Sie weiss, wo der Schuh drückt

Bolligen

Sabrina Schluep ist Schuhverkäuferin und möchte keinen anderen Beruf ausüben. Bereits als Jugendliche gab die heute 33-jährige Bolligerin ihr Taschengeld für besohltes Leder aus.

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Leute, die ihre nicht mehr tau­frischen Socken der Verkäufe­rin entgegenstrecken, sich Berge von Schuhen zeigen lassen und dennoch die Nase rümpfen: So kann man sich den Beruf der Schuhverkäuferin vorstellen. «So ist es aber nicht», entgegnet Sabrina Schluep. Solche Kundschaft sei die absolute Ausnahme. Gehe man in ein Fachgeschäft, schätze man in der Regel eine gute Beratung und probiere nicht einfach alle möglichen Schuhe an.

Man glaubt der 33-Jährigen aus Bolligen sofort, wenn sie sich für ihre Kundschaft starkmacht. Mit ihrer Frohnatur und dem charmanten Lächeln im Gesicht ist sie die geborene Verkäuferin. Ihr passendes berufliches Wirkungsfeld hat sie in Münchenbuchsee gefunden. Hier befindet sich eines der selten gewordenen Schuhfachgeschäfte, als Filiale in einen Familienbetrieb eingebettet. In den Laden dringt Tageslicht, das Sortiment ist vielseitig, und die Mutter einer vierjährigen Tochter und eines siebenjährigen Sohnes arbeitet zu 40 Prozent. «Optimale Konditionen», nennt es Sabrina Schluep.

Nie online einkaufen

Bereits als Kind hat Sabrina Schluep ihre berufliche Laufbahn vorbestimmt. Sie liebte es, mit der Familie Schuhe kaufen zu gehen, und später – als Jugendliche – setzte sie oft ihr gesamtes Taschengeld für Schuhe ein.

Eines steht für die engagierte Frau fest: «Als Verkäuferin arbeite ich nur in einem Fachgeschäft. Massenbetriebe weitab von jedem Tageslicht und ohne grosse Entfaltungsmöglichkeit, das ist nichts für mich.» Sabrina Schluep liebt den Kontakt mit Stammkunden, und wenn jemand den Laden mit einem zufriedenen Lächeln verlässt, tue ihr das gut. Sie habe es noch keine Minute bereut, diesen Beruf gewählt zu haben. Ob so viel Begeisterung drängt sich die Frage nach der Schattenseite dieses Berufes auf. Sabrina Schluep findet dazu nur nach langem Nachdenken eine Antwort: «Leute, welche hier das halbe Sortiment anprobieren, um dann die ausgewählten Schuhe irgendwo im Internet zu bestellen, das löst schon Frust aus.» Sie selbst würde nie online Schuhe kaufen: «Ich brauche bei der Auswahl den Geruch des Leders, die Farben, die Ausstattung eines Schuhladens.»

Für den Tiefenbacher-Schuhladen in Münchenbuchsee sprächen auch der gute Teamgeist und die Ehrlichkeit der Verkäuferinnen, so Sabrina Schluep. Ein geschultes Auge könne einschätzen, ob das anvisierte Exemplar von der Form her zum Fuss passe. Wenn später für den Kunden der kleinste Spaziergang zur Qual werde, sei ihm nicht gedient.

Alter, brauner Stiefel

Berät die Teilzeitverkäuferin eine Kundin, lässt sie sich von Fragen leiten. Ihren eigenen Geschmack stellt sie dabei in den Hintergrund. Sabrina Schluep dazu: «Es müssen ja nicht alle die gleichen Schuhe tragen, und ich selbst folge sowieso keinem Trend.» Ihr Lieblingsschuh ist ein alter, brauner Stiefel. Ihn hat sie bereits zehnmal sohlen lassen, weil er so bequem sei und zu allem passe. In der Abstellkammer der Wohnung steht der Stiefel nicht allein im Regal. «Ja, da befinden sich eine ganze Menge Schuhe», gesteht Sabrina Schluep.

Ihren Style bezeichnet sie als unkonventionell und unkompliziert. Und so packt die Verkäuferin auch ihr Leben an. Mit dem Vater der beiden Kinder lebt sie zusammen, doch auf eine Heirat mit Fest und weissem Kleid hat sie verzichtet. «So etwas brauche ich nicht.» Dafür hat sie sich die Namen ihrer Kinder – Elin und Leon – samt Geburtsdatum auf ihren Arm tätowieren lassen. Sie seien ihr Leben und ihr Hobby zugleich.

In der Freizeit spielt Sabrina Schluep mit den beiden oft draussen und versucht, ihnen ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen. Höchstens die Pflege ihrer Fingernägel lässt die Frau noch als «kleines Hobby» durchgehen. Jede zweite Woche trägt sie andere Farben und dazu passende Sujets auf. Sie bilden einen Hingucker, wenn die Verkäuferin den Kunden beim Schuheanziehen hilft.

Berner Zeitung

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