Münchenbuchsee

So «schlööflet» es sich auf dem Plastikeis

MünchenbuchseeSchlittschuhlaufen unter freiem Himmel, und das mitten im Hochsommer? Das geht. Möglich macht es eine spezielle Unterlage aus Kunststoff. BZ-Redaktor Cedric Fröhlich hat das Plastikeis im Sportzentrum Hirzenfeld ausprobiert.

Schweisstreibend: Schlittschuhlaufen auf Kunststoff ist gewöhnungsbedürftig.

Schweisstreibend: Schlittschuhlaufen auf Kunststoff ist gewöhnungsbedürftig. Bild: Urs Baumann

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Es ist brütend heiss, der Schweiss läuft entsprechend. Nebenan stürzen sich die Menschen ins kühle Nass, rutschen Wasserrutsche, ziehen Bahnen durchs Becken. Ich aber gehe am Eingang des Schwimmbads vorbei, hin-über zum grossen Betonplatz.

In den Händen: kein Badetuch, sondern massive Schlittschuhe. Funktioniert «Schlööfle» im Hochsommer? Im Sportzentrum Hirzenfeld mache ich den Test.

Fred Gerber ist mein Gastgeber am heutigen Tag. Der technische Betriebsleiter der Anlage nimmt mich freundlich in Empfang und redet mir gut zu: «Heute ist es schon recht heiss. Aber probieren wir es doch einfach aus.»

Auf dem gewaltigen «Spiegel» ist es dermassen heiss, dass ich bereits nach wenigen Minuten komplett durchgeschwitzt bin.BZ-Redaktor Cedric Fröhlich

Möglich macht das hochsommerliche Wintersporterlebnis eine spezielle Plastikunterlage, die bewusst dafür entwickelt wurde. Auf der abgetauten Eis­fläche des Sportzentrums ist ein ganzes Feld mit solchen Platten ausgelegt. Nur ein paar Tage dauerten die Aufbauarbeiten. Jetzt läuft die Testphase.

Von der verlorenen Routine

Der grosse Renner ist das Plastikeis offensichtlich noch nicht. In den Winter- und Herbstmonaten herrscht auf der Eisbahn im Hirzi Hochbetrieb. Jetzt: gähnende Leere. Gelegentlich werde die Bahn getestet. Ins Angebot aufgenommen habe man sie, um den Gästen eine Abwechslung zu bieten, meint Fred Gerber.

Wenig überraschend bin ich der Einzige, der an diesem schwülen Julitag auf die Idee kam, sich ein Alter­nativprogramm zur Badi zusammenzustellen. Eigentlich bin ich ganz froh, dass nicht allzu viele Blicke auf mich gerichtet sind, als ich das «Eis» betrete.

Denn bei 30 Grad im Schatten Schlittschuhe an den Füssen zu haben, hat etwas Absurdes an sich. Kurios sind auch meine ersten Gleitversuche. Schon auf herkömmlichem Eis bewege ich mich nicht eben graziös.

Früher, da war das noch anders: Als Kind liebte ich die Nachmittage im Grabengut in Thun. Runde um Runde drehten wir auf dem Eis. Am Samstagmorgen traf man sich regelmässig zum Hockeyspielen. Von dieser Routine ist wenig übrig geblieben. Hinzu kommt, dass die ungewohnte Plastikunterlage die Sache zusätzlich verkompliziert.

«Etwas mehr Mut»

Meine Bewegungen erinnern eher an ein Nilpferd auf Roll­schuhen als an einen wendigen Hockeycrack oder gar einen ­geschmeidigen Eiskunstläufer. «Aussagekräftige Rückmeldungen sind von mir nicht zu erwarten», rufe ich meinem Gastgeber zu. Ein Gedanke, der wohl auch ihm gekommen ist. Belustigt ruft er mir zu: «Etwas mehr Mut, stärker abstossen!» Leichter gesagt, als getan.

Wer zu lange auf der Kunstoberfläche rumkurvt, ohne die Augen genügend zu schützen, riskiert, schneeblind zu werden.BZ-Redaktor Cedric Fröhlich

Tatsächlich ist die Unterlage klebrig, der Widerstand des Kunststoffs weitaus stärker als erwartet. Zwar überstehe ich meine Runden, ohne zu Boden zu gehen – allerdings nur mit Mühe. Gefährlich wird es immer dann, wenn ich an Tempo verliere. Schmutz auf der Unterlage lässt die Kufen abrupt abbremsen.

Zusätzlich ist es auf dem gewaltigen «Spiegel» dermassen heiss, dass ich bereits nach wenigen Minuten komplett durchgeschwitzt bin. Und: Die weisse Kunststofffläche blendet bei strahlendem Sonnenschein extrem. Wer zu lange darauf rumkurvt, ohne die Augen genügend zu schützen, riskiert, schneeblind zu werden.

Noch nicht massentauglich

Nach weniger als einer halben Stunde kapituliere ich vor der brennenden Hitze, der Unterlage sowie meiner eigenen Unfähigkeit.

Mein Fazit: Das Kunsteis ist primär etwas für geübte Schlittschuhläufer. Eishockeyspieler ­etwa, die ihr Sommertraining ­ergänzen möchten. Gemütliches Herumkurven ist dagegen praktisch unmöglich. Dazu gleiten die Kufen zu schlecht, ist die Unterlage zu stumpf. Eine valable Alternative ist das Schlittschuhlaufen auf Plastik am ehesten bei durchzogenem Wetter und moderaten Temperaturen.

Gemütliches Herumkurven ist praktisch unmöglich. Dazu gleiten die Kufen zu schlecht, ist die Unterlage zu stumpf.BZ-Redaktor Cedric Fröhlich

Auch Fred Gerber gesteht: «Die Idee ist noch nicht voll ausgereift.» Es sei wie mit dem Kunstrasen im Fussball. «Auch den musste man erst entwickeln, bevor er massentauglich wurde.» Und so ziehe ich meine Schlittschuhe aus, stehe einen Moment barfuss auf dem «Eis». Es fühlt sich viel zu warm an. Zeit, die «Schlööf» gegen das Badetuch zu tauschen.

Coole Abwechslung

Ausprobiert haben das Kunsteis auch Daniel Aba, Jannis Beyer und Leandro Weber. Für sie war die Unterlage ebenfalls gewöhnungsbedürftig. «Es rutscht weniger», so Aba. Jannis Beyer erkannte aber auch Vorteile: «Es ist cool, auch im Sommer Eishockey zu spielen.»

Und so lautet das Verdikt der Sechstklässler zum Plastikeis:

Video: Florine Schönmann (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.07.2016, 14:31 Uhr

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