Stadt Bern erhält weniger Geld von der EWB

Künftig muss die EWB der Stadt weniger Geld auszahlen. Die schwierige Lage auf dem Strommarkt lasse die bisherige, fixe Ausschüttung nicht mehr zu.

Der Stadtberner Energieversorger EWB schüttet künftig weniger Gewinn an die Stadt aus. Das Unternehmen braucht mehr Kapital für neue Investitionen.<p class='credit'>(Bild: Urs Baumann)</p>

Der Stadtberner Energieversorger EWB schüttet künftig weniger Gewinn an die Stadt aus. Das Unternehmen braucht mehr Kapital für neue Investitionen.

(Bild: Urs Baumann)

Berns Energiedienstleister Energie Wasser Bern (EWB) muss der Stadt Bern künftig nicht mehr fix 25 Millionen Franken pro Jahr abliefern. Berns Gemeinderat reagiert auf die tiefen Strompreise und hat ein neues, teilvariables Gewinn-Ausschüttungsmodell beschlossen.

Es sieht vor, dass EWB der Eigentümerin Stadt Bern künftig einen fixen Beitrag von 18 Millionen Franken pro Jahr überweist plus einen variablen Anteil von 40 Prozent des Jahresgewinns. Das teilten die Berner Stadtregierung und EWB am Donnerstag gemeinsam mit.

Variabel ist dieser zweite Teil des Jahresgewinns, weil EWB ihn nur dann ausrichten muss, wenn der Jahresgewinn des Unternehmens 45 Millionen Franken übersteigt.

Das aktuelle Marktumfeld mit Strompreisen teilweise unter den sogenannten Gestehungskosten lasse die bisherige, fixe Ausschüttung nicht mehr zu, steht in der Mitteilung. EWB müsse in der «aktuell herausfordernden energiewirtschaftlichen Situation» angemessen unterstützt werden. Das Unternehmen brauche Kapital für Investitionen.

Auch mit zunehmendem Wettbewerb, neuen Technologien und Trends sowie veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen begründen der Berner Gemeinderat und EWB die Änderung des Gewinnausschüttungsmodells.

Der Gemeinderat kommt EWB auch bei den Zinsmargen entgegen. Das ist ein Betrag, den selbständige Anstalten der Stadt Bern der Stadt ausrichten. Dies als Abgeltung für die besseren Konditionen auf dem Finanzmarkt, welche die Anstalten haben, wenn sie via Stadt dort Geld aufnehmen. Vorläufig für ein Jahr verzichtet der Gemeinderat auf die Erhebung dieser Marge.

8,6 Millionen Einnahmenausfall für Stadt

Die beiden Änderungen werden ab 2018 Auswirkungen auf die städtischen Finanzen haben. Die Stadt Bern rechnet damit, dass sich die Gewinnausschüttungen von EWB um jährlich rund 8,6 Millionen Franken reduzieren. Das ruft nach Sparmassnahmen, über die der Berner Gemeinderat bei der Erstellung des Integrierten Aufgaben- und Finanzplans (IAFP) sprechen will.

Ihm sei es ein Anliegen, EWB in der aktuell herausfordernden energiewirtschaftlichen Situation angemessen zu unterstützen, schreibt der Gemeinderat. Es gelte, EWB genügend Mittel für die Umstellung des ganzen Produktionsparks hin zu erneuerbaren Energien bereitzustellen. Auch habe ja EWB den städtischen Richtplan Energie umzusetzen.

Noch nicht seit langer Zeit überweist EWB der Stadt Bern fix einen Betrag von 25 Millionen Franken - respektive 22,5 Millionen Franken für die Stadtkasse und 2,5 Millionen Franken für den Ökofonds. In den Jahren 2002 bis 2012 lieferte EWB der Stadt zwischen 35 und 43 Millionen Franken ab, wie EWB-Mediensprecherin Alexandra Jäggi auf Anfrage sagte.

Im Januar 2012 beschloss die Stadtregierung, die Gewinnausschüttung auf 25 Millionen Franken zu begrenzen. Das wurde 2013 wirksam.

Auch Eignerstrategie angepasst

Berns Gemeinderat teilte am Donnerstag auch mit, er habe die EWB-Eignerstrategie von 2009 angepasst. Auch mit dieser Revision geht es darum, EWB weiter in die Umsetzung der städtischen Energiepolitik einzubinden und dem Unternehmen die Möglichkeit zu geben, auf das veränderte Umfeld angemessen zu reagieren.

Beispielsweise heisst es in der angepassten Eignerstrategie nun nicht mehr nur: «EWB nutzt (. . .) die finanziellen Spielräume, um langfristige zukunftsorientierte Investitionen in Energieefizienz und Erneuerbare Energien zu planen und umzusetzen».

Sondern auch: «Falls aufgrund der Marktsituation keine solchen Spielräume bestehen, hat die finanzielle Stabilität des Unternehmens Vorrang.»

tag/sda

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