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Steiner strampelt: Glück im Granit

BZ-Redaktor Jürg Steiner befährt mit seinem Velo die Aareroute von der Grimsel bis nach Koblenz. Erste Etappe: Oberwald (VS) - Innertkirchen.

Jürg Steiner
In meditativem Tempo unterwegs: Aare zwischen Olten und Aarau.
In meditativem Tempo unterwegs: Aare zwischen Olten und Aarau.
Jürg Steiner
Nennt sich jetzt Klimakraftwerk: Kernkraftwerk Beznau.
Nennt sich jetzt Klimakraftwerk: Kernkraftwerk Beznau.
Jürg Steiner
Einfamilienhäuser, wohin das Auge blickt (hier bei Aarau): Die Aare durchpflügt stoisch die zersiedelte Hüsli-Schweiz.
Einfamilienhäuser, wohin das Auge blickt (hier bei Aarau): Die Aare durchpflügt stoisch die zersiedelte Hüsli-Schweiz.
Jürg Steiner
Letzter Kraftakt: Die Aare, breit wie ein tropischer Strom, beim Stausee Klingnau kurz vor der Einmündung in den Rhein.
Letzter Kraftakt: Die Aare, breit wie ein tropischer Strom, beim Stausee Klingnau kurz vor der Einmündung in den Rhein.
Jürg Steiner
Das Ende: Die mächtige Aare kommt von rechts unter der Brücke und fliesst widerspruchslos in den kleineren Rhein.
Das Ende: Die mächtige Aare kommt von rechts unter der Brücke und fliesst widerspruchslos in den kleineren Rhein.
Jürg Steiner
Blitz und Donner für zerfallende Industriekulisse: Aare bei Attisholz.
Blitz und Donner für zerfallende Industriekulisse: Aare bei Attisholz.
Jürg Steiner
Manchmal fliesst die Aare in den Atlantik: Bretonisches Drama bei Hagneck.
Manchmal fliesst die Aare in den Atlantik: Bretonisches Drama bei Hagneck.
Jürg Steiner
Der Weg ist das Ziel: Unendliche Gerade am Hagneck-Kanal.
Der Weg ist das Ziel: Unendliche Gerade am Hagneck-Kanal.
Jürg Steiner
Königreich des Bibers: Aareidyll bei Niederried.
Königreich des Bibers: Aareidyll bei Niederried.
Jürg Steiner
In den letzten Zügen: Atomkraftwerk Mühleberg.
In den letzten Zügen: Atomkraftwerk Mühleberg.
Jürg Steiner
Die dritte Etappe führt von Bern nach Olten. Kanadisches Feeling bei Bern: Wohlensee nach der Sintflut. Und vor der nächsten.
Die dritte Etappe führt von Bern nach Olten. Kanadisches Feeling bei Bern: Wohlensee nach der Sintflut. Und vor der nächsten.
Jürg Steiner
Meditation in Münsingen: Die Aare in karibischer Farbe
Meditation in Münsingen: Die Aare in karibischer Farbe
Jürg Steiner
Schwindelerregend: Brücke über die Kander zwischen Spiez und Thun.
Schwindelerregend: Brücke über die Kander zwischen Spiez und Thun.
Jürg Steiner
Kraxeln am Brienzersee: Hotel Giessbach.
Kraxeln am Brienzersee: Hotel Giessbach.
Jürg Steiner
Meringues in jeder Lebenslage: Bäckerei-Obsession mit Steiner strampelt und Schwingerkönig Matthias Glarner.
Meringues in jeder Lebenslage: Bäckerei-Obsession mit Steiner strampelt und Schwingerkönig Matthias Glarner.
Jürg Steiner
Peace und Alpkäse: In der warmen Umarmung des Haslitals.
Peace und Alpkäse: In der warmen Umarmung des Haslitals.
Jürg Steiner
Place to be: Downtown Iseltwald am Brienzersee.
Place to be: Downtown Iseltwald am Brienzersee.
Jürg Steiner
Die zweite Etappe führt von Innertkirchen bis nach Bern.
Die zweite Etappe führt von Innertkirchen bis nach Bern.
Jürg Steiner
Das Pferd des Cowboys nach getaner Arbeit: Nachtlager in Innertkirchen.
Das Pferd des Cowboys nach getaner Arbeit: Nachtlager in Innertkirchen.
Jürg Steiner
Rausch von Granit und Wasser: Die junge Aare an der Arbeit.
Rausch von Granit und Wasser: Die junge Aare an der Arbeit.
Jürg Steiner
Ein Velo auf 50 Töffs: Stilleben auf der Grimselpasshöhe.
Ein Velo auf 50 Töffs: Stilleben auf der Grimselpasshöhe.
Jürg Steiner
Verschwitztes Glück: Tiefblick kurz vor der Grimselpasshöhe.
Verschwitztes Glück: Tiefblick kurz vor der Grimselpasshöhe.
Jürg Steiner
Erste Etappe – Stress für Velofahrer: Serpentinenwand im Aufstieg zur Grimsel.
Erste Etappe – Stress für Velofahrer: Serpentinenwand im Aufstieg zur Grimsel.
Jürg Steiner
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Ja, es ist wahr, man kann sich lockerere Anfänge vorstellen. Die Aareroute beginnt so richtig oben auf dem Grimselpass im Quellgebiet des Flusses, und dorthin muss man zuerst kommen. Die Postautokurse ab Meiringen oder aus dem Oberwallis würden sogar Velos mitnehmen, aber ist man noch ein richtiger Velofahrer, wenn man sich in der Sänfte über jede Mühsal hinwegtragen lässt?

