Stadt verbannt die Autos von der Schützenmatte

Bern

Die Parkplätze auf der Schützenmatte sollen verschwinden, entschied der städtische Gemeinderat. Nicht alle teilen diese Meinung.

Geparkte Autos auf der Schützenmatte: Aus Sicht des Berner Gemeinderates sollen solche Bilder definitiv der Vergangenheit angehören.

Geparkte Autos auf der Schützenmatte: Aus Sicht des Berner Gemeinderates sollen solche Bilder definitiv der Vergangenheit angehören.

(Bild: zvg)

Sheila Matti

Aktuell findet sich auf dem Parkplatz vor der Reitschule mehr Holz als Blech: Noch bis Monatsende lebt das «Neustadtlab» vor, was auf der Schützenmatte alles entstehen könnte. Eine Begegnungszone statt ein Parkplatz – diese Vision vertritt der Gemeinderat schon seit geraumer Zeit.

Bereits 2012 wurde mit dem Planungsprozess Schützenmatte begonnen. Nach vier Jahren kann dem Stadtrat nun ein fertiges Nutzungs- und Entwicklungskonzept präsentiert werden.

Der Gemeinderat beantragt dem Stadtrat einerseits, den Planungskredit um 400?000 Franken aufzustocken, und andererseits, auf jährliche Einnahmen von 600?000 Franken zu verzichten – so viel Geld wird von den rund 150 gebührenpflichtigen Parkplätzen generiert, die sich auf der Schützenmatte befinden. Und genau diese sollen in einem ersten Schritt verschwinden.

«Die Erfahrung aus den zwei durchgeführten Labors zeigt, dass kein Parkplatzmangel besteht, wenn die Schützenmatte gesperrt ist», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Wer in die Innenstadt will, könne zudem gut auf eines der in der Nähe gelegenen Parkhäuser ausweichen.

Zeitgleich mit der Aufhebung der Parkplätze werde ausserdem mit dem Ausbau des Park and Ride Neufeld begonnen. «Der partizipative Prozess, in dem das Konzept erarbeitet wurde, hat gezeigt, dass die Massnahme in der Bevölkerung breite Akzeptanz findet», ergänzt Tschäppät.

Kritik von der SVP

Zumindest im bürgerlichen Lager stösst das Konzept Schützenmatte aber auch auf Gegenwehr. «Die SVP Stadt Bern wird diesen Kreditantrag sicher nicht unterstützen», sagt Präsident Rudolf Friedli.

Einerseits störe seine Partei sich am Abbau der Parkplätze – diese sollten gemäss dem Verkehrskompromiss, welcher vor zwanzig Jahren vom Stimmvolk beschlossen wurde, ersetzt werden. «Für uns wäre eine parkplatzfreie Schützenmatte nur dann tragbar, wenn etwa ein unterirdisches Parkhaus zum Ausgleich entstehen würde.»

Andererseits störe man sich daran, dass der ohnehin schon hohe Planungskredit noch zusätzlich aufgestockt werden soll. «Wie so oft hat unsere linke Stadtregierung hier wieder viel Geld für nichts verplant», kritisiert Friedli.

Tatsächlich steigen die Kosten der Planung für eine Begegnungszone auf der Schützenmatte durch die zusätzlichen 400?000 Franken auf über eine Million. «Es gibt nun einmal Orte in Bern, wo viel Verkehr zu bewältigen ist und Parkplätze nötig sind. Einfach erneut die Autofahrer schikanieren, geht nicht», fasst Friedli zusammen.

Massnahmen ausserhalb

Das Nutzungs- und Entwicklungskonzept Schützenmatte beschränkt sich allerdings nicht nur auf den Platz selbst, sondern sieht auch Massnahmen ausserhalb der Schützenmatte vor. So sollen etwa die Strassenquerungen überarbeitet und der Platz damit besser an die angrenzenden Quartiere angebunden werden. Auch die Hodlerstrasse soll im Rahmen des Konzepts aufgewertet und in einen «Boulevard» umgewandelt werden.

Damit schlägt die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Aufwertung der Hodlerstrasse ist nämlich auch Gegenstand eines Vorstosses der Fraktion GB/JA aus dem Jahr 2011. Die Fraktion äusserte ihre Freude darüber, «dass die vielen GB-Vorstösse zur Aufwertung der Schützenmatte endlich das erwünschte Ergebnis zeigen», gestern auch in einer Mitteilung.

Ohne Autos: Das «Neustadtlab» zeigt, wie es sein könnte. Bild: Stefan Anderegg

Auch Juerg Luedi, Projektleiter des «Neustadtlab», meldete sich zu Wort: Man freue sich über den positiven Entscheid des Gemeinderats, und dass die Schützenmatte nun zu einem Platz umgestaltet werde, der eine vielseitige öffentliche Nutzung erlaube. Wie das aussehen könnte, macht Luedis Team ja bereits vor.

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