Sie kämpfen gegen die Wegwerfmentalität

Bern

Jonas Bigler und Sam Kolahan wollen mit ihrer Internetseite, Nimms.ch, dafür sorgen, dass brauchbare Gegenstände nicht weggeworfen werden, sondern ein neues Zuhause finden.

<b>Jung und engagiert:</b> Sam Kolahan (links) und Jonas Bigler. Die Möbelstücke wurden von der Bärner Brocki zur Verfügung gestellt.

Jung und engagiert: Sam Kolahan (links) und Jonas Bigler. Die Möbelstücke wurden von der Bärner Brocki zur Verfügung gestellt.

(Bild: Christian Pfander)

Sheila Matti

Rund 400 000 Haushalte ziehen in der Schweiz jährlich um. Auch im Kanton Bern werden heuer wieder viele Menschen ihre Habseligkeiten in Bananenkisten verpacken und von einer Wohnung in die nächste verfrachten. Er­fahrungsgemäss findet dabei aber längst nicht jedes Stück ein neues Zuhause; während des Zügelns trennt man sich von so manchem Möbelstück, Haushaltsgerät oder Dekoelement.

Doch wohin mit einem überflüssigen Gegenstand, der eigentlich noch in gutem Zustand ist? Entweder sucht man im Be­kanntenkreis, nimmt den Weg in die Brockenstube auf sich oder greift auf die Hilfe von Jonas Bigler und Sam Kolahan zurück. Die beiden jungen Männer haben vor einem halben Jahr die Internetseite Nimms.ch lanciert. Sie verfolgen ein ambitioniertes Ziel, wie Bigler erklärt: «Wir möchten in der Schweiz der meistgenutzte Dienst für das Verschenken von Gegenständen werden.»

Bis zu tausend Klicks pro Tag

Das Prinzip hinter Nimms.ch ist einfach: Will man etwa ein altes Sofa loswerden, muss man sich nur auf der Seite registrieren und eine Beschreibung des Möbelstücks auf der Website veröffentlichen. Das geht auch direkt via Smartphone, ein Foto ist also schnell gemacht. Ist der Gegenstand online, heisst es: Abwarten und Kaffee trinken.

Sobald sich jemand für das Sofa interessiert, wird man per E-Mail darüber informiert – oder aber die Interessenten melden sich direkt über die angegebenen Kontaktinformationen. Die Details der Übergabe werden dann bi­lateral organisiert.

«Wir möchten  in der Schweiz  der meistgenutzte Dienst für das  Verschenken von Gegenständen  werden.»Jonas Bigler

Online ist der Internetdienst seit November. Seither haben sich rund siebenhundert Personen registriert, die etwas verschenken wollen – hauptsächlich Bernerinnen und Berner. «Das klingt vielleicht nicht nach viel», meint Sam Kolahan, «aber man muss bedenken, dass man Gegenstände auch ohne Registrierung ergattern kann.» Und gerade hier würden sie jeweils viele Nutzer verzeichnen: Zu Spitzenzeiten werde die Website über tausendmal am Tag angeklickt.

«Normalerweise dauert es nur Stunden oder wenige Tage, bis sich ein Interessent meldet», erzählt Jonas Bigler, der für den ­betriebswirtschaftlichen Aspekt der Seite zuständig ist und selbst schon viele Gegenstände via Nimms.ch gefunden und verschenkt hat.

Garantiert kostenlos

Fleissige Facebook-Nutzer kennen diese Art des Verschenkens bereits: Auf dem sozialen Netzwerk finden sich zahlreiche Gruppen, in welchen Dinge gratis angeboten werden. Wie kann sich Nimms.ch von diesen Angeboten abheben? «Wir zeichnen uns vor allem durch die einfache Handhabung aus», meint Kolahan, der die Seite zusammen mit seiner Frau gestaltet und programmiert hat. «Ausserdem sind wir garantiert kostenlos», ergänzt Bigler, «auf Facebook und Co. heisst es oft: ‹Also, so zwanzig Franken hätte ich dafür schon gern.›»

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von Nimms.ch ist, dass die Seite offiziell von der Stadt Bern mit 6500 Franken unterstützt wird. Ein kleiner Betrag, der für Bigler und Kolahan aber viel bedeutet. Beide arbeiten Vollzeit und betreiben die Seite nebenbei, ohne daraus Gewinn zu schlagen – ein Hobby sozu­sagen, in das sie schon viel Zeit und Geld gesteckt haben. «Für uns ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Bern super», freut sich Bigler, «diese bringt unsere Seite einen wichtigen Schritt voran.» In Zukunft würden Bigler und Kolahan gern noch mit weiteren Städten zusammenarbeiten. Auch eine App möchten sie irgendwann lancieren. «Diese können wir aber momentan noch nicht finanzieren», relativiert Kolahan.

Die beiden lassen sich mit ih­rem Vorhaben aber nicht unter Druck setzen. «Nimms.ch muss nicht zwingend gross werden», meint Jonas Bigler. Schon jetzt bleibe ihnen die Gewissheit, dass sie für viele Gegenstände ein neues Zuhause gefunden und so «der Wegwerfmentalität den Kampf angesagt» haben.

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