Sex mit 13-Jähriger: «abnormales Verhalten» der Angeklagten

Der Staatsanwalt ­fordert Gefängnisstrafen für drei junge Männer, die Sex mit einer 13-Jährigen ­hatten. Die Verteidiger plädieren auf ­Freispruch. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Vier Männer hatten in der fraglichen Nacht Sex mit der damals knapp 13-Jährigen (Symbolbild).

Vier Männer hatten in der fraglichen Nacht Sex mit der damals knapp 13-Jährigen (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Hans Ulrich Schaad

Der Staatsanwalt sparte nicht mit Kritik am Verhalten der drei Beschuldigten. Es sei «der Gipfel», dass sie die Schuld dem Opfer in die Schuhe schieben.

«Das ist nicht ­nachvollziehbar.­ Sie hätten etwas merken müssen.»Staatsanwalt

Er sprach in seinem Plädoyer vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland von einem «abnormalen Verhalten», dass vier junge Männer einen «Rudelbums» mit einer knapp 13-Jährigen durchführen und dies in Ordnung finden. «Das ist nicht nachvollziehbar. Sie hätten etwas merken müssen», sagte er. Ihre Aussagen wirkten abgesprochen und wenig glaubhaft.

Falsches Alter angegeben

Für den Staatsanwalt ist klar, dass der Vorfall vom April 2017 in einer Berner Agglogemeinde für die Beschuldigten Konsequenzen haben muss. Vier junge Männer – einer war noch minderjährig – trafen um drei Uhr in der Nacht auf eine Jugendliche, die sich als 15-Jährige ausgab, tatsächlich aber kurz vor ihrem 13. Geburtstag stand. Sie war aus einem geschlossenen Heim ausgebüxt und auf der Suche nach einem Schlafplatz. In einem Keller kam es anschliessend zu den sexuellen Handlungen.

Obwohl sich die Jugendliche nicht gewehrt habe und keine Gewalt angewandt worden sei, habe eine Drucksituation bestanden, erklärte der Staatsanwalt. Das Opfer sei in einer aussichtslosen Lage gewesen. Er sieht den Tatbestand der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung als erfüllt an.

Für jenen Beschuldigten, der als Erster mit der 13-Jährigen Sex hatte, forderte er eine Gefängnisstrafe von 36 Monaten, davon 12 Monate unbedingt. Für die zwei anderen Beschuldigten verlangte er bedingte Strafen und 24 respektive 20 Monaten. Die Vertreterin des Opfers beantragte zudem eine Genugtuung in Höhe von 40'000 Franken.

Sie war selber aktiