Sex mit 13-Jähriger bringt junge Männer vor Gericht

Drei junge Männer müssen sich vor Gericht ­verantworten, weil sie mit einer knapp 13-Jährigen Sex hatten. War dieser einvernehmlich, wie die Beschul­digten behaupten?

Der Vorwurf lautet auf Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Handlung mit Kindern.

Der Vorwurf lautet auf Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Handlung mit Kindern.

Hans Ulrich Schaad

Die Befragung dauerte rund 45 Minuten. Und sie liess kaum ­jemanden im Gerichtssaal kalt. Vor Gerichtspräsidentin Christine Schär sass ein gut 14-jähriges Mädchen. Es wirkte schüchtern, hatte den Kopf meist gesenkt, sprach mit leiser und zittriger Stimme.

Bei einigen Fragen begann die Jugendliche zu schluchzen. Die Geschehnisse jener Nacht im April 2017, über die das Gericht urteilen muss, wühlten die damals noch nicht 13-Jährige auf. Sie möchte alles am liebsten vergessen, erklärte sie. Jetzt komme das Ganze wieder hoch.

Sie suchte einen Schlafplatz

Die Jugendliche war eine Woche zuvor aus der geschlossenen Abteilung eines Heims abgehauen. In der Nacht um 3 Uhr wurde sie von «ein paar Typen» angesprochen, warum sie so spät noch unterwegs sei. Sie stellte sich als 15-Jährige aus Zürich vor und sagte, sie suche einen Schlafplatz.

Als einer der jungen Männer ihr einen Platz in einem Hobbyraum anbot, ging sie mit, obwohl es auf dem Weg dorthin zu Annäherungsversuchen gekommen war. «Ich hatte kalt und war müde. Ich wollte einfach einen Schlafplatz», sagte sie.

Sie habe dem Typen gesagt, dass sie nichts wolle, erzählte sie weiter. Doch der junge Mann liess nicht locker und bat sie, sich auszuziehen. Die junge Frau sah sich in einer hoffnungslosen Lage. Die Türe sei abgeschlossen gewesen. Und: «Was soll ich gegen einen Mann machen?»

Sex der Reihe nach

Gemäss der Anklageschrift hatte sie in den folgenden gut zwei Stunden mit vier jungen Männern zum Teil ungeschützten Sex, «der Reihe nach». Sie habe sich nicht allzu gross gewehrt, sie habe Angst gehabt, gab sie gestern zu Protokoll.

Als ihr die ­Aussagen der Beschuldigten vom Vormittag, sie habe aktiv mit­gemacht, vorgehalten wurden, begann sie zu weinen und sagte vor sich hin: «So ein Scheiss. Ich habe es nicht gewollt.» Zur Polizei ging sie nicht selber, weil sie «ausgeschrieben» gewesen sei. Sie erzählte es aber ihrer besten Freundin, und der Fall kam ins Rollen.

Es sei wichtig, dass sich das ­Gericht selber ein Bild vom Opfer machen könne, begründete Christine Schär, warum die ­Jugendliche nochmals befragt worden sei. Die Beschuldigten verfolgten die Befragung in einem Nebenraum per Video.

Einer war minderjährig

Drei der vier beteiligten Männer müssen sich nun vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten. Der Vorwurf lautet auf Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Handlungen mit Kindern.

Der Vierte im Bunde war zum Tatzeitpunkt minderjährig und wurde vom Jugend­gericht in erster Instanz freigesprochen. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung ist angemeldet.

Die drei Beschuldigten, damals 18- und 19-jährig, hatten schon einigen Alkohol intus und konnten sich gestern nicht mehr an ­alle Details erinnern. Einer sagte, er sei «recht betrunken» gewesen. Alle sprachen davon, dass die Jugendliche nicht Nein gesagt habe.

Mehr noch: Sie habe aktiv mitgemacht und teilweise die Initiative ergriffen. Weil sie sich nicht gewehrt habe, sei er von einvernehmlichem Sex ausgegangen, erklärte der Älteste der Beschuldigten. Der zweite empfand, dass sie gerne Sex habe. Er sei davon ausgegangen, dass sie älter als 15 sei. Näher nach dem Alter gefragt habe er nicht.

War es eine Falle?

Der dritte Beschuldigte erklärte, dass er aufgrund seiner Erfahrung abschätzen könne, ob eine Frau das wolle oder nicht. Und er habe nicht das Gefühl gehabt, dass sie etwas dagegen habe.

«Niemand hat sie zu etwas gedrängt», betonte er. Auf die Frage, ob sie von der Jugendlichen in eine Falle gelockt worden seien, wich er aus. Er könne es nicht ­sagen, aber es sei möglich.

Nach der Einvernahme des Opfers wiederholten zwei Beschuldigte, dass es keinen Sex gegeben hätte, wenn sie sich gewehrt hätte. Einer fügte an, dass man die Jugendliche nach Hause gefahren hätte, wenn sie das gewünscht hätte.

Am Mittwoch folgen die Plädoyers. Das Gericht wird das Urteil am Freitag eröffnen.

Berner Zeitung

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