Skywork sucht schleunigst neue Kreditgeber

Trotz Finanzierungsproblemen fliegt Skywork vorerst normal weiter. Das schlimmste Szenario eines ungeordneten Groundings der Berner Airline ist am Dienstag ausgeblieben. Für den benötigten Kredit gebe es «vielversprechende Lösungsansätze».

Am Dienstag hat Skywork bis zum Abend alle Flüge plangemäss durchgeführt, und die Maschinen sind nach Bern-Belp zurückgekehrt.

Am Dienstag hat Skywork bis zum Abend alle Flüge plangemäss durchgeführt, und die Maschinen sind nach Bern-Belp zurückgekehrt.

(Bild: Raphael Moser)

Julian Witschi

Skywork ist nicht am Boden und hat kein Liquiditätsproblem. Sondern zu wenig Geld, um den Flugbetrieb im Winter und die nötige Expansion an andere Flughäfen starten zu können. Das beteuerte die Berner Airline am Dienstag, nachdem das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) am Montag die Betriebsbewilligung auf Ende des Sommerflugplanes am 28. Oktober befristet hat.

Tatsächlich führte Skywork den Flugbetrieb vorerst normal weiter. Und sie arbeitet mit Hochdruck daran, den vom Bazl geforderten Finanzierungsnachweis für den Winterflugplan vorlegen zu können. Gelingt ihr dies nicht, droht in zehn Tagen das Grounding. «Es sind vielversprechende Lösungsansätze vorhanden, aber natürlich drängt die Zeit», sagte Skywork-Sprecherin Karin Münger. Die Verhandlungspartner nennt Skywork nicht, aber nach den bisherigen Investoren aus der Region Bern sucht die Firma ausserhalb, auch im Ausland nach Kreditgebern. Skywork will aber eine eigenständige Schweizer Fluggesellschaft bleiben.

Bern allein genügt nicht

Skywork-Chef Martin Inäbnit stand auch am Dienstag für Interviews nicht zur Verfügung, sondern reiste nach Griechenland an ein Treffen von Fluggesellschaften. Einen Zusammenschluss mit einer anderen Airline strebt er aber offenbar nicht an. Der Codeshare-Partner KLM wollte sich auch nicht weiter äussern.

Im Fluggeschäft schaffte es die Airline in den letzten drei Jahren schwarze Zahlen zu schreiben. Doch der Ersatz der 30-plätzigen Dornier-Maschinen durch 50-plätzige Saab 2000 verläuft harzig. Aktuell verfügt Skywork über drei Saab 2000, die letzten zwei Dornier sind noch bis Februar eingeplant. Ziel von Inäbnit ist es, einen Kredit zu erhalten, der seine Wachstumspläne solide finanzieren kann. Denn ein Weiterso ist keine Option. Schon vor eineinhalb Jahren sagte er dieser Zeitung: «Es ist sonnenklar, dass Skywork oder irgendeine Airline in dieser Grössenordnung hier allein in Bern nicht überleben kann.»

«Ziel ist es, eine solide Finanzierung der Wachstumspläne sicherstellen zu können.»Karin Münger, Skywork

Skywork expandierte nach Basel. Die Flüge vom Euro-Airport nach London haben die Berner aber kürzlich aufgegeben, weil der Preiskampf zu hart sei. Dass nun aber kurzum das Grounding droht, war auch für die 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Skywork ein Schock. Sie seien trotzdem nicht demotiviert, versicherte Firmensprecherin Münger. Skywork habe zudem viele positive Rückmeldungen erhalten, auch aus Politik und Wirtschaft. Alle diese Leute wünschten, dass es weiterhin eine Berner Fluggesellschaft gebe.

Sorgen am Flughafen

Für den Flughafen Bern ist Skywork sehr wichtig, «die gegenseitigen Abhängigkeiten sind bedeutend», sagte Flughafen-Chef Mathias Gantenbein. «Es ist der grösste Partner im zentralen Standbein Linienverkehr», mit dem der Flughafen gegen ein Drittel des Umsatzes erzielt. Zudem sorgen Skywork und deren Kunden für Einnahmen im flugnahen Geschäft, also etwa mit Mieten oder im Flughafenbistro. Alle gut 500 Angestellten am Flughafen und im Umfeld blicken gespannt auf das Schicksal von Skywork.

Berner Zeitung

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