Bern

Zoff um «Sommerliebe» Openair auf dem Warmbächliareal

BernTickets für die «Sommerliebe»-Party auf der Berner Warmbächlibrache Anfang August sind bereits im Verkauf. Der Brachenverein hat allerdings entschieden, dass die Party nicht stattfinden soll. Nun droht ihm eine saftige Schadenersatzklage.

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Dank elektronischer Musik, Bars und schöner Deko werde im Warmbächli ein «wildes, rauschendes, sorgenlos liebendes Lebens­gefühl» herrschen. Dies verspricht das Festival «Sommerliebe», das am 5. August auf der Brache der ehemaligen Kehricht­ver­brennungs­­anlage stattfinden soll. Tickets für 29.90 Franken sind im Internet erhältlich.

Doch statt der Aussicht auf Flower-Power herrscht zwei Monate vor der Party eine vergiftete Stimmung. Der Verein Warmbächlibrache, der das Areal im Auftrag der Stadt verwaltet, hat entschieden, dass der Anlass nicht stattfinden darf. Weil aber die Partyveranstalter finden, zwischen ihnen und dem Verein bestehe ein mündlicher Vertrag, stellten sie diesem gestern eine Rechnung für die bisherigen Aufwände in Aussicht. Forderungsbetrag: 40'000 Franken.

«So geht es nicht»

Laut Christian Walti, dem Präsidenten des Brachenvereins, beginnt die Geschichte 2016. Damals fand «Sommerliebe» erstmals statt und gab danach im Quartier noch lange zu reden: «Die ständigen Brachennutzer waren vom Areal aus­gesperrt, bei der Polizei gingen über hundert Lärmklagen ein, Leute urinierten im Quartier», so Walti.

Danach habe der Vereinsvorstand fest­gelegt, was bei grösseren Veranstaltungen im Voraus geregelt sein müsse, damit sie stattfinden können. Die Hauptpunkte: Das Okay des Vorstands und ein schriftlicher Vertrag zwischen Verein und Veranstalter.

Trotz Bedenken lud der Verein die «Sommerliebe»-Organisatoren im Feb­ruar 2017 an die Vorstandssitzung ein, als sie ihr ­neu- erliches Interesse für ein Fest angemeldet hatten. «Grundsätzlich» sei der Anlass «möglich», schrieb der Verein danach ins Protokoll, allerdings unter klaren Bedingungen. Neben den Kernforderungen wurde festgehalten, dass der Anlass von den Behörden bewilligt, der Verein eingebunden und finanzielle Fragen noch geklärt sein müssten. Zudem definierte der Verein eine Ansprechperson.

«Verschiedene Bedingungen sind nicht erfüllt worden», sagt Walti. Insbesondere liege weder eine Bewilligung noch ein Vertrag vor, die Kommunikation habe nicht funktioniert. Als dann bekannt wurde, dass die Veranstalter bereits Tickets verkaufen, lupfte es den Vereinsmitgliedern den Hut. «Auch die konstruktivsten Stimmen fanden am Ende, dass es so nicht geht.»

Anders klingt es bei Oliver Amonn vom Veranstalter Tanzkarussell. «Unserer Ansicht nach erfüllten wir alle Bedingungen», sagt er. Gemäss dem Schreiben des Anwalts der Veranstalter braucht es den Vertrag deshalb bloss noch, «um die Details schriftlich festzuhalten». Man habe hart dafür gearbeitet, dass der Anlass bewilligt werden könne, sagt Amonn.

Als die Gewerbepolizei am 11. Mai die Bewilligung zusagte, sei ihrer Ansicht nach klar gewesen, dass die Party stattfinde. Das Schreiben des Anwalts «zeigt dem Brachenverein, was Vertragsbruch bedeutet». Grundsätzlich sei man aber «immer noch an einer friedlichen Zusammenarbeit interessiert».

Polizei lehnte erstes Gesuch ab

Beim Brachenverein reagiert man verunsichert auf die juristische Drohung. Man wähnt sich eindeutig im Recht, doch ebenso klar ist: Entscheidet ein Gericht gegen den Verein, ist dieser am Ende.

Pikantes Detail: Das erste Gesuch von Tanzkarussell hatte die Gewerbepolizei abgelehnt. Dann fragte GFL-Stadtrat Manuel Widmer, der Amonn kennt, nach, ob man den Veranstaltern nicht eine zweite Chance geben könne. Darauf prüfte Polizeiinspektor Marc Heeb deren überarbeitetes Konzept und gab grünes Licht, wie er auf Anfrage sagt. Er sei davon ausgegangen, dass sich Verein und Veranstalter einig seien, so Heeb.

Video: Sommerliebe 2016

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.06.2017, 08:49 Uhr

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