SRG kämpft im Nationalrat um jede Stimme

Bern

Der Widerstand gegen den Umzug des Radiostudios von Bern nach Zürich soll «weglobbyiert» werden.

Der Nationalrat wird sich in Kürze mit der Frage nach dem Standort des Radiostudios an der Schwarztorstrasse in Bern beschäftigen.

Der Nationalrat wird sich in Kürze mit der Frage nach dem Standort des Radiostudios an der Schwarztorstrasse in Bern beschäftigen.

(Bild: Adrian Moser)

Benjamin Bitoun

Darf die SRG Radio und Fernsehen zu einer grossen Zürcher Medienfabrik im Leutschenbach verschmelzen? Oder wird sie gezwungen, an den Standorten Bern, Genf und Lausanne festzuhalten? Mit diesen Fragen wird sich in Kürze der Nationalrat beschäftigen.

Die Initiativen, mit denen die SRG per Gesetz zum Föderalismus gezwungen und der Umzug des Berner Radiostudios nach Zürich verhindert werden soll, wurden im Januar zwar in der vorberatenden Kommission abgelehnt. Doch im Plenum des Nationalrats rechneten sich die Befürworter gute Chancen aus, sagt Initiantin und Grünenpräsidentin Regula Rytz (BE).

SRG intensiviert Lobbying

Offenbar teilt man bei der SRG Rytz’ Einschätzung. Auf die Frühlingssession hin hat das Medienunternehmen seine Lobbyingaktivitäten nochmals verstärkt. Laut Quellen ist das «Weglobbyieren der Initiativen» nun Chefsache: «Generaldirektor Gilles Marchand geht persönlich auf einzelne Parlamentarier zu», sagt ein SRG-Kadermann zu dieser Zeitung.

Im Zentrum der Bemühungen der SRG-Lobbyisten stünden Parlamentarierinnen und Parlamentarier der SP. Diese hatten sich zuvor fast ausnahmslos gegen eine Zentralisierung in Zürich ausgesprochen. Ausnahmen, welche sich innerhalb der SP für die SRG starkmachen würden, seien Nationalrätin Edith Graf-Litscher (TG) und Ständerat Claude Janiak (BL), berichten zwei Quellen.

Reise mit SRG-Führung

Graf-Litscher und Janiak waren auch Teil einer 13-köpfigen Delegation, die im Februar nach Berlin gereist ist und unter anderem das Hauptstadtstudio der ARD besucht hat. Ebenfalls bei der Reise dabei: SRG-Generaldirektor Gilles Marchand und Direktorin Nathalie Wappler. Ein Coup der SRG-Lobbyisten, um ihre Position den Parlamentsmitgliedern näherzubringen?

«Es hat sich um eine offizielle Informationsreise zur Verkehrs- und Medienpolitik gehandelt», widerspricht Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP). «Dass Frau Wappler und Herr Marchand im selben Flugzeug reisten wie wir, war reiner Zufall.» Eingeladen worden sei die SRG-Führung von der Schweizer Botschaft in Berlin, diese habe die Gästeliste zusammengestellt, so Graf-Litscher weiter.

Ob die Vorstösse gegen die SRG-Strategie der Zentralisierung bereits am Mittwoch im Nationalrat diskutiert werden, ist ungewiss. Wahrscheinlicher ist, dass darüber erst in einer Sondersession im Mai befunden wird. Derweil scheint die SRG drauf und dran zu sein, Fakten zu schaffen: Entgegen den offiziellen Ankündigungen warte man das Resultat der politischen Debatte nicht ab, sagt ein in die Umzugsplanung involvierter Insider. «Der Plan wird hinter den Kulissen vorangetrieben – bis hin zur Pultverteilung in Zürich.»

Berner Zeitung

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