Ich fuhr also mit dem Zug nach Oberwald zuhinterst im Goms, und von dort nahm ich die Grimsel in Angriff. Nicht zum ersten Mal in meinem Leben, und richtig ist auch, dass man mit der Grimsel von Süden keinen ernsthaften Velofahrer beeindruckt. Zu wenig Höhendifferenz, zu wenig steil. Aber wenn man unten in Gletsch die Serpentinenwand hochblickt, wird man doch einen kurzen Moment schwach und möchte nur eines: lieber nicht hier sein.

Es ging natürlich länger, als ich gedacht hatte, auf den 12 von der Walliser Sonntagnachmittagssonne unbarmherzig beschienenen Kilometern zur Passhöhe wurde ich von holländischen Campern, luxemburgischen Cars und gefühlsmässig sämtlichen Töfffahrern Westeuropas überholt, dazu liessen die entfesselten Oberwalliser Autotuner ihre tiefergelegten Kraftbolzen in jeder Kurve kreischen. Ja, die traditionelle Kultur des sonntäglichen Alpenpassfahren ist auch bei der jüngeren Generation noch in voller Blüte, und nie käme man auf der zugeparkten Grimselpasshöhe auf die Idee, dass je jemand das Wort Klimanotstand in den Mund genommen hätte.

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In mich gekehrt rollte ich dann plötzlich doch über den Kulminationspunkt und erblickte unter mir erstmals die Aare, zum Arbeiten als Stromproduzentin gezwungen in einer pittoresken Kaskade glitzernder Stauseen. Mein Zustand verschwitzter Demut machte mich in diesem Moment besonders empfänglich für die Kraft der abgehobelten, rauen Granitlandschaft der Grimsel, die geradezu einlädt, das Gefängnis der Vernunft zu verlassen, sich dem Sog der mit nordamerikanischer Grosszügigkeit angelegten Passstrasse hinzugeben und in den Schlund hinunterzurasen, den die Aare geduldig geformt hat.

Ich blieb brav und vorsichtig und überliess riskante Kurvenlagen meinen heimlichen Träumen. Egal. Den Ritt auf dem Fahrradsattel hinunter von der Grimsel kann ich als bewusstseinserweiternde Erfahrung vorbehaltlos weiterempfehlen - allerdings nicht unbedingt Familien mit Kindern, die Überholmanöver der Motorradfahrer lassen auf dem Velo keinen Schwenker zu.

Aber das Gefühl, es ist grandios. Im Kessel von Innertkirchen, von allen Seiten umgeben von himmelhoch aufragenden Granitwänden, fühlte ich mich nach der rauschhaften Fahrt warm und geborgen, und als ich auf dem wunderbaren Zeltplatz Aareschlucht alleine vor meinem Zelt sass und zu meinem Rad hinüberblickte, kam ich mir einen Augenblick lang vor wie ein Cowboy mit seinem Pferd, der furchtlos aufgebrochen war, ein anderes Leben zu wagen.

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