Stadtrat will Marktmieten für Wohnüberbauung in der Lorraine

Bern

Die Stadt Bern baut im Lorraine-Quartier einen Neubau mit Wohnungen und Ateliers. Gegen den Willen der Stadtregierung sollen die Wohnungen zu Marktpreisen vermietet werden.

Die Stadt Bern baut im Lorraine-Quartier einen Neubau mit Wohnungen und Ateliers. Der Stadtrat hat am Donnerstag einen Kredit von 8,8 Millionen Franken genehmigt. Gegen den Willen der Stadtregierung sollen die Wohnungen zu Marktpreisen vermietet werden.

In dem Neubau am Centralweg will der städtische Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik 13 Wohnungen erstellen.Das mehrstöckige Projekt namens «Baumzimmer» mit architektonisch unkonventionellen Balkonen soll nach Minergie-Standard gebaut werden.

Knapp bewilligt

Das Stadtparlament bewilligte den Ausführungskredit für den Neubau mit 35 zu 29 Stimmen bei 5 Enthaltungen. Die Ratslinke stimmte am Schluss gegen den Kredit, obwohl sie die Überbauung ursprünglich befürwortet hatte.

Grund für das Umschwenken von SP und GB war ein Antrag der Grünliberalen, den der Stadtrat zuvor mit 32 zu 27 Stimmen gutgeheissen hatte. Der Antrag verlangt, dass die Wohnungen und Ateliers zu marktüblichen Mieten angeboten werden.

Der Gemeinderat dagegen hatte - unterstützt von der Ratslinken - eine Subventionierung der Wohnungen mit insgesamt 2,65 Millionen Franken beantragt, um diese preisgünstiger abgeben zu können. «Es sollen Wohnungen für ganz normale Mittelstandsfamilien entstehen», erklärte Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP).

Keine Subventionen für «coole Luxuswohnungen»

Doch Grünliberale, FDP, SVP sowie die Fraktion BDP/CVP störten sich an der Subventionierung eines «Prestigeobjekts», wie verschiedene Fraktionssprecher sagten. Es sei nicht sinnvoll, einen «coolen, luxuriösen Neubau» mit Steuergeldern zu verbilligen, sagte Peter Ammann namens der Fraktion GLP.

Für solche Topwohnungen an guter Wohnlage müsse die Stadt entsprechende Mieten verlangen, befand auch FDP-Sprecher Bernhard Eicher. Wenn die Stadt Wohnungen für Personen mit niedrigeren Einkommen bauen wolle, müsse sie dies kostengünstiger tun.

Nichts einzuwenden hatte der Stadtrat jedoch gegen eine Teilfinanzierung des Bauprojekts aus dem Innovationsfonds. Auch einen Rückweisungsantrag von Stadtrat Luzius Theiler (Grüne Partei Bern) lehnte das Parlament mit 35 zu 27 Stimmen ab.

Im Winter 2014/2015 bezugsbereit

Theiler hatte das aus seiner Sicht «völlig missratene» Bauvorhaben an den Gemeinderat zur Überarbeitung zurückschicken wollen. Es gehe nicht an, dass die Stadt viel teurer baue als gemeinnützige Bauherren.

Laut Finanzdirektor Schmidt könnten die Wohnungen im Winter 2014/2015 bezugsbereit sein. Offen ist derzeit noch die Frage eines Näherbaurechts zur Nachbarliegenschaft, das es für die Realisierung der «Baumzimmer»-Balkone braucht

js/sda

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