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Stadion-Steward: «Es war wie im Krieg»

Nicht nur auf dem Marsch durch die Stadt, sondern auch im Stade de Suisse randalierten Zürcher Fans am Ostermontag. Eine Sicherheitsfrau erlebte beim Stadioneingang bange Momente.

Die Polizei stand ausserhalb des Stadions im Einsatz. Im Stadion sorgte Protectas für Sicherheit, Stewards kontrollierten unter anderem Tickets.
Die Polizei stand ausserhalb des Stadions im Einsatz. Im Stadion sorgte Protectas für Sicherheit, Stewards kontrollierten unter anderem Tickets.
Jürg Spori

Vermummte Fans zünden Knallpetarden, beissender Rauch liegt in der Luft. Solche Szenen konnten am Ostermontag nicht nur während der Fanmärsche zum Cupfinal beobachtet werden, sondern auch direkt beim Wankdorfstadion. Betroffen von Chaoten waren nebst den Zuschauern auch die Stewards, die unter anderem beim Stadioneingang für die Ticketkontrolle verantwortlich waren.

Ein weiblicher Steward* schildert die Erlebnisse in einer E-Mail an diese Zeitung. «Das Gedränge am Eingang wurde dichter, die Treppen waren verstopft. Plötzlich kam ein Vermummter durch das Drehkreuz hindurch», schreibt sie. Auf den ersten Vermummten seien viele weitere gefolgt. Sie sprangen laut Steward über die Abschrankung. Die Frau musste zurückweichen, weil sie sonst von den Füssen getroffen worden wäre. Die zuerst ausgelassene Stimmung kippte, «etwas Bedrohliches schwebte in der Luft». Auch die andern Stewards seien zurückgewichen. «Die Vermummten strömten gewaltsam in den Sektor.»

Stewards unter Schock

Die verängstigte Frau suchte hinter einer Säule Schutz. «Von dort aus sah ich, dass diese Gestalten auch unten versuchten, den Eingang zu stürmen. Die Mitarbeiter hatten grosse Mühe, die Lage zu kontrollieren.» Danach wurde sie von einem vermummten Zürcher mit einer Spraydose bedroht. Ob es sich um Farb- oder Pfefferspray handelte, ist nicht klar. Er liess von ihr ab, sodass sie sich in einer Ecke verstecken konnte.

Dort suchten zwei ihrer Kollegen ebenfalls Schutz. Während rundherum Böller explodierten, beobachteten die drei Stewards, wie die Massen weiterhin in den Fan-sektor strömten. Schliesslich konnte sie ihren Einsatz beenden. «Ich hatte einen Schock erlitten.» Das Stadion durfte sie nicht verlassen, weil Zürcher davor noch randalierten. Sie beobachtete, wie Polizisten auf der Allmend hinter Fans herjagten. «Es war wie im Krieg.»

«Frau hat richtig reagiert»

Verantwortlich für die Stewards war das Stade de Suisse. Deren Sprecher Albert Staudenmann bestätigt, «dass es im Eingangsbereich zum FCZ-Sektor kritische Momente gab». Die Sicherheit der Gäste und der Leute im Stadion stehe immer im Zentrum. «Die Frau, die als Steward im Einsatz stand, hat sich laut ihren Ausführungen richtig verhalten.» Die Stewards seien angehalten, sich bei solchen Situationen zum eigenen Schutz und zum Schutz der unmittelbar beteiligten Zuschauer zurückhaltend zu verhalten.

«Das Anhalten solcher Chaoten gehört nicht zum Aufgabengebiet eines Stewards, diese Arbeit wird vom Ordnungsdienst respektive von der Polizei ausgeführt.»Letztere war im Stadion nicht präsent. Staudenmann bedauert die Vorfälle und verurteilt die Gewaltausbrüche. Für Stewards, die solche Erlebnisse verarbeiten müssten, stehe bei Bedarf professionelle Hilfe des psychologischen Dienstes des Inselspitals zur Verfügung.

*Name der Redaktion bekannt

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