So gebärdet man die neue Hymne

Bern

Auf dem Waisenhausplatz wurde der weltweite Tag der Gebärdensprache gefeiert. Dabei trat ein Gehörlosenchor auf, der die neue Nationalhymne gebärdete.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Obwohl sich am Samstagnachmittag mehrere Hundert Personen auf dem Waisenhausplatz versammelten, war es weitgehend still. Da war selbst das Geräusch eines Rollkoffers, der ein Passant hinter sich herzog, laut. So stand bei der Veranstaltung auch das Visuelle im Zentrum. Besonders eine ganz bestimmte Form der visuellen Kommunikation.

Zahlreiche Gehörlose aus der ganzen Schweiz hatten sich in Bern versammelt, um gemeinsam den internationalen Tag der Gebärdensprache zu feiern. Der Anlass, der bereits 1959 von der UNO anerkannt worden war und in der Schweiz seit 1981 jährlich abgehalten wird, sei ein ganz wichtiger Tag dafür, die Behinderung bekannt zu machen, sagte Roland Hermann, Präsident des Schweizerischen Gehörlosenbundes (SGB-FSS).

«Während etwa bei einer Person im Rollstuhl oder mit einem Blindenstock die Einschränkung gut erkennbar ist, können wir unsere Behinderung nur durch die Gebärdensprache sichtbar machen.»

Mehr Mitwirkung

«Heute fühle ich mich behindert.» Mit diesen Worten eröffnete Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) seine Rede auf dem Waisenhausplatz. Hier sei er der Exot, der auf Unterstützung angewiesen sei, weil er die Gebärdensprache nicht beherrsche. So sei es die Aufgabe von den Hörenden, die Gehörlosen in die Gesellschaft zu integrieren.

«Aber sie müssen uns sagen, was sie brauchen, denn wir wissen es nicht.» Und das taten die Gehörlosen. Neben einer besseren politischen Mitwirkung fordert der SGB-FSS die Anerkennung der Gebärdensprache, das Recht auf Bilingualität und dass künftig 100 Prozent der Sendungen im Schweizer Fernsehen untertitelt und 5 Prozent gedolmetscht werden.

Die stille Hymne

Damit sie nicht aus einem eingeschränkten Programm auswählen müsse, «wünsche ich mir, dass ich in Zukunft zu allem Zugang habe in der Schweiz und überall ein Dolmetscher vor Ort ist», sagte Brigitte Daiss-Klang. Sie war Teil des spektakulärsten Programmpunktes des Anlasses.

Mit einem Gehörlosenchor trug sie die neue mögliche Schweizer Nationalhymne, die in einer Onlineumfrage der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft am besten abgeschnitten hatte, in Gebärdensprache vor. Auch dabei war es praktisch mucksmäuschenstill, von Musik weit und breit keine Spur.

Dafür gab es auf der Bühne einiges zu sehen. «Wir haben nicht einfach den Inhalt des Textes gebärdet, sondern das Ganze natürlich noch zusätzlich interpretiert.»

Berner Zeitung

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