So peppt man die Stellenanzeige auf

Bern

Was tun, wenn die Jobausschreibung einfach nicht fruchtet? Das Haus für Pflege in Bern machts vor. Sie peppt ihren nüchternen Stellenbeschrieb mit der populären «Mannequin Challenge» auf.

Ein kurzer Rundgang durchs Haus für Pflege im «Freeze»-Modus. <i>Quelle: Youtube</i>

Michael Bucher@MichuBucher

Michelle Obama hat es getan, Paul McCartney ebenso und Taylor Swift sowieso. Auch diverse Fussballclubs, darunter Manchester United oder die Auswahl Portugals, konnten nicht widerstehen. Ja sogar die Kantonspolizei Bern hat mitgemacht. Die Rede ist von der «Mannequin Challenge» – dem derzeitigen Hype im Internet. Das Prinzip hinter den selbstgedrehten Videos: Eine Gruppe Menschen verharrt in ihrer Bewegung wie Schaufensterpuppen (daher der Name Mannequin Challenge) und hält so scheinbar die Zeit an, während eine mobile Kamera das Ganze festhält.

Seit kurzem hat auch das Haus für Pflege im Berner Tiefenauquartier einen Beitrag zu dem Trend kreiert (siehe Video oben). Die schweizweit einzige sogenannte Nursing Clinic (mehr dazu, siehe Box) drehte das kleine aber feine Filmchen aber nicht nur aus Spass sowie die Promis aus Film, Musik, Sport und Politik, nein, die private Pflegeinstitution verfolgt damit ein höheres Ziel: Sie will bei der oftmals schwierigen Personalrekrutierung mit Originalität punkten.

Schwierige Personalsuche

«Es ist in unserer Branche wahnsinnig schwierig, geeignetes Pflegepersonal zu finden», sagt Doris Klossner, Leiterin im Haus für Pflege. Sie ist übrigens im Video gleich am Anfang zu sehen, wie sie dem Kameramann die Türe aufhält. Das Problem sei weniger die Nachfrage, sondern das Angebot. «Schweizweit ist unsere Stellenausschreibung eine von weit über 100 im Pflegebereich», so die Chefin der Klinik.

Derzeit muss das Haus für Pflege zwei Stellen neu besetzen. Seit längerer Zeit fruchten die Anzeigen auf diversen Job-Portalen im Internet jedoch nicht. «Also haben wir uns zusammengesetzt und darüber nachgedacht, wie wir uns von der riesigen Masse an Jobangeboten abheben können» erzählt Doris Klossner. Beim Brainstorming kam schliesslich die «Mannequin Challenge» am besten weg.

Spass beim Job – anschaulich dargestellt

Unter den unzähligen Beiträgen im Internet ist die Produktion aus dem Haus für Pflege sicher nicht die professionellste, bemerkenswert ist jedoch, wie sich die älteren und zum Teil betagten Patientinnen und Patienten mühelos dafür einspannen liessen, für das Video wie eingefroren still zu stehen. «Wir brauchten nur vier Anläufe, dann war das Werk im Kasten», sagt Doris Klossner.

«Die Pflegenden und die involvierten Patienten hatten viel Spass beim Filmdreh», sagt die Chefin des Hauses. Das zeigt sich etwa in der letzten (normale ablaufenden) Einstellung, bei der ein Patient einen Pfleger im Rollator spazieren fährt. Das witzige Zweigespann sei gar nicht gross gestellt gewesen, meint Doris Klossner. «In unserer Klinik haben wir es oft lustig mit den Patienten.» Um das anschaulich zu vermitteln, sei das Video natürlich viel besser geeignet als leere Worthülsen in einer nüchternen Stellenbeschreibung. Nun hofft sie, dass der kreative Effort für mehr Post auf der Personalabteilung sorgt.

Eitler Ronaldo, selbstironische Polizei

Was sich prominente Zeitgenossen aus den Sparten Film, Musik, Sport und Politik für die «Mannequin Challenge» einfallen liessen, sehen Sie in einer Auswahl.

First Lady Michelle Obama liess sich von den Cleveland Cavaliers um LeBron James bei deren Besuch im Weissen Haus für eine Video einspannen:

Die Fussballauswahl Portugals zeigt mit ihrem Beitrag einen Einblick in die Umkleidekabine. Weing überraschend spielt Cristiano Ronaldos Sixpack dabei eine Hauptrolle:

Ein sehr beliebtes und aufwendig produziertes Exemplar der Challenge liefert die Crew um James Cordens «The Late Late Show» auf CBS:

Und selbst die Kantonspolizei Bern bewies kürzlich Humor und stellte ihr Schaffen mit viel Selbstironie im «Freeze»-Modus vor:

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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