Strassenschilder werden «bilingue»

Biel

Der grösste Streitfall um zweisprachige Schilder auf der Autobahn in Biel scheint ­geschlichtet zu sein. Der Bund will nach Lösungen suchen.

Der Zweisprachigkeit in Biel soll künftig auch auf den Schildern auf der A5 Rechnung getragen werden.

Der Zweisprachigkeit in Biel soll künftig auch auf den Schildern auf der A5 Rechnung getragen werden.

(Bild: Raphael Moser)

Der Gemeinderat von Biel, Nationalrat Manfred Bühler (SVP), das Forum für die Zweisprachigkeit und der Rat für französischsprachige Angelegenheiten des zweisprachigen Amtsbezirks Biel haben den Bund ersucht, bei der Signalisation der Autobahnumfahrung von Biel der Zweisprachigkeit Rechnung zu tragen. In der Folge trafen sie sich mit Bundesrätin Doris Leuthard und mit Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen. In einem ersten Schritt sollen nun neun Schilder mit der Beschriftung «Biel» durch solche mit der Bezeichnung «Biel/Bienne» ausgetauscht werden.

Für die Region unverzichtbar

Beim Treffen war klar: Die Sig­nalisation auf Nationalstrassen muss den Anforderungen an Lesbarkeit und Sicherheit Rechnung tragen. Und die Zweisprachigkeit ist auf Autobahnen nicht verboten, ihre Einhaltung für die Region Biel aber unverzichtbar. Die Vertreter der Region betonten die besondere Eigenschaft der Bieler Zweisprachigkeit mit einer wachsenden französischsprachigen Bevölkerung, die unterdessen 42 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht.

Die Stadt hat zwei Amtssprachen und heisst seit 14 Jahren ­offiziell «Biel/Bienne». Die Zweisprachigkeit Biels müsse auch von aussen sichtbar sein, namentlich im Strassen- und Bahnverkehr, argumentierte die Bieler Delegation. Deshalb stehe auf ­allen Verkehrsschildern die Beschriftung «Biel/Bienne», ausser eben auf einem Teil der Umfahrung Biels.

Der Bund sagte, er sei sich des Problems bewusst und wolle im Rahmen des Rechts und der Verkehrssicherheit nach Lösungen suchen. Er schlug vor, in einem ersten Schritt neun Verkehrsschilder zu ersetzen, auf denen nur «Biel» steht. Dies könnte bereits in diesem Jahr erfolgen, falls die Finanzierung von rund 20 000 Franken gesichert sei. Andernfalls sollen die Schilder im Verlauf der nächsten Jahre ersetzt werden. Die Vertreter der Region konterten, dass es sich bei den Schildern mit «Biel» um einen Fehler handle, der umgehend und auf Kosten der zuständigen Behörden behoben werden müsse.

Einbindung der Polizei

Gemäss Bund leiden bei langen Beschriftungen die Lesbarkeit und die Sicherheit, namentlich in Tunneln. Die zweisprachige Beschriftung von Verkehrsschildern, auf denen auch Stadtquartiere oder geografische Angaben stehen, müsse sicherheitstechnisch evaluiert werden.

Der Bund verwies dabei auf ­seine Verantwortung im Falle von Unfällen. Er will sich deshalb mit der Kantonspolizei austauschen, um zu beurteilen, welche Auswirkungen die Beschriftungen auf die Sicherheit haben. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. Der Bund schlug vor, das auf dem Ostast festgestellte sprachliche Ungleichgewicht zu korrigieren, indem die Signalisation auf dem Westast mehrheitlich auf Französisch sein solle.

Die Vertreter der Region Biel lehnten dies ab, da es dem gelebten Verständnis der Zweisprachigkeit der Stadt Biel widerspreche. Sie begrüssten aber den Willen, das auf der gesamten Umfahrung bestehende sprachliche Ungleichgewicht zu korrigieren.

mt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt