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Stadtregierung will Wohnraum schützen

Im Moment lässt die Stadt­regierung erheben, wie viele Airbnbs es in Bern gibt. Sie zieht Massnahmen in Betracht, sollte sich zeigen, dass zu viel Wohnraum zweckentfremdet wird.

Von 36 bis über 200 Franken: Airbnb-Angebote in der Berner Altstadt.
Von 36 bis über 200 Franken: Airbnb-Angebote in der Berner Altstadt.
Screenshot Airbnb

Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) hat auch schon in einem Airbnb übernachtet. Am Hafen von Marseille mietete er so für sich und seine Familie eine Wohnung. Der ursprüngliche Gedanke der Buchungsplattform Airbnb ist auch ganz im Sinne der Stadtberner Regierung: das Teilen von Ressourcen, in diesem Falle von Wohnraum.

«Sharing economy» heisst dieses Prinzip, und es ist sogar in den kürzlich vorgestellten Legislaturzielen des Gemeinderats verankert. «Problematisch wird es dann, wenn ganze Wohnungen oder gar Häuser ausschliesslich für Airbnb genutzt werden», schränkt Stadtpräsident von Graffenried ein.

«Problematisch wird es, wenn ganze Wohnungen ausschliesslich für Airbnb genutzt werden.»

StadtpräsidentAlec von Graffenried

Der Wohnraum stehe dann der ortsansässigen Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung. Bekannt ist dieses Problem aus Top-Tourismusdestinationen wie Barcelona oder Amsterdam.

Stadt erhebt Zahlen

Vom Stadtparlament hat die Regierung den Auftrag erhalten, «gegen eine Zweckentfremdung von Wohnraum in der Altstadt» vorzugehen. Ein entsprechender Vorstoss der Fraktion Alternative Linke, Grüne Partei und Partei der Arbeit wurde erheblich erklärt.

Im Moment lässt der Gemeinderat darum erheben, wie viele Airbnbs es in der Stadt gibt. Bei der Auswertung der Daten fokussiere man jedoch auf die Innenstadt und insbesondere die Altstadt, erklärt von Graffenried. Herausfinden will man unter anderem, ob die Vermutung der Motionäre zutrifft, dass Airbnbs in der Altstadt zugenommen haben.

Je nach Ergebnis prüfe der Gemeinderat Massnahmen zum Schutz des Wohnraums vor der Umnutzung in klassische Zweitwohnungen, hält von Graffenried fest.

Doch wie könnte die Stadt überhaupt das Angebot von Airbnbs steuern? Möglich wäre dies über die städtische Bauordnung. Werden Wohnungen nicht mehr zum Wohnen genutzt, sondern für Dienstleistungen wie Hotelzimmer, Büros, Arzt- oder Anwaltspraxen, sind diese Änderungen baubewilligungspflichtig.

Bei Airbnb-Angeboten stellt sich die Frage, ob der Anteil der Dienstleistungsnutzung gegenüber der Wohnnutzung überwiegt. Werden Serviceleistungen erbracht, die mit denjenigen in Hotels vergleichbar sind, liegt eine Umnutzung von Wohnraum vor, die bewilligungspflichtig ist.

Für die Tourismusbranche bringt Airbnb sowohl Vor- als auch Nachteile: Einerseits nehme der Übernachtungstourismus zu, sagt von Graffenried, der auch Präsident des Fördervereins von Bern Tourismus ist.

Airbnb-Betriebe würden auch zunehmend die Übernachtungsabgaben (Kurtaxe) bezahlen. Demgegenüber würden die Hoteliers in der Stadt diese Entwicklung natürlich kritisch verfolgen.

Das Thema Airbnb und Zweitwohnungen habe an politischer Bedeutung gewonnen, sagt von Graffenried. Das zeigt auch ein Postulat der SP. Sie verlangt, dass der Gemeinderat eine Zweitwohnungssteuer prüfen soll.

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