwar für Kopfschütteln; das Projekt aber ging international in die Kunstgeschichte ein, als erste Verpackung eines öffentlichen Gebäudes durch Christo.

Dem Nonkonformismus in der Schweiz und der 68er-Bewegung ein Gesicht gegeben hat in Bern auch die legendäre «Junkere 37», Diskussionsraum und literarisches Labor, wo unter anderem der Philosoph Theodor Adorno sowie der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt verkehrten.

Am Ende des Rundgangs durch die Ausstellung können Besucher sich darüber äussern, wofür sie sich heute, fünfzig Jahre nach 1968, einsetzen würden.

Die Ausstellung im Historischen Museum wird am Donnerstag eröffnet und dauert bis zum 16. Juni 2018. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. www.bhm.ch/1968

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