Spektakuläre Aktion an der A6: 400-Tonnen-Findling verschoben

Muri

Bei der Autobahnausfahrt Muri wurde am Mittwoch ein knapp 400 Tonnen schwerer Felsbrocken verschoben. Beim Stein handelt es sich um einen echten Haslitaler.

Zeitraffer: Der Findling wurde mit Presswerkzeugen angehoben und auf den Bahnen rund 2,5 Meter weit verschoben. Das Versetzen dauert gut 1 Stunde.

Die Vorbereitungsarbeiten haben zwei Wochen gedauert, und eine Woche nahm der Aufbau des ­massiven Gerüsts in Anspruch. Nun geht es schnell: Sanft wird der Findling an den massiven Schrauben, die ihn mit der Hebevorrichtung verbinden, um rund 30 Zentimeter in die Höhe gezogen.

Unter stetigen Press- und Schubbewegungen wird er dann auf zwei schienenartigen Bahnen Stück für Stück nach hinten geschoben. Nach nicht einmal einer Viertelstunde hat er seinen neuen, definitiven Standort ausserhalb der Autobahnbaustelle am Anschluss Muri erreicht.


David Wetter, Leiter der Astra-Filiale Thun, erklärt wie und warum der Findling verschoben werden musste. Video: Christian Häderli

2,4 Meter misst die Strecke, doch auf den ersten Blick scheint die Distanz sogar um einiges kürzer zu sein. Kein Wunder angesichts der Wucht, denen die zahlreichen Schaulustigen an diesem Morgen gegenüberstehen: Bei 10,1 Metern Länge, 6,0 Metern Breite und 4,6 Metern Höhe erreicht der Koloss ein Gewicht von 373 Tonnen – die 2,4 Meter Verschub sehen bei all diesen Zahlen plötzlich mickrig aus.

Viele Unbekannten

373 Tonnen – das exakte Gewicht des Findlings steht für die vielen Unbekannten, mit denen die Verantwortlichen rechnen müssen. Sie haben zwar geplant, gerechnet und geschätzt, doch was sie wirklich antreffen würden, wissen sie bis zum grossen Moment nicht. Das zeigt sich beispielhaft beim Gewicht: Statt der 305 Tonnen, die beim ersten probeweisen Anheben tags zuvor gemessen wurden, zeigen die Instrumente nun 373 Tonnen an.

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Ebenso offen war lange, wie genau der Stein an seiner Unterseite aussehen würde. Man hoffte zwar auf die möglichst flache Auflage, immerhin ist der Findling einst von einem Gletscher hergebracht worden. Trotzdem hätte er viel runder, viel tiefer im Boden verankert sein können. Dann hätte er um weit mehr als nur die 30 Zentimeter angehoben werden müssen – im Gerüst ist für diesen Fall eine Platzreserve für gar 2 Meter Höhe eingerechnet worden.

Schon länger bekannt

Warum die 160'000 Franken teure Aktion überhaupt nötig ist? Nun, am alten Ort befand sich der Findling genau dort, wo die Autos künftig die Autobahn verlassen werden. Für insgesamt rund 14 Millionen Franken erneuert der Bund den Anschluss Muri von Grund auf.

Kernstück des Projekts ist ein neuer Kreisel, der die Autobahn besser mit dem übrigen Strassennetz verknüpft. Zugleich hat er auch zur Folge, dass der Ausfahrtsstreifen verlängert werden muss.

Dass der Findling im Weg stehen würde, war von Anfang an klar. Zutage gefördert worden ist er nämlich schon vor bald 50 Jahren beim Bau der Autobahn. Damals konnten ihn die Planer noch elegant in die Böschung oberhalb der neuen Fahrbahn einarbeiten.

Für das aktuelle Projekt wurde er nun vollständig freigelegt – und entpuppte sich dabei als veritabler Koloss. Der ursprüngliche Plan, den Stein auf einfache Art mit zwei Kränen zu verschieben, waren auf einen Schlag zu Makulatur geworden.

Vom Haslital nach Muri

Der Stein stammt aus dem Haslital und besteht aus 300 Millionen Jahre altem Granit. In der letzten Eiszeit gelangte er mit dem Aaregletscher nach Muri und blieb dort bei der grossen Schmelze vor rund 18'000 Jahren auch liegen.

Dank seiner Dimensionen gehört er zu den mächtigsten Findlingen im ganzen Kanton. Im Raum Bern gilt er sogar als grösster seiner Art und löst den Fuchsenstein auf dem Gurten ab, der ein Gewicht von lediglich 210 bis 265 Tonnen erreicht.

Da versteht es sich von selber, dass der Findling von Muri als Zeitzeuge der Vergletscherungsepoche gilt. In den nächsten Tagen wird er in die neue Autobahnböschung integriert. Die Aufschüttung wird allerdings so gestaltet, dass er in Zukunft in der Landschaft stärker zur Geltung kommt.

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