Stadt Bern startet DNA-Test für Hunde

Bern

Hundekot auf dem Trottoir, liegen gelassene Robidog-Säckli im Wald: Dagegen will die Stadt Bern nun vorgehen. Sie startet ein Pilotprojekt für eine Hunde-DNA-Datenbank. Alt-Stadtpräsident Alexander Tschäppät wird Hundeombudsmann.

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3191 Hunde waren letztes Jahr in Bern registriert. «Hunde machen viel Freude», hält die Stadt einleitend auf ihrem «Merkblatt für Hundehalter» fest. Aber: «Nicht alle Mitbürgerinnen und Mitbürger haben an Ihrem Vierbeiner so viel Freude wie Sie», mahnt sie die Zweibeiner auch.

Der Jöh-Effekt hält sich vor allem dann in Grenzen, wenn ein Bürger auf dem Trottoir oder in einem Park in einen fetten Hundehaufen tritt. Oder wenn er beim Spaziergang im Wald gefüllte Robidog-Säckli inmitten der Natur erspäht. Dabei ist die städtische Hundeverordnung klar: «Hundekot ist jederzeit korrekt zu entsorgen», heisst es da. Wer den Haufen liegen lässt, macht sich strafbar – also der Mensch, nicht der Hund.

Berner Gemeinderat startet einzigartiges Pilotprojekt

Auf städtischem Boden haben solche Verstösse letztes Jahr massiv zugenommen, wie ein interner Bericht der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie belegt, der dieser Zeitung zugespielt wurde. Allein im Stadtteil Kirchenfeld-Schosshalde nahm die Verschmutzung der öffentlichen Anlagen mit Hundekot um 58 Prozent zu.

Offensichtlich hat man bei der Stadt nun genug. Der Gemeinderat hat beschlossen, ein schweizweit einzigartiges Pilotprojekt zu starten, um die ordnungswidrigen Vierbeiner identifizieren zu können.

«Wir sprechen hier von einer neuen Qualität von Verschmutzung.»Sicherheitsdirektor Reto Nause

Wie Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) auf Anfrage be­stätigt, soll noch dieses Jahr mit dem Aufbau einer Hunde-DNA-Datenbank begonnen werden. «Wir sprechen hier von einer neuen Qualität der Verschmutzung», sagt Nause. Die Behörden bräuchten endlich stichhaltige Beweise, um gegen fehlbare Hundehalter vorgehen zu können. Das Ziel: Bis Ende 2018 will die Stadt von jedem Berner Hund eine DNA-Probe hinterlegt ­haben.

Nauses Direktion muss die städtische Hundeverordnung durchsetzen. Deshalb beantragte der Sicherheitsdirektor dem Gesamtgemeinderat den ungewöhnlichen Pilotversuch. Die Regierung hat ihn bewilligt und dafür einen Kredit von 295'000 Franken gesprochen. Ähnliche Projekte gibt es bereits in einigen US-Städten, in London startete letztes Jahr ein Versuch (siehe Kasten).

DNA-Test kann selber daheim durchgeführt werden

Müssen nun alle Berner Hunde bei ihrem Tierarzt des Vertrauens zum DNA-Test antraben? Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) beruhigt: Das sei nicht nötig. Man könne die Probe daheim selber entnehmen und einschicken. «Wir werden das Prozedere für alle Beteiligten so angenehm wie möglich machen», verspricht der Stadtpräsident.

«Wir werden das Prozedere für alle Beteiligten so angenehm wie möglich machen.»Stadtpräsident Alec von Graffenried

Die Stadt werfe auch nicht alle Hundehalter in einen Topf. «Die meisten verhalten sich korrekt. Leider gibt es aber wie in allen Bereichen Unbelehrbare.» Von Graffenried ist aber optimistisch, dass die DNA-Datenbank letztlich allen dienen wird. «Unsere wunderschöne Stadt bleibt sauber, und wer sich an die Regeln hält, hat nichts zu befürchten.»

Zudem sei völlig klar, dass die sensiblen Daten vor dem Zugriff Unberechtigter geschützt werden müssten. Ein Punkt, der auch für die städtische Datenschutzbeauftragte Mirjam Graf zentral ist (siehe Interview).

Alt-Stadtpräsident Tschäppät hats getestet

In den nächsten Tagen erhalten alle Stadtberner Hundehalter per Post das DNA-Starter-Testset: Zwei Wattestäbchen, einen sterilen Behälter und eine ausführliche Gebrauchsanweisung. Im Auftrag der Stadt getestet hat den Test Alt-Stadtpräsident Alexander Tschäppät, selber Besitzer von zwei Hunden.

«Es ist ganz einfach, die DNA zu entnehmen», sagt Tschäppät. Am besten halte man dem Hund das Wattestäbchen locker vor die Schnauze und zeige ihm ein Leckerli. «Wenn er dann das Maul öffnet, kann man mit dem Stäbchen kurz über seine Zunge fahren. Fertig.» Anschliessend verpackt man die Watte wie beschrieben, beschriftet den Behälter und schickt alles retour an die Stadt.

«Der Hund macht bei seinem Geschäft nicht an der Gemeindegrenze halt.»Alt-Stadtpräsident und Hundeombudsmann Alexander Tschäppät

Gesammelt und fachgerecht aufbewahrt werden die Proben vom Polizeiinspektorat. Dort wird auch eine zusätzliche Person befristet angestellt. Zudem hat die Stadt ihrem früheren Stapi ein Mandat erteilt.

Alt-Stadtpräsident wird als Vermittler eingesetzt

Tschäppät wird die neu geschaffene Funktion eines Hundeombudsmannes bekleiden. Er soll zwischen «Hündelern» und den Behörden vermitteln. «Ich freue mich auf diese Aufgabe», sagt Tschäppät. Er wolle den Fokus auf die regionale Zusammenarbeit legen. «Schliesslich macht der Hund bei seinem Geschäft nicht an der Gemeindegrenze halt.»

Mit seinen beiden Vierbeinern gehe er oft im Ostermundigenwald spazieren. Tschäppät will darum bald das Gespräch mit der Nachbargemeinde suchen.

Alexander Tschäppät beim Spaziergang mit seinen Hunden im Wald. Video: Claudia Salzmann

Einmal im Jahr sind «Fake-News» und alternative Fakten in den Medien erlaubt: am 1. April. Mit obenstehendem Artikel führte diese Zeitung ihre Leserinnen und Leser an der (Hunde)nase herum. Die Stadt Bern plant vorderhand keinen solchen Pilotversuch.

Wissenschaftlich wäre ein solches Vorgehen zwar möglich, und glaubt man anderen Medienberichten, werden solche DNA-Abgleiche bei Hunden in den USA, in Spanien und Grossbritannien schon vereinzelt angewendet.

Uns bleibt der Dank an alle am Scherz Beteiligten, die sich für unseren Text bereitwillig falsch zitieren liessen.

Berner Zeitung

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