Stadt und Verband teilen sich die Kosten für den Cupfinal

Gespielt wird im Stade de Suisse, der Fussballverband beteiligt sich mit 50 Prozent an den Sicherheitskosten: Im Poker um den Cupfinal kann das Duo von Graffenried/Nause einen Sieg auf der ganzen Linie verbuchen.

<b>YB-Fanmarsch in den Cupfinal:</b> So sah es im Jahr 2009 aus.

YB-Fanmarsch in den Cupfinal: So sah es im Jahr 2009 aus. Bild: Christian Pfander

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Bern hat gewonnen. Zwar nicht den Cupfinal. Noch nicht. Doch das Spiel um den Austragungsort hat die Hauptstadt für sich entschieden. Dieses war im Sommer fulminant gestartet mit einem Sololauf des Berner Stadtpräsidenten: Der Cupfinal gehöre in die Hauptstadt, verkündete Alec von Graffenried (GFL). Danach nahm der Unterhaltungswert der Verhandlungen mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) jedoch rapide ab. Über deren Stand sickerte kaum etwas an die Öffentlichkeit. Und von Graffenrieds Verhandlungspartner Reto Nause (CVP) spielte dem Anschein nach eher uninspiriert mit, stets bemüht, den Ball flachzuhalten.

Ein Cupfinal in Bern ja, aber . . . dämpfte der Berner Sicherheitsdirektor die Erwartungen und liess durchblicken, dass er sich ohne Beteiligung des SFV bei den Sicherheitskosten kein Fussballfest im Stade de Suisse vorstellen könne. Nun stellt sich heraus: Die Strategie von Offensivakteur von Graffenried und dem defensiven Abräumer Nause war ein Erfolg auf der ganzen Linie.

Von Graffenrieds Einsatz . . .

Da war einerseits die Charmeoffensive von Graffenrieds an die Adresse des Fussballverbands. Von der Stadt und namentlich vom Berner Stadtpräsidenten sei ein klares Bekenntnis zum Cup-final gekommen, teilte der SFV auf Anfrage mit. Hat dieses letztlich den Ausschlag für Bern als Austragungsort gegeben? «Wir haben signalisiert, dass wir den Final hier in Bern wollen, dauerhaft», bestätigt von Graffenried. Dabei sei wichtig gewesen, dass er als Stadtpräsident hinter dem Entscheid stehe.

Als persönlichen Triumph will von Graffenried den Entscheid indes nicht verbuchen: «Es geht hierbei um Bern und seine Position als Sportstadt. Dazu etwas beizutragen, gehört zu meinen Aufgaben als Stadtpräsident.»

. . . und Nauses Hartnäckigkeit

Als Sieger der Stunde und darüber hinaus als gewiefter Taktiker hat sich andererseits Reto Nause erwiesen – denn ihm gelang am Verhandlungstisch ein Meisterstück, das besonders die Berner Steuerzahler beruhigen dürfte: «50 Prozent der Sicherheitskosten werden dem Schweizerischen Fussballverband in Rechnung gestellt», gibt Nause bekannt. Zur Erinnerung: Nach dem Cupfinal 2014 übernahm der SFV nur äusserst widerwillig einen Teil der Berner Sicherheitskosten.

Nause ist sich indes bewusst, dass seine Arbeit nun erst beginnt. «Wir haben bereits erste Gespräche geführt mit YB», so der Berner Sicherheitsdirektor. «Nun werden wir uns auch mit dem FCZ, dem Fussballverband und den SBB an einen Tisch setzen und versuchen, deren Bedürfnisse mit den unsrigen in Einklang zu bringen.» Konkreter möchte Nause noch nicht werden. Gesprochen werden dürfte aber sicherlich über Gastroangebote, Public Viewings, Parkiermöglichkeiten rund ums Berner Nordquartier – und natürlich über die mit einer gewissen Nervosität erwartete Anreise der FCZ-Fans samt Fanmarsch.

«50 Prozent der ­Sicherheitskosten werden dem Schweizerischen Fussballverband in Rechnung gestellt.»Reto Nause

Allerdings: Dass YB im Final steht, verändere die Sicherheitslage, sagt Reto Nause. «Wir haben nur einen Klub, der von auswärts anreist, und rechnen nun mit 15 000 Auswärtsfans anstatt mit 30 000. Das macht die Arbeit logistisch etwas einfacher.»

YB freut sich über die Durchführung im heimischen Stadion: «Wie viele Schweizer Fussballfans teilen wir die Meinung, dass der Cupfinal nach Bern gehört», sagt Albert Staudenmann, Mediensprecher des BSC Young Boys. Und man freue sich über jeden FCZ-Fan, der in guter Absicht nach Bern komme und das Fussballfest mitfeiere.

Der Ticketverkauf wird erst nach einer Absprachensitzung zwischen dem SFV und den Finalisten gestartet. «Es ist noch zu früh dazu, Einzelheiten zu kommunizieren», so Staudenmann. Aus Erfahrung lässt sich sagen, dass beide Teams gleich behandelt werden. Das Stade de Suisse hat 31 000 Plätze, ein Kontingent von je rund 11 500 wird den Finalisten überlassen, der Rest gehört dem SFV, den Sponsoren und den «neutralen Fussballfans». Wenn ein Team sein Kontingent nicht brauche, könnte ein Anteil bei Bedarf dem anderen zufallen. YB hat über 11 800 Saisonabonnementen. In welcher Form diese ein Vorkaufsrecht bekommen, hängt von der Anzahl Tickets ab, die YB vom SFV erhält.

Häufiger Heimvorteil

Unzufriedenheit über die Wahl des Austragungsorts herrscht beim FCZ. Der Heimvorteil sowie der Kunstrasen im Stade de ­Suisse begünstigten die Berner, moniert die FCZ-Führung. Zum Heimvorteil sagt YB-Sprecher Staudenmann: «Jeder Final hat eigene Gesetze.» Zwischen 2002 und 2018 habe 9-mal ein Team im Final Heimvorteil gehabt, also bei jedem zweiten Spiel – das letzte Mal, als ausgerechnet der FC Zürich im Letzigrund gegen Lugano spielte. Und gewann.

Auch der Vorteil durch die Unterlage relativiert Staudenmann: «Auf Kunstrasen werden heute auch Champions-League-Partien und WM-Qualifikationsspiele gespielt, er ist für niemanden mehr Neuland.» Ausserdem: Bekanntlich hat YB im Cupfinal gegen Sion 2009 auch verloren – zu Hause. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.03.2018, 21:51 Uhr

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