«So ein Theater»

<b>Walkringen</b>

Rücktritte im Gemeinderat und Abgänge auf der Verwaltung von Walkringen sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen. Im Dorf gehen die Meinungen darüber auseinander.

In diesem Jahr traten in Walkringen bereits zwei Gemeinderäte zurück.

In diesem Jahr traten in Walkringen bereits zwei Gemeinderäte zurück.

(Bild: Christian Pfander)

Lastwagen donnern durchs Dorfzentrum von Walkringen. Kaum jemand ist zu Fuss unterwegs. Eine Frau spaziert mit ihrem Hund an der Leine das Trottoir entlang. Ein älteres Paar verschwindet in der Bäckerei. 

Für Unruhe sorgen nicht nur die Lastwagen. Zahlreiche Rücktritte im Gemeinderat und Abgänge auf der Verwaltung brachten Walkringen in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen. Zwei Gemeinderäte quittierten in diesem Jahr bereits ihren Job. Im April warf Christoph Fankhauser (SVP) den Bettel hin, Ende September Robert Wittwer (parteilos). 

Gründe für den Rücktritt 

Es habe viele Meinungsverschiedenheiten in den Sitzungen gegeben, sagt Wittwer. Das sei zwar normal, doch hätten sich die Konflikte in letzter Zeit gehäuft. Auch die Kommunikation zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Bevölkerung funktioniere teilweise nicht. Doch schliesslich hätten aber die Finanzen den Ausschlag gegeben: «So wie die Gemeinde wirtschaftet, geht es nicht auf.»

Von schlechter Stimmung will Gemeindepräsident Peter Stucki (parteilos) aber nichts wissen. Und auch die Finanzen seien im Lot. «Unser Finanzplan bis 2023 sieht gut aus.»

Unruhe auf der Verwaltung 

Ein älterer Mann läuft über den Parkplatz des Bären. Angesprochen auf die Rücktritte bleibt seine Antwort knapp: «Oh, zu diesen Sachen will ich lieber nichts sagen.» Praktisch identische Antworten vernimmt man auch von anderen, die im Dorf unterwegs sind. 

«Bei den nächsten Wahlen muss niemand Angst haben, dass ich noch einmal antrete.»Peter Stucki, Gemeindepräsident

Negative Neuigkeiten kamen diese Woche aus der Verwaltung. Gemeindeschreiber Markus Moser sei krankgeschrieben, schrieb das Internetportal Bern-ost.ch. Und am Freitag folgte die Mitteilung der Gemeinde, dass Finanzverwalterin Nadine Stau gekündigt hat.

Keine weitere Amtszeit

Peter Stucki bestätigt, dass der Gemeindeschreiber krankgeschrieben ist. Mehr könne er dazu nicht sagen. Nur: Man sei auf der Suche nach einer Aushilfe. Und sowieso werde sich in der Struktur der Verwaltung einiges ändern. In der Gemeinde werden per Ende Jahr Kommissionen gestrichen, beispielsweise wird die Liegenschafts- der Hochbaukommission zugeteilt. Dementsprechend ändern sich die Zuständigkeiten.

Neben der Reorganisation seien weitere Geschäfte pendent. Solange könne und wolle er nicht zurücktreten, sagt Stucki. Bis zu den nächsten Wahlen 2020 sollten die Geschäfte abgeschlossen sein. «Dann muss niemand mehr Angst haben, dass ich noch einmal antrete.»

Im Bären sitzen Männer am Stammtisch. Sie trinken Kaffee, essen Gipfeli oder sind über den «Blick» gebeugt. Die Dorfpolitik ist kein Thema. «So ein Theater», winkt einer von ihnen ab, darauf angesprochen. Aus einer Mücke werde ein Elefant gemacht. Die Abgänge im Gemeinderat und die Wechsel auf der Verwaltung? Alles halb so schlimm. Wenn schon seien die hohen Steuern ein Problem. 

Ganz so gelassen sehen es aber nicht alle. Einer von ihnen erzählt: «Einige sind mit dem Gemeindepräsidenten schon nicht ganz zufrieden.» 

Kritik von Links

Die SVP, die stärkste Partei im Dorf, will zur aktuellen Situation in Walkringen nichts sagen. Geäussert haben sich die Freien Wähler. Er habe kein grosses Rumoren wahrgenommen in letzter Zeit, sagt Hans-Peter Stalder. Es komme vor, dass man nicht ganz zufrieden sei mit der Arbeit des Gemeinderats. Doch das sei normal. «Ich wüsste nicht, was man Peter Stucki im Moment vorwerfen könnte.» Nur was die Kommunikation betreffe, würde er sich wünschen, dass diese besser werde in Zukunft. 

Auch die SP wünscht sich eine offene und ehrliche Kommunikation. Denn die fehlenden Informationen führten zu Gerüchten in der Gemeinde. Und das wiederum zu Missverständnissen. «Es scheint, dass die Bevölkerung nicht ernst genommen wird. Das haben die Menschen hier nicht verdient», sagt Vreni Schneider. Besser werde es wohl nur, wenn es ein Umdenken in der Gemeindeführung gebe. 

Berner Zeitung

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