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Bern will seine Kiffer besser kennen lernen

Mit einer anonymen Online-Umfrage wollen die Universität und die Stadt Bern herausfinden, wie Cannabis-Konsumenten ihren Konsum kontrollieren. Erste Resultate sind Ende 2019 zu erwarten.

Gemeinderätin Franziska Teuscher über Sinn und Zweck der Cannabis-Studie. Video: sda

Sie seien unzuverlässig, träge und würden nichts auf die Reihe kriegen: Die Vorurteile gegenüber Kiffern sind altbekannt. Doch stimmen sie auch? Antworten darauf könnte eine Studie der Universität Bern liefern. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin will zusammen mit der Stadt Bern herausfinden, wie Cannabiskonsumenten ticken.

5000 per Zufall ausgewählte Stadtbernerinnen und -berner werden deshalb in den nächsten Tagen per Briefpost dazu eingeladen, anonym an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Auch auf der Homepage des Instituts kann der Fragebogen ausgefüllt werden. Der Fokus wird dabei auf die Frage gelegt, wie Cannabisraucher ihren Konsum selber regulieren. Denn darüber wisse man in der Forschung noch zu wenig, sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher am Montag anlässlich einer Medienkonferenz im Politforum Käfigturm.

Prävention im Vordergrund

Vor drei Jahren sass die Sozialdirektorin am selben Ort. Auch das Thema war dasselbe. Damals wollte die Stadt Bern noch einen Schritt weitergehen. Ein Pilotprojekt, das den regulierten Verkauf via Apotheken vorsah, sollte Erkenntnisse über die entsprechenden Auswirkungen auf das Konsumverhalten liefern. Doch der Bund schob dem Vorhaben einen Riegel vor (siehe Infobox).

«Wir dürfen das Cannabis-Geschäft nicht dem Schwarzmarkt überlassen.»

Franziska Teuscher, Sozialdirektorin Stadt Bern

Die grüne Gemeinderätin lässt bei dem Thema jedoch nicht locker. Das herrschende Konsumverbot ist für sie unbefriedigend: «Auf der einen Seite haben wir das Verbot, auf der anderen aber sehr viele Konsumierende.» Sie plädiert dafür, den Cannabisverkauf staatlich zu regulieren. Denn eines ist für Teuscher klar: «Wir dürfen das Geschäft nicht dem Schwarzmarkt überlassen, dort kümmert sich niemand um die Gesundheit der Konsumenten.» Und darum gehe es schliesslich: um wirksame Prävention. Die nun gestartete Umfrage soll die Grundlage dazu liefern.

Auch Nicht-Kiffer im Visier

Damit man Nicht-Kiffer mit dem Fragebogen nicht vor den Kopf stösst, sind auch sie eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen, wie Studienleiter Hansjörg Znoj von der Universität Bern ausführte. So habe man eine Art Kontrollgruppe, die aufzeigen könne, inwiefern Cannabiskonsumenten anders ticken. Studienleiter Znoj erwartet einen Rücklauf von 20 Prozent. Davon sollten rund ein Viertel Cannabiskonsumenten sein. Insgeheim muss er also darauf hoffen, dass die Trägheit, die man Kiffern nachsagt, tatsächlich nur ein Vorurteil ist.

Online-Umfrage auf: http://tiny.cc/selbstregulationcannabis

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