Spuren des alten Kirchturms von Muri

Muri

Der heutige Kirchturm in Muri steht erst seit 50 Jahren, doch von seinem Vorgänger sind nach wie vor Reste erhalten: Die alten, nun zugemauerten Fenster sind im Innern nach wie vor zu sehen.

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Stephan Künzi

Die Überraschung wartet hinter der Tür, die in den Kirchturm führt. Zuerst geht es noch über eine steile Stiege empor in die erste Etage, doch dann ist die Verblüffung perfekt. In den Wänden tun sich mehrere schmale Bogenfenster auf, in Bodennähe zeugt ein weiterer, etwas breiterer Bogen von noch einer Tür. Hier wie dort geht der Blick allerdings nicht mehr hinaus ins Freie. Die Öffnungen sind zugemauert.

Seit 50 Jahren ist das so in der reformierten Kirche von Muri. Im Kern ist der stattliche Bau ja viel älter, die Mauern lassen sich zum Teil bis ins 12. Jahrhundert zurückdatieren. Der Turm in der heutigen Form kam indes erst 1967/1968 dazu. Das erklärt, wieso er im Ensemble mit dem Längsbau nicht sonderlich harmoniert. Unter seinem markanten Spitzdach wirkt er massig.

Das kommt nicht von ungefähr. Beim Bau vor 50 Jahren verzichtete die Kirchgemeinde darauf, den Vorgänger von 1881 vollständig abzureissen. Sie liess vielmehr das alte, im neugotischen Stil gehaltene Mauerwerk ummanteln und liess so auch die alten schmalen Bogenfenster stehen. Zum Neubau hatte sie sich übrigens entschlossen, weil der alte Turm eine Renovation nötig gehabt hätte. Die Sandsteinquader waren 1881 verkehrt eingesetzt worden und litten unter übermässiger Verwitterung.

Folgen des Erdbebens

Schon der Turm von 1881 hatte einen Vorgänger. Dieser war ähnlich alt wie der Längsbau und wurde 1881 bei einem Erdbeben arg in Mitleidenschaft gezogen. So zumindest lautete die offizielle Begründung – vielleicht wollte man sich auch ganz einfach nur einen Turm leisten, der dem damaligen Zeitgeist entsprach.

Ausstellung, Fest und Gottesdienst zum 50-Jahr-Jubiläum ab Freitag, Programm unter www.rkmg.ch

Berner Zeitung

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