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Stauen gegen den Stau

Der Verkehr wird ab 2021 nördlich von Bern in den Spitzenstunden über zusätzliche Ampeln dosiert. Die Fahrzeuge sollen sich ausserhalb der Ortskerne stauen.

Bernstrasse in Zollikofen: Zu den Stosszeiten kommen Busse kaum vorwärts und können den Fahrplan nicht einhalten. Foto: Iris Andermatt
Bernstrasse in Zollikofen: Zu den Stosszeiten kommen Busse kaum vorwärts und können den Fahrplan nicht einhalten. Foto: Iris Andermatt

Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) transportierte auf den Buslinien im letzten Jahr weniger Passagiere. Als einen Grund für den Rückgang nannte der RBS Anfang Woche die mangelnde Fahrplanstabilität. Die Busse blieben wegen überlasteter Strassen immer wieder stecken.

Möglicherweise werden die Passagierzahlen in den nächsten Jahren wieder steigen. Denn der Kanton Bern will im Norden der Agglomeration Bern, wo der RBS einige Buslinien betreibt, den Verkehr verflüssigen. Verkehrsmanagement Region Bern-Nord heisst das Zauberwort. Am Donnerstag stellten die Verantwortlichen das Projekt vor (siehe Kasten).

Kein Schreckgespenst

Regierungspräsident Christoph Neuhaus (SVP) sprach von einem neuartigen Vorhaben. Für die einen möge es das «Allerheilmittel» sein zur Lösung des Verkehrsproblems, führte Verkehrsdirektor Neuhaus aus. Für die anderen ein «Schreckgespenst mit Ampeln und Wartezeiten vor Rotlichtern». Die Wahrheit liege, so Neuhaus, wie so oft irgendwo dazwischen. Der Verkehr soll verflüssigt und Ortskerne entlastet werden, ohne einen Ausbau der Strasse. Oder wie es Neuhaus gleich zweimal formulierte: «Bits und Bytes statt Asphalt.»

Busse bleiben stecken

Kantonsoberingenieur Stefan Studer erklärte, dass sich der Verkehr gleich verhalte wie das Wasser. Er nehme den Weg des geringsten Widerstandes und fliesse auch dort durch, wo man es nicht wolle: durch Wohnquartiere. Einer der neuralgischen Punkte im Perimeter sei die Bernstrasse in Zollikofen. Busse können den Fahrplan nicht einhalten, Passagiere verpassen Anschlusszüge.

Die wichtigste Massnahme ist die Dosierung mittels Lichtsignalanlagen an den Ortseingängen. Zählstellen registrieren, wenn der Verkehr ins Stocken gerät. Die Ampeln schalten sich ein und lassen nur so viele Fahrzeuge durch die Ortskerne, dass sich der Verkehr nicht staut. «Ausserhalb der Stosszeiten merkt der Autofahrer nichts davon, es herrscht freie Fahrt», betonte Stefan Studer. Ob durch die Lichtsignalanlagen die Fahrt länger oder kürzer wird, konnten die Verantwortlichen nicht sagen. Durch die Ortschaften komme der Autofahrer aber zügiger.

Komplexes System

Als «Innovation» pries Stefan Studer die Erfassung der Reisezeit an. Mit anonymisierten Daten von Verkehrsteilnehmern (GPS, Navisysteme, Mobiltelefon) wird diese berechnet und über die Infotafeln weitergegeben.

Weil keine baulichen Eingriffe nötig sind, braucht es kein Strassenplanverfahren und keine Bewilligung. Im nächsten Jahr werden die ersten Massnahmen umgesetzt, voll in Betrieb sein wird das Projekt ab 2021. Neuhaus und Studer wiesen darauf hin, dass das komplexe System sicher eine gewisse Anlaufzeit brauche.

Die beiden Gemeindepräsidenten Manfred Waibel (SVP, Münchenbuchsee) und Marco Rupp (BVI, Ittigen) sind sich einig, dass das Verkehrsproblem nur regional gelöst werden kann. Jede Gemeinde müsse dabei ihre Kröte schlucken, sagte Rupp.

Infoabende: Dienstag, 19. März, um 19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Moosseedorf und am Donnerstag, 21. März, um 19.30 Uhr im Haus des Sports in Ittigen.

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