Studie verzögert neue Leitung

Mühleberg

Die BKW muss eine neue Studie zur Hochspannungsleitung Mühleberg–Wattenwil in Auftrag geben. Obwohl das AKW Mühleberg dereinst vom Netz geht, brauche es die Leitung, heisst es bei der BKW.

Geplanter Ausbau: Die bestehende Stromleitung – hier bei Niedermuhlern – soll durch eine neue mit höheren Masten ersetzt werden.

Geplanter Ausbau: Die bestehende Stromleitung – hier bei Niedermuhlern – soll durch eine neue mit höheren Masten ersetzt werden.

(Bild: Urs Baumann)

Die Hochspannungsleitung von Mühleberg nach Wattenwil über das Wangenthal und den Längenberg ist seit Jahren ein heiss umstrittenes Projekt. Immer wieder wehrten sich Gemeinden und Gegnerkomitees mit Protestaktionen und Einsprachen gegen den Ersatz und Ausbau der Freileitung von 132'000 auf 220'000 Volt. Jetzt haben sie einen Teilsieg errungen: Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass die landschaftlich geschützten Teilstrecken, durch welche die Leitung führt, genauer unter die Lupe genommen werden müssen. Eine Studie soll zeigen, ob dort eine im Boden verlegte Leitung möglich ist.

Rückschlag für BKW

Damit kann die BKW weiterhin nicht bauen und muss sich darauf einstellen, eventuell Teile der Leitung in den Boden zu verlegen. Ein herber Rückschlag, denn bislang hat sich die Berner Stromproduzentin und -verteilerin immer für eine Freileitung eingesetzt. Und die BKW bleibt dabei, dass eine Leitung in der Luft Vorteile bringt: «Sie ist günstiger in Bau und Betrieb und ökologisch verträglicher als eine Leitung im Boden», sagt Mediensprecher Antonio Sommavilla.

80 Meter hohe Masten

Die riesigen, 80 Meter hohen Strommasten und die hängenden Kabel sollen ökologisch sein? «Ja, denn wenn wir Betonkanäle für die Kabel bauen, reissen wir den Boden auf, die Kanäle sind ein Eingriff in die Bodenstruktur und sie können die Ökologie im Untergrund verändern», so Sommavilla.

In Mühleberg wird die Stromproduktion in einigen Jahren auslaufen, weil das AKW dort wohl als erstes in der Schweiz vom Netz gehen wird. Und mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie wird es in Mühleberg kein Ersatz-AKW geben. Für Sommavilla ist aber klar, dass es die neue Leitung trotzdem braucht: «Diese ist vom Kernkraftwerk Mühleberg unabhängig. Wir benötigen sie für die effiziente Verteilung des Stroms im Grossraum Bern.»

Der BKW-Sprecher weist auf die Unterstation Mühleberg-Ost hin, die neu gebaut wird. Dorthin soll die Leitung den Strom, zum Beispiel von den Grimselwerken her, führen. Der Ersatz der heutigen Hochspannungsleitung sei wichtig, so Sommavilla. «Sie ist in die Jahre gekommen und reicht für den wachsenden Strombedarf künftig nicht mehr aus.»

Noch Jahre bis zum Betrieb

Sommavilla rechnet damit, dass es noch «einige Jahre» dauert, bis die Leitung erstellt ist. Denn die BKW muss nun die Auflagen des Bundesverwaltungsgerichts erfüllen und eine Studie in Auftrag geben. Diese soll klären, ob das Verlegen der Leitung in den Boden in den Landschaftsschutzzonen möglich ist.

Gefordert ist auch das Bundesamt für Energie (BFE). An dieses hat das Gericht die Angelegenheit zur weiteren Abklärung zurückgewiesen. Doch ist beim BFE noch wenig darüber zu erfahren, wie es nun weitergeht. «Wir haben den Entscheid zur Kenntnis genommen», sagt Mediensprecher Matthieu Buchs nur. «Jetzt prüfen wir das weitere Vorgehen, mehr lässt sich im Moment nicht sagen.»

Berner Zeitung

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