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Sie gehen ohne Angst ans Werk

Der Ortsverein will das kleine Kino im Ort erhalten. Die Konkurrenz aus dem nahen Cinedome in Muri scheuen die neuen Betreiber nicht.

Boris Kaiser (links) und Sepp Graf vom Ortsverein Worb betreiben nun das Kino in Worb.
Boris Kaiser (links) und Sepp Graf vom Ortsverein Worb betreiben nun das Kino in Worb.
Christian Pfander

Das «Chinoworb» hat so gar nichts gemeinsam mit den beiden Multiplexanlagen in der Region Bern. Keine riesigen Säle mit 350 Sitzplätzen, kein Spielparadies, keine Automaten, keine Fast-Food-Restaurants. Nein, das schmucke Kino ist auch noch fast siebzig Jahre nach seiner Eröffnung genau das, was es schon immer war: ein warmer Raum mit bequemen Sesseln und einer grossen Leinwand, eine kleine Bar, fertig.

Vor fünf Jahren erhielt das Kino mit Martin Christen und Rolf Nöthiger neue Betreiber, die nicht wollten, dass es einfach von der Bildfläche verschwindet. Sie erhielten den Betrieb deshalb aufrecht. Sie modernisierten das Kino und tätigten die notwendigen Investitionen. Aber auch sie sind nun – aus Altersgründen – auf der Suche nach einem Nachfolger.

Wer aber kann es sich in einer Gemeinde vorstellen, ein Kino zu übernehmen, gerade wenn in der Nähe vor noch nicht allzu langer Zeit ein ganzes Kinoareal eröffnet worden ist?

Gemeinderat hilft

«Wir waren uns im Vorstand schnell einig, dass wir es versuchen», antwortet Sepp Graf. Er ist der Präsident des Worber Ortsvereins. Der Verein will sich aktiver in der Gemeinde einbringen, «und das können wir mit unserer neuen Aufgabe tun». Weil die Finanzierung nicht mit den eigenen Mitteln gestemmt werden konnte, war der Ortsverein auf Unterstützung angewiesen. Fündig geworden ist er beim Gemeinderat, der 25'000 Franken sprach, und beim Frauenverein, der den neuen Kinobetreibern mit 20'000 Franken unter die Arme greift. Ausserdem seien die Vorgänger dem Verein bei der Übernahme entgegengekommen. Auch deren primäres Ziel sei es gewesen, das «Chino» zu erhalten, und nicht, mit dem Verkauf Geld zu verdienen.

«Nun können wir im neuen Jahr ohne Schulden übernehmen und uns auf unser Ziel, den Betrieb nahtlos weiterzuführen, konzentrieren», erklärt Boris Kaiser vom Ortsverein. Er ist zuversichtlich, dass die Leute in Worb das Vorhaben zu schätzen wissen und das Kino weiterhin zahlreich besuchen werden. «Wer bei uns einen Film schaut, hat andere Beweggründe als jemand, der nach Muri oder ins Westside geht. Es ist ein ganz anderes Publikum.» Deshalb scheuen die neuen Betreiber die Konkurrenz des Cinedomes nicht. «Wir sind überzeugt davon, dass wir unsere Nische im Markt haben und mit dem aktuellen Modell das Kinogeschäft kostendeckend führen können.»

Viele Freiwillige

Den neuen Betreibern kommt auch die grosse Unterstützung entgegen, die sie von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern erhalten. «Der Operateur und das Reinigungspersonal sind die Einzigen mit einer Entschädigung», so Sepp Graf. Ohne die Freiwilligen sei es kaum möglich, den Kinobetrieb zu stemmen.

«Wir sind überzeugt davon, dass wir unsere Nische im Markt haben.»

Boris Kaiser?

Was genau auf den Ortsverein ab dem 1. Januar zukommt, wissen die Verantwortlichen noch nicht. «Wir sind alles Neulinge auf diesem Gebiet und müssen zuerst schauen, dass wir alles zum Laufen bringen», sagt Boris Kaiser. Dieses Ungewisse habe seinen Reiz, aber man sei sich auch bewusst, dass einige Risiken bestehen. «Hätten wir beispielsweise einen schwerwiegenden Defekt und der Betrieb würde längere Zeit stillstehen, kämen wir in eine finanzielle Schieflage.»

Und es gebe durchaus auch Personen im Dorf, die das Vorhaben nicht ganz verstehen würden. «Was wollt ihr mit einem Kino, braucht es das?» Diese und ähnliche Fragen wurden bereits einigen Mitgliedern des Ortsvereins gestellt. Die Skeptiker gilt es nun umzustimmen.

Die neuesten Filme

Die neuen Betreiber sind froh, dass sie weiterhin auf die professionelle Filmauswahl von Katja Morand zählen können, die sich in der Branche auskennt. Dank ihr seien im «Chinoworb» die neusten Filme zu sehen, und zwar gleichzeitig, wie sie auch auf anderen, grösseren Leinwänden der Schweiz gezeigt werden. Beim Schweizer Film «Zwingli» werden am 26. Januar gar Schauspieler und Filmemacher in Worb auflaufen und vor versammeltem Publikum über den Streifen ­sprechen.

Als zweites Standbein stellt sich der Ortsverein in Zukunft auch Veranstaltungen in den Räumlichkeiten vor. «Versammlungen, Lesungen, Geburtstagsfeiern, wir sind offen für alles Mögliche», sagt Sepp Graf.

Klappt das Konzept des Ortsvereins, wird sich das Publikum noch lange in den bequemen roten Sesseln fläzen können.

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