Das Wunder von Bern-Belp

Ausgerechnet zu Allerheiligen kann Skywork die Auferstehung feiern. Die Berner Airline hat vom Bundesamt für Zivilluftfahrt eine unbefristete Betriebsbewilligung erhalten.

Abflug ab Bern-Belp: Die Skywork-Flugzeuge können am Mittwoch, wie zuletzt am Samstag, wieder abheben.

Abflug ab Bern-Belp: Die Skywork-Flugzeuge können am Mittwoch, wie zuletzt am Samstag, wieder abheben.

(Bild: Raphael Moser)

Am Mittwochmorgen um 6.30 Uhr hebt wieder eine Skywork-Maschine vom Flughafen Bern-Belp ab. Wenn alles plangemäss läuft. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat am späten Dienstagabend der Berner Airline eine unbefristete Betriebsbewilligung erteilt.

Dabei muss es im Amt ziemlich hektisch zu- und hergegangen sein. Die Mitarbeiter mussten Überstunden leisten. Am Nachmittag hatte die Fluggesellschaft mitgeteilt, dass sie dem Bazl die nötigen Unterlagen eingereicht habe. Es sah danach aus, dass die Airline die Startfreigabe am frühen Abend erhalten könnte.

Doch dann kam nochmals Hektik auf. Irgendein erforderliches Dokument fehlte. Erst um 21.26 Uhr konnte Skywork schliesslich mitteilen, dass der Flugbetrieb ab Mittwoch wieder normal nach Plan läuft. Aufatmen können auch die 120 Skywork-Mitarbeiter. Sie behalten ihren Job.

Die Namen bleiben geheim

Die Airline konnte also den Nachweis erbringen, dass sie über genügend Geld verfügt, um den Flugbetrieb über die nächsten zwölf Monate zu gewährleisten. Zudem sei sie auch für die ge­plante Expansion mit einem Betriebskredit ausgestattet worden. Dies heisst: Skywork-Chef Martin Inäbnit war bei der Suche nach einem Geldgeber erfolgreich. Dessen Namen nennt Skywork indes nicht. Diverse Medien spekulierten, dass es sich um einen Schweizer Investor handle.

«Ich danke  allen Kunden,  Lieferanten und Dienstleistern  für das Verständnis und die grosse Unterstützung während der un­gewissen letzten Tage.»Skywork-Chef Martin Inäbnit

Fest steht: Die deutschen Unternehmen Zeitfracht und Nayak gehören nicht zum Kreis der Investoren, wie Skywork-Sprecher Max Ungricht sagte. Diese hatten am Montag ihr Interesse an einem Einstieg publik gemacht. Sie wollten aber zuerst die Bücher von Skywork prüfen.

Die Geheimniskrämerei rund um die Investoren hat bei Skywork Tradition: Als die Flug­gesellschaft nach dem Ausstieg des grosszügigen Investors Daniel Borer aus der Rolex-Dynastie neue Geldgeber fand, gab sie deren die Namen nicht bekannt. Später sickerte durch, dass Walter Inäbnit, der Bruder des Skywork-Chefs, zu den Investoren gehörte.

Der 71-Jährige ist Verwaltungsratspräsident des Könizer Medizinaltechnikunternehmens Haag-Streit. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt den Wert des Unternehmens auf 1,5 bis 2 Milliarden Franken. Ob er jetzt wieder Geld eingeschossen hat, bleibt offen.

Umbuchungen am Dienstag

Am Dienstag blieben dagegen die Skywork-Maschinen am dritten Tag hintereinander am Boden. Fünf Hin- und Rückflüge ab Bern sind ausgefallen, zudem die Verbindung Basel–Wien. Skywork bot seinen Kunden die Umbuchung auf einen anderen Flug an. Die Airline hat Glück im Unglück, dass ihr Grounding in eine Zeit fiel, in der die Auslastung vieler Flugzeuge tief ist und entsprechend viele Sitze noch kurzfristig verfügbar sind.

Die BZ-Journalistin Sibylle Hartmann, welche in Berlin weilte, erhielt beispielsweise eine Umbuchung auf einen Swiss-Flug. Zudem bezahlte Skywork das Zugbillett von Zürich nach Bern. Die Kunden mit einem Ticket für Mittwoch wurden dagegen am Dienstag sehr lange im Ungewissen gehalten.

Auch sie warteten bis am späten Abend auf Informationen. Sie wussten deshalb lange nicht, ob sie ab Bern fliegen können oder ob sie an einen anderen Flughafen anreisen müssen, um eine andere Airline zu nehmen. Das werden diese Kunden wohl nicht so schnell ver­gessen. Ihre Geduld wurde doch über Massen strapaziert.

Der Kampf hat sich gelohnt

Die Auferstehung von Skywork ist eine grosse Genugtuung für Martin Inäbnit. Der Chef und Verwaltungsratspräsident der Airline hatte sich nach dem Grounding vom Samstagabend kämpferisch gegeben: «Ich gebe erst auf, wenn die letzte Chance verronnen ist», teilte er in einer persönlichen Stellungnahme mit.

Auf der anderen Seite zeigte er sich auch enttäuscht darüber, dass er in der Region Bern keine Geldgeber fand. «Politische, ­wirtschaftliche und touristische Kreise geben gern Statements zur Wichtigkeit der Flugverbindungen ab Bern ab. Den freundlichen Statements folgten bisher nie Taten.»

Berner Zeitung

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