Skywork-Investor greift nach Flughafen Bern-Belp

Bern

Nach der Fluggesellschaft Skywork und dem Reisebüro Aaretal Reisen nun der Flughafen selber: Investor Daniel Borer will die Alpar AG unter seinen Einfluss bringen.

Skywork draussen – und bald auch drinnen? Daniel Borer will in Bern-Belp nach der Fluggesellschaft auch den Flughafen unter seinen Einfluss bringen.

Skywork draussen – und bald auch drinnen? Daniel Borer will in Bern-Belp nach der Fluggesellschaft auch den Flughafen unter seinen Einfluss bringen.

(Bild: zvg)

Stephan Künzi

Zuerst war Skywork Airlines, die Fluggesellschaft mit Heimbasis Bern-Belp. Dann folgte Aaretal Reisen, das Reisebüro mit Sitz in Münsingen. Nun soll der Flughafen selber das Kleeblatt vervollständigen: Erneut macht Daniel Borer Geld locker, um ein Unternehmen in seinen Einflussbereich zu bringen. Und damit den Flugverkehr von und nach Bern anzukurbeln.

Auf diesen letzten Punkt legten gestern Leute wert, die mit Borers neustem Projekt eng vertraut sind. Die «NZZ am Sonntag» hatte darüber berichtet, dass der Arzt und Spross jener Familie, die mit den edlen Rolex-Uhren reich geworden ist, eine Gruppe Gleichgesinnter um sich geschart hat. Ihrem Kern gehören neben Borer auch Hans-Ulrich Müller (Bernapark Deisswil), Alfred Siegenthaler (Rehau Kunststoffwerke Muri) sowie Sébastien Mérillat (Skywork) an.

Wohl über 50 Prozent

Sukzessive haben die vier in den letzten Monaten ihren Aktienanteil an der Flughafenbetreiberin Alpar ausgebaut. Unter anderem übernahmen sie das Paket der Swiss, die aus den Zeiten von Vorgängerin Crossair 14 Prozent an der Firma hielt und grösste Einzelaktionärin war. Das übrige Aktionariat, zu dem Borer und seine Leute schon bisher gehörten, ist mit Anteilen im einstelligen Prozentbereich breit gestreut. Die aktuell gültigen Bestimmungen setzen ohnehin bei einem Paket von 10 Prozent die Grenze.

Damit ist klar, dass das Quartett auf höchstens 40 Prozent der Aktien und Stimmen kommt. Allerdings rechnen die vier ebenso klar damit, dass sie weitere Aktionäre von ihrem Projekt überzeugen können und so auf einen Anteil von über 50 Prozent kommen. In einem Schreiben an Alpar-Präsident Fritz Grossniklaus fordern sie jedenfalls bis Ende Januar eine ausserordentliche Aktionärsversammlung. An ihr soll der 13-köpfige Verwaltungsrat auf sieben Sitze reduziert und in der Mehrheit mit neuen Köpfen besetzt werden.

Präsident soll gehen

Der Plan sieht vor, dass das Präsidium der Alpar AG an Investor Mérillat geht. Ihm zur Seite stehen – ebenfalls als Neue – der Hamburger Flughafendirektor Michael Eggenschwiler, der Unternehmensentwickler René Moser sowie der Aviatik- und Kommunikationsberater Franco Gullotti. Von den Bisherigen bleiben Reto Nause als Vertreter der Stadt Bern, Adrian Studer als Vertreter des Kantons sowie Paul Thoma als Vertreter der Luftwaffe.

Nicht mehr im Verwaltungsrat sitzen neben Präsident Grossniklaus demzufolge auch Beat Neuenschwander, Rolf Portmann, Ulrich Sinzig, Urs Sieber, Rudolf Stämpfli, Jakob Heuscher, Beat Brechbühl, Charles Riesen und Gerhard Jansen. Einige von ihnen werden allenfalls in einem Beirat weitermachen.

Längerfristig zu klein

«Die Initiative ist wohl als sprichwörtliche Flucht nach vorn zu deuten, um die eigenen Investitionen zu schützen», schrieb die «NZZ am Sonntag». Sie tat dies mit Blick darauf, dass Borer bis heute gegen 40 Millionen in den Aufbau von Skywork gesteckt hat. Zugleich hielt sie fest, dass Airline und Flughafen je für sich allein zu klein seien und keine wirtschaftliche Basis zum langfristigen Überleben hätten.

Ein Sprecher des Quartetts gab gestern offen zu Protokoll, dass das enge Zusammengehen «Skywork helfen kann». In erster Linie gehe es aber um etwas anderes. «Wir wollen den Flughafen nachhaltig weiterentwickeln.» Das könne passieren, indem man Synergien zwischen den beiden Unternehmen nutze, unter anderem Leute vermehrt hier wie dort einsetze und so Kosten spare. Andererseits werde es auch darum gehen müssen, auf dem Flughafen die Bereiche ausserhalb der Fliegerei zu stärken. Mit neuen Angeboten in den Bereichen Einkaufen oder Freizeit.

Wen wunderts, Skywork dominiert mit seinen vielen An- und Abflügen den Betrieb im Flughafen und stellt so für die Alpar AG ein Klumpenrisiko dar. Der Sprecher betonte denn auch, dass andere Airlines wie Helvetic oder Air France weiter sehr willkommen seien. Erst letzte Woche hatte Helvetic einen Ausbau der Aktivitäten angekündigt. Air France bestätigte derweil, dass der Betrieb nach Paris-Orly im Frühling eingestellt wird.

Berner Zeitung

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