Spielerei auf der Baustelle

Bern

Auf der schönsten Baustelle der Stadt tut sich was: Die Burger haben ihre Ideen für das neue alte Kultur-Casino vorgestellt. Sie versprechen viel Musik und etwas zu essen bis Mitternacht.

Alles andere als schal: Mario Venzago posiert für die neue Casino-App im baustellenstaubigen Konzertsaal.

Alles andere als schal: Mario Venzago posiert für die neue Casino-App im baustellenstaubigen Konzertsaal.

(Bild: pd)

Michael Feller@mikefelloni

Die Burgergemeinde mischt die Zukunft ab. Eine App zeigt, wohin es im Kultur-Casino gehen soll: Musik bleibt die Hauptsache, allerdings nicht nur die klassische.

Im vorgestellten Programm für Handys und Computer kann jeder seine eigene Musik zusammenfügen – aus aufgenommenen Sequenzen von 29 Musikerinnen und Musikern, von Mario Venzago über Daniel Woodtli, Steff la Cheffe, Lo & Leduc, Philipp Fankhauser und Jürg Halter bis zu Endo Anaconda.

Der Computer generiert daraus einen Videoclip. Eine aufwendige Spielerei für alle Beteiligten. An vier Drehtagen haben die Musiker in der Casino-Baustelle die Musik und die Videoszenen aufgenommen.

Faszination Baustelle

Mit diesem «Casino-Remix» flüchtet sich das Casino vorübergehend in die digitale Welt. Der Umbau dauert noch ein Jahr, doch so lange soll es nicht still bleiben um das Konzerthaus mit Restaurant. «Die Baustelle ist ein faszinierender Ort. Wir haben die Chance genutzt, in dieser Kulisse auf die Musikszene zuzugehen», sagt Nik Leuenberger, der derzeit das neue Kulturprogramm für die Zeit nach dem Umbau entwirft.

Zwei Formate hat er am Dienstag bereits vorgestellt. Zum einen ­erarbeitet die Violinistin Gwen­dolyn Masin ein Kulturvermittlungsprogramm, das Klassik, aber auch modernere Genres ­umfassen soll. Beim anderen vorgestellten Projekt hat Schlag­zeuger und Produzent Simon Baumann den Lead. Er lädt zwei Künstler oder Gruppen aus unterschiedlichen Musikrichtungen ein, die im Burgerratssaal üben und schliesslich das Resultat aufnehmen.

«Das Casino will wieder, wie  ursprünglich gedacht, ein  Gesellschaftshaus sein.»Kulturchef Nik Leuenberger

«Das Casino inszeniert sich als Gastgeber», sagt Nik Leuenberger. Bis anhin vermietete die Burgergemeinde das Kultur-Casino bloss. Nach und nach will Kulturchef Nik Leuenberger weitere Formate lancieren, wobei er nicht unter Zugzwang stehe. «Den grössten Teil des kulturellen Programms bestreiten nach wie vor die Mieter wie das Ber­ner Symphonieorchester.»

Ihnen will man ihre Konzertheimat keinesfalls streitig machen. Auch werde das bestehende Berner Kulturangebot nicht konkurrenziert. Es gehe der Burgergemeinde darum, die gesetzten Konzerte punktuell zu ergänzen und das Haus stilistisch zu öffnen. «Das Casino will wieder, wie ursprünglich gedacht, ein Gesellschaftshaus sein», sagt Leuenberger.

Casino, nur noch Casino

Unter der Leitung von Ivo Adam soll das Zusammenspiel mit der Gastronomie eine grössere Rolle spielen. Laut Adam können Gäste künftig Kulinarik und Konzert in Kombination buchen. Er will im Casino auch das Problem entschärfen, dass man in Bern spätabends kaum mehr etwas zu essen bekommt, weil die meisten Küchen schon um 22 Uhr schliessen.

Im vorderen Teil des Restaurants, im ehemaligen Relais, will Adam ein Bistro einrichten, in dem man jeden Tag bis Mitternacht essen und bis 2 Uhr verweilen könne. Kulinarische Details will Adam im Spätsommer mitteilen, dann gedenkt er die neuen Küchenchefs vorzustellen.

Eine weitere Neuerung betrifft den Namen. Ab Sommer 2019 soll das Haus bloss noch Casino Bern heissen. Gespielt wird aber weiterhin nur auf den Instrumenten.

Die App:www.casinoremix.ch.

Berner Zeitung

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