Stadtnomaden: Feste Bleibe oder kein Platz mehr

Wohin mit den Stadtnomaden? Ins Gäbelbachtal dürfen sie nicht, im Schermen-Areal dürfen sie nicht mehr lange bleiben. In 6 Wochen entscheiden die Stimmbürger über eine Zone für alternatives Wohnen in Riedbach.

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Ralph Heiniger

In der Stadt Bern hat alternatives Wohnen Tradition. Diese Aussage machte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) unlängst im Parlament. Ob Zaffaraya, Stadttauben oder Stadtnomaden – es gibt seit langem Gruppierungen, die sich die Freiheit nehmen, «experimentell» zu wohnen. Während es um Zaffaraya schon länger ruhig ist und die Stadttauben offenbar verschwunden sind, sorgen in letzter Zeit die Stadtnomaden für viel Aufsehen.

Alle drei Monate zieht der Verein Alternative – besser bekannt unter dem Namen Stadtnomaden – um. Aktuell residieren sie auf dem Schermen-Areal. Weil die Opposition gegen ihren kurzfristig geplanten Umzug ins Gäbelbachtal besonders heftig war, bleiben sie vorläufig dort. Die Stadt sucht aber raschestmöglich nach einer Alternative (wir berichteten).

Mitte-Bürgerlich dagegen

In Zukunft sollen die Stadtnomaden – und andere alternative Wohngruppen – dauerhaft nach Riedbach ziehen (siehe Kasten). So will es der Gemeinderat, so hat es auch die Mehrheit des Stadtrats beschlossen. Das letzte Wort hat aber das Stadtberner Stimmvolk in der Abstimmung vom 22.September. Die Vorlage ist umstritten.

Die CVP hat im letzten Jahr eine Petition gegen die Zone für Wohnexperimente lanciert und über 1000 Unterschriften gesammelt. «Diese Zone schafft mehr Probleme, als sie löst», ist CVP-Stadtrat Michael Daphinoff überzeugt. «Möglicherweise wollen die angesprochenen Gruppierungen gar nicht in die vorgesehene Zone ziehen – oder aber der Riedbach wird zu einem Anziehungspunkt für Alternative aus der ganzen Schweiz. Und dann wäre die Zone bald zu klein.»

«Wir brauchen keine Stadtnomaden», sagt SVP-Fraktionspräsident Roland Jakob. Seine Partei halte gar nichts von einer Zone für Wohnexperimente. Die aktuellen Vorfälle in der Eymatt zeigen, dass die Stadtnomaden bei den Nachbarn unerwünscht seien und dass die Behörden keine Lösungen parat hätten, so Jakob.

Ebenso deutlich ist die Haltung der FDP. «Wir lehnen diese Zone ab und werden sie aktiv bekämpfen», sagt FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher. Die gleichen Bedenken, die sich in den letzten Tagen in der Eymatt gezeigt haben, bestünden in der ganzen Stadt.

Mitte-Links dafür

GLP-Fraktionspräsident Michael Köpfli ist der Meinung, dass alternative Wohnformen in der Stadt Bern Platz finden müssten. Er halte den Standort Riedbach für denkbar. «Es gibt aber Anzeichen, wonach der Standort von den Stadtnomaden als ungeeignet betrachtet wird.» Weiter kritisiert Köpfli das Verhalten der Regierung wegen des abgesagten Umzugs der Stadtnomaden ins Gäbelbachtal. «Der kurzfristige Standort in der Eymatt wurde wegen Opposition fallen gelassen. Am langfristigen Standort Riedbach will der Gemeinderat trotz Opposition festhalten.»

Das sei unglaubwürdig, so Köpfli. Die SP ist für die Zone für Wohnexperimente. «Es ist wichtig, dass auch alternative Wohnformen in der Stadt Bern ihren Platz finden», sagt SP-Co-Präsidentin Edith Siegenthaler. Der Standort in Riedbach wäre aus SP-Sicht eine gute, definitive Lösung für die Stadtnomaden.

Es ist nicht der erste Versuch, den die Stadt punkto Wohnexperimenten unternimmt. 1996 scheiterte eine Vorlage für zwei alternative Wohnzonen an der Urne. Seither behalf sich die Stadt mit provisorischen Lösungen. Die Stadtnomaden rotierten in einem Rhythmus von drei Monaten. Vonseiten der Stadt ist klar: «Nach dem 22.September wird das Rotationsprinzip nur noch für ein paar Monate weitergeführt», so der städtische Infochef Walter Langenegger.

Das heisst: bei einem Ja werden die Stadtnomaden in Riedbach einquartiert, bei einem Nein «stehen den Stadtnomaden auf Dauer vonseiten der Stadt keine Plätze mehr zur Verfügung», so Langenegger.

Berner Zeitung

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