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So schnappen sie nach Wählern

Worb wählt in 22 Tagen ein neues Parlament, einen neuen Gemeinderat sowie einen neuen Gemeindepräsident. Höchste Zeit also, die kreativen Exzesse der Wahlkampfstrategen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Mit Kinderspielzeug auf Stimmenfang: Die Grünen verteilen unter dem Motto «Frischer Wind für Worb» in ihrem Wahlkampf grüne Windrädchen. Auf den ersten Blick scheinen diese aus Plastik zu sein, was beim Parteiprogramm der Grünen einem veritablen Skandal gleichkäme. Nach einem zweiten Blick kann jedoch Entwarnung gegeben werden: Das Windrad besteht aus dickem Papier und einem Holzstab. Kein Plastik also, das unsere Umwelt unnötig belasten würde. Bleibt nur noch eine Frage offen: Wie sieht das Papier-Windrand nach einem (sauren) Platzregen aus?

Mit Gimmel ins Bett

Nicht im Regen mit seiner Kampagne steht dagegen SP-Mann Jonathan Gimmel. Sie ist bis ins kleinste Detail choreografiert. Der 37-Jährige präsentiert sich in allen Lebenslagen jung, dynamisch und locker. Und das erst noch auf allen Kanälen: In gross angelegten Plakatkampagnen genauso, wie in zahlreichen Inseraten in der «Worber Post». In seinem 16-seitigen Booklet erklärt er zudem den Worbern, warum sie gerade ihn als neuen Gemeindepräsidenten wählen sollen. Zu lesen gibt es viel, und dank des handlichen Formats eignet es sich bestens zur Bettlektüre. Wem das Büchlein noch nicht genügt, dem sei an dieser Stelle Gimmels Homepage (www.gimmel.ch) empfohlen. Im World Wide Web geht die Nabelschau nämlich weiter. Ein Tipp: Klicken sie nicht zu schnell auf den Weiter-Button, denn die Bilder wechseln ständig. Nebenbei sei angemerkt: Auch Gimmels Wahlkampf auf der Strasse ist von Kindheitserinnerungen geprägt. Unter Passanten verteilt er nämlich Schnipp-Schnapps in den Worber Farben Gelb und Schwarz. Nur schade, gibts das Stimm- und Wahlrecht erst ab 18 Jahren. Ansonsten währe ihm wohl der Wahlsieg sicher.

Vorsicht heiss

Aus der Wahlkampfküche scheinen Hanspeter Stolls Ideen zu stammen. Statt Brei zaubern die Köche eine Suppe auf die Teller. Die FDP preist auf der Suppenpackung ihren Kandidaten fürs Gemeindepräsidium folgendermassen an: «Wir servieren Ihnen eine klare Suppe mit Würze – und bringen heisse Themen auf den Tisch.» Schenkt man der Packungsaufschrift Glaube, so enthält die Tunke neben Farbstoffen und Geschmacksverstärkern als weitere Zutaten leistungsfähige Schulen, mehr Arbeitsplätze, ein attraktives Regionalzentrum oder eigenständige Aussenorte. Na dann: Guten Appetit. SVP im Strandurlaub Farblich unterscheidet sich die in Blau gehaltene Kampagne der FDP deutlich von jener der SVP. Der SVP-Prospekt kommt grün-weiss daher, wie man sich das auch von der kantonalen und der nationalen Partei gewohnt ist. Die SVP Worb erfindet das Rad nicht neu und soll schliesslich von ihrer Klientel sofort wiedererkannt werden. Statt in Form eines klassischen Porträts präsentieren sich alle Kandidaten auf Gruppenfotos. Beim Durchblättern überkommt eineN ein leichtes Frösteln: Während draussen spätherbstliche Temperaturen herrschen, posieren die SVPler in kurzer Bluse oder im Sommerhemd. Therese Bernhard hat gar die Trekking-Hose hochgekrempelt. Zum SVP-Gruppenurlaub am Strand fehlen nur noch Sonnenbrille und Flip-Flops.

Unlautere Feldwerbung?

Vergleicht man die Wahlprospekte der EVP mit jenen von SP, FDP und Grünen, so kommt die Evangelische Volkspartei im eher altbackenen Kleid daher. An kreativen Einfällen mangelt es dem Unterstützungskomitee für Niklaus Gfeller jedoch in keiner Art und Weise. Die Truppe des EVP-Kandidaten fürs Gemeindepräsidium ist auf Zack. Denn kaum war Ende Oktober der erste Schnee gefallen, prangte schon sein Name in grossen Lettern im Hang im Langenloh. Autofahrer und Benutzer des «Blauen Bähnli» konnten den Schriftzug nicht übersehen. Weil der Schnee schnell geschmolzen war, bleibt bis heute ungeklärt, ob es sich bei der EVP-Aktion möglicherweise um unlautere Feldwerbung handelte. Bis zum Zahltag am 30. November bleibt noch genügend Zeit für weitere Wahlkampfblüten.

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