Stadt zaudert bei der Velobrücke

Der Gemeinderat ordnet für die Velobrücke zwischen Lorraine und Länggasse «vertiefte Abklä­rungen» an. Erst Ende 2019 wird man mehr über das Prestigevorhaben wissen.

Abklärungen! Abklärungen! - es geht nicht vorwärts mit der geplanten Velobrücke zwischen Lorraine und Länggasse.

Abklärungen! Abklärungen! - es geht nicht vorwärts mit der geplanten Velobrücke zwischen Lorraine und Länggasse.

(Bild: Andreas Blatter)

Jürg Steiner@Guegi

Ein Leuchtturmprojekt für Velofahrende! Das sollte die Fuss- und Velobrücke werden, die wegen der wohl umwerfenden Aussicht auf die Alpen auch Panoramabrücke heisst. Hoch über der Aare zwischen Lorraine und Länggasse würde sie eine bereits 2004 identifizierte Lücke im regionalen Velonetz mit grosser Geste schliessen. 18 bis 20 Millionen Franken dürfte sie kosten. Allerdings wartet man seit Jahren auf zuverlässige Kostenschätzungen, sodass man mitunter nicht mehr recht weiss, ob es sich bei der Brücke um eine spektakuläre, aber unverbindliche Vision oder ein ernsthaftes, vielleicht sogar notwendiges Vorhaben handelt.

Abklärungen! Abklärungen!

Was man seit gestern sicher weiss: Die Stadtregierung weiss das auch nicht so genau.

Deshalb beauftragt sie nun die Direktion von Gemeinderätin Ursula Wyss (SP), «vertiefte Abklärungen» vorzunehmen. Ende 2019, wenn sich die laufende Legislatur ihrem Ende zuneigen wird, sollen die Ergebnisse vorliegen. Danach wird der Stadtrat einen Variantenentscheid fällen, ehe man den Projektwettbewerb für die Brücke lanciert. Sofern die Idee bis dann noch lebt.

In wie mikroskopisch kleinen Schritten die Velobrücke vorangetrieben wird, zeigen die letzten Monate. Bereits 2016 hatte der Stadtrat einen Kredit über 2 Millionen Franken bewilligt für die Durchführung des Projektwettbewerbs. Das Parlament verfügte allerdings auch, dass für den Wettbewerb mehrere Varianten zugelassen werden – und nicht nur die vom Gemeinderat favorisierte Linie zwischen Polygonstrasse und Innerer Enge.

«Sehr wichtiges Projekt»

Auf diesen komplizierenden Zusatz stürzte sich die Direktion Wyss in Abklärungen. Jetzt, anderthalb Jahre später, liegt die zentrale Einsicht vor: Ein Projektwettbewerb macht keinen Sinn, wenn die Lage der Brückenköpfe nicht zuvor geklärt ist.

Darauf reagiert nun die Stadtregierung mit dem unverbindlichsten politischen Mittel: Sie ordnet – mit Horizont Ende 2019 – «vertiefte Abklärungen» an. Immerhin: Dass die Velobrücke auch noch für den Autoverkehr genutzt wird, lehnt der Gemeinderat kategorisch ab. Hingegen will man prüfen, ob ein Shuttlebus auf ihr verkehren könnte, was logischerweise aufwendig ist.

Die langwierige Velobrückenplanung des Gemeinderats treibt Parteikollegen von Ursula Wyss in Serie auf die Palme: Die SP-Politiker Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern, und Stefan Jordi, Vizepräsident des (ehedem von Stadtpräsident Alec von Graffenried präsidierten) Komitees Pro Panoramabrücke, fehlt jegliches Verständnis für die neuerliche Verzögerung. Ursula Wyss bleibt unbeeindruckt. Dem Gemeinderat sei die Velobrücke «sehr wichtig», sagt sie auf Anfrage, und deshalb wolle man das Vorhaben «nicht mit Zeitdruck gefährden». Angesichts «der Bedeutung dieses Generationenprojekts» halte sie die Verzögerung für vertretbar.

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