Spielzeugladen legt sich mit Nationalbank an

Bern

Der Kran und die Baugerüste für den Umbau der Nationalbank hätten zu einem Rückgang der Laufkundschaft geführt, sagt Simon Lüthi. Der Geschäftsführer des Spielzeugladens Chlätterbär fordert eine Entschädigung.

Seit den Bauarbeiten bleiben bei ihm die Kunden aus: Chlätterbär-Geschäftsführer Simon Lüthi fordert von der Nationalbank eine Entschädigung.

Seit den Bauarbeiten bleiben bei ihm die Kunden aus: Chlätterbär-Geschäftsführer Simon Lüthi fordert von der Nationalbank eine Entschädigung.

(Bild: Beat Mathys)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

In dieser Geschichte kämpft David gegen Goliath. Steinschleuder ist zwar keine im Spiel. Hier versucht David, den Goliath mit Briefen zu Fall zu bringen. In einem solchen Brief verlangt David, in diesem Fall der kleine Stadtberner Spielzeugladen Chlätterbär, von der riesigen Nationalbank eine ungenannte Summe Geld. Die Begründung: «Seit die Nationalbank ihr Gebäude am Bundesplatz umbaut, bleiben bei uns die Laufkunden aus», sagt Chlätterbär-Geschäftsführer Simon Lüthi gegenüber dieser Zeitung.

Seit dem Frühjahr 2015 baut die Nationalbank ihr Hauptgebäude am Bundesplatz und weitere Gebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite um. Dafür wurde quer über die Amtshausgasse eine Installation erstellt, die einen Kran und Baustellencontainer trägt. Das Trottoir in der Amthausgasse ist auf der Seite, wo sich der Spielzeugladen befindet, teilweise gesperrt.

120'000 Franken weniger

Der Umsatz im Chlätterbär sei seither um 8 Prozent zurückgegangen. «Vor allem Leute, die nicht in Bern wohnen, meiden die Amthausgasse bei ihrem Bummel durch die Stadt», sagt Lüthi. Diese könnten wegen der Baustelle nicht mehr sicher einschätzen, ob der Weg zum Zytgloggeturm und in die obere Altstadt durch die Amthausgasse überhaupt noch durchgehend begehbar sei. «Also weichen sie vorsichtshalber auf die Hauptgassen aus.»

Auch Monica Klucker von Coiffeur Monica in der Amthausgasse bestätigt auf Anfrage: «Es hat deutlich weniger Menschen in der Gasse als vor der Umbauzeit.» Die gleichen Beobachtungen hat die Dame hinter dem Verkaufstresen der Bäckerei Glatz gemacht. Sie will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen.

Für den Chlätterbär rechnet Geschäftsführer Simon Lüthi mit Umsatzverlusten von 120'000 Franken bis Ende Jahr. «Diese finanziellen Einbussen sind existenzbedrohend», steht in einem Brief an die Nationalbank. «Ich bitte Sie zu prüfen, in welchem Rahmen Sie uns finanziell unterstützen können.»

Nationalbank sieht es anders

Der Brief stammt von der Gewa-Stiftung, die den Chlätterbär betreibt. Sie integriert Menschen ins Berufsleben, die aus psychischen Gründen herausgefordert sind. Im Chlätterbär betreibt die Stiftung acht Stellen für die berufliche Integration; sechs davon sind Lehrstellen. «Mit jedem Kunden, der ausbleibt, fehlt unseren Lehrlingen eine Trainingsmöglichkeit», betont Chlätterbär-Geschäftsführer Simon Lüthi.

Die Nationalbank bleibt hart: «Wir sehen keine Grundlage für eine finanzielle Unterstützung», schreibt sie der Gewa-Stiftung zurück. Die Distanz zwischen der Baustelle und dem Spielzeugladen sei dafür zu gross.

Da die Baustelle drei Jahre bleiben soll, kämpft der Chlätterbär weiter. «Als Nächstes schreiben wir einen Brief direkt an die Geschäftsleitung der Nationalbank», sagt Simon Lüthi. Doch noch wichtiger sei es nun, die fehlenden Kunden zurück zu holen. «Damit die psychisch benachteiligten Lehrlinge wieder ausreichend den Kundenkontakt trainieren können», betont er. Deshalb startet die Gewa-Stiftung nun eine Werbeaktion: Der grosse Plüschbär, der normalerweise beim Ladeneingang steht, wird wochenweise in einem Berner Geschäft ausgestellt. Wer ihn antrifft und ein Selfie mit ihm macht, kann Einkaufsgutscheine gewinnen. «Sogar unserem Bären ist es langweilig geworden, weil die Kunden ausbleiben», sagt Lüthi in zynischem Ton.

Berner Zeitung

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