Siegenthalers – zum Hundertsten

Hans Ulrich Schaad ­berichtet vom Bergsommer. Und dem Ehepaar Siegenthaler, das schon unzählige Sommer auf der Alp Obriste Morgeten verbracht hat.

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Auf der Alp Obriste Morgeten hängen an den Wänden verschiedene Urkunden. Sie gehören Rosmarie und Hansueli Siegenthaler. Verliehen wurden sie vom Schweizerischen Alpwirtschaftlichen ­Verband und von Casalp für die langjährige Arbeit auf der Alp und für die Qualität ihres Alpkäses. Bald kommt eine weitere Ehrenurkunde dazu: Dieser Sommer ist die 55. Saison auf der Alp für Hansueli und die 45.

für Rosmarie Siegenthaler. Damit haben sie das Hundert voll. Für diese Statistik zählen nur jene Saisons, die man als Erwachsener in den Bergen verbracht hat. Beim 77-jährigen Hansueli kommen noch 10 Saisons dazu, die er als «Stat­terbub» (Mädchen für alles) gedient hat. Als 16-Jähriger hat er seinen Vater bei einem Unfall verloren. Danach war er ein paar Sommer nicht auf der Alp, bevor er für zehn Jahre die Alp Ramsberg bei Oberwil übernahm.

Seit 18 Jahren sind Siegen­thalers nun auf der Alp Obriste Morgeten. Zuvor waren sie 27 Jahre auf dem Stierenseeberg im Diemtigtal. Das war ein deutlich grösserer Betrieb mit rund 100 Stück Rindvieh und einem Bergrestaurant. Die Aufgabenteilung zwischen den beiden war immer gleich.

Die gelernte Köchin Rosmarie war für das Restaurant und das Käsen zuständig, Hansueli für das Vieh und den Käsekeller. 2001 wechselten Siegenthalers auf die Alp Obriste Morgeten. «Aus gesundheitlichen Gründen suchten wir einen kleineren Betrieb», so die 76-Jährige.

Hansueli Siegenthaler ist Landwirt mit Leib und Seele und ein Allrounder. Er wacht nicht nur über Stall und Vieh. Er «dängelet» die Sense, ist im Käsekeller in seinem Element und schrubbt jeden schwarzen Punkt vom Laib weg. Als Hobby fertigt er selber Zaunpfähle an – mehrere Hundert Stück pro Jahr. Ihn kann fast nichts aus der Ruhe bringen. Es sei denn, eine Kuh macht nicht das, was Hansueli will. Dann fällt schon mal der eine oder andere Kraftausdruck. «Stolz» ist er auf seine gute Kondition und die Berggängigkeit.

Viele Gäste kommen ein zweites Mal, um Ros­marie Siegenthalers Rösti zu essen. Sie schaut in der Hütte zum Rechten und hilft im Stall aus. Sie betreut die Gäste. «Auf der Alp sollte jeder alles können», ­ergänzt Rosmarie Siegenthaler.

Und wann ist Schluss auf der Alp? «Solange es gesundheit­lich geht», sagt Hansueli Siegen­thaler. «Wir schauen von Jahr zu Jahr.» Verleidet ist es ihnen nie. «Wir gehen im Frühling gerne auf den Berg, im Spätsommer aber auch gerne wieder ins Tal», fasst Rosmarie Siegenthaler zusammen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 10:13 Uhr

Hans Ulrich Schaad ­berichtet vom Bergsommer auf der Alp Obriste Morgeten. (Bild: Raphael Moser)

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