So soll die grosse Schanze sicherer werden

Bern

Wegen ihrer vielen dunklen Ecken machen spätabends viele Leute einen Bogen um die Grosse Schanze. Mit einem neuen Beleuchtungskonzept will der Gemeinderat das Areal nun sicherer machen.

Michael Bucher@MichuBucher

Die Beleuchtung auf der Grossen Schanze heute und gemäss dem neuen Konzept.
(Bild und Visualisierung: zvg/EBP Schweiz AG)

Dunkle Ecken, verlassene Plätze, dubiose Gestalten: Spätabends ist die Grosse Schanze für viele Bernerinnen und Berner ein Areal, das es zu meiden gilt. Im Schutz der Dunkelheit kam es in der Vergangenheit immer mal wieder zu Raubüberfällen und sexuellem Missbrauch.

Seit ein paar Jahren sorgen Pop-up-Bars wie Peter Flamingo immerhin in den Sommermonaten für eine gewisse Belebung. Doch das ist für die Stadtbehörden zu wenig. Mit einem neuen Beleuchtungskonzept will der Gemeinderat den Risikoperimeter entschärfen, wie er am Montag an einer Medienorientierung bekannt gab.

Gesichter besser erkennen

Dank einer «subtilen Raumaufhellung» soll das Sicherheitsempfinden von der Promenade bis zur Sidlerstrasse erhöht werden. Dafür braucht es zwar circa 20 Prozent mehr Lampen, diese würden jedoch «unscheinbarer wirken» als die heutigen, wie Adrian Stiefel, Leiter Amt für Umweltschutz, ausführte. Die neuen Lichtmasten sind von schlanker Bauart und reichen bis zu acht Meter in die Höhe.

Von dort aus wird das Licht breiter übers Areal gestreut und soll einen «Vollmondeffekt» herbeiführen, wie der zuständige Lichtplaner der Firma EBP Schweiz AG, Walter Moggio, erklärte. Der positive Effekt dabei: Wer nachts allein das Areal überquert, erkennt die Gesichter der sich nähernden Person schon von weitem.

Dies im Gegensatz zu den heutigen Lampen, welche durch ihre punktuelle Beleuchtung eher einen «Bühneneffekt» mit extremen Hell-Dunkel-Kontrasten hervorrufen. Auch im Lichtton unterscheiden sich die neuen LED-Lampen von den heutigen. So soll künftig ein warmweisses Licht für eine wohlige Atmosphäre sorgen.

Bereits vor über einem Jahr hat der Gemeinderat die Planung dafür in Auftrag gegeben. Gemäss Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) sollen die ersten neuen Lichtmasten im kommenden Jahr installiert werden. Rund 500'000 Franken werden diese kosten – noch nicht eingerechnet sind darin die LED-Lampen. Zupass kommt der Stadt, dass die Lichter entlang der Gehwege sowieso ihre Lebensdauer überschritten haben und keine Ersatzteile mehr erhältlich sind.

«Wohnliche Atmosphäre»

Die bessere Ausleuchtung der Grossen Schanze ist indes nur der Anfang. Der Gemeinderat will auf dem gesamten Stadtgebiet die Plätze, Promenaden und Pärke in Vollmondstimmung versetzen. Dies geschieht nicht auf einen Schlag, sondern etappenweise. Sobald irgendwo Lampen altershalber ersetzt werden müssen oder ein Platz einer Neugestaltung unterzogen wird, kommt die neue Beleuchtung zum Einsatz.

«Wir möchten der Bevölkerung auch nach Sonnenuntergang eine hohe Lebensqualität bieten», begründet Adrian Stiefel das Vorhaben. Die gleichmässige Beleuchtung mit warmen Lichttönen soll so eine «wohnliche Atmosphäre» schaffen. Diese nächtliche Aufwertung passt zu den Absichten von SP-Gemeinderätin Ursula Wyss, den öffentlichen Raum tagsüber zum «erweiterten Wohnzimmer» umzugestalten.

«Bessere soziale Kontrolle»

Befürchtet der Sicherheitsdirektor durch die auch spätnachts einladend wirkenden öffentlichen Plätze nicht ein gesteigertes Potenzial für Ruhestörungen? «Die Nutzung des öffentlichen Raumes hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen», sagt Reto Nause. Mit dem Installieren einer besseren Beleuchtung begleite die Stadt diesen neuen Trend lediglich, indem sie die nötige Infrastruktur bereitstelle. Dies stets verbunden mit dem Sicherheitsgrundsatz: «Bessere Beleuchtung führt zu besserer sozialer Kontrolle.»

Berner Zeitung

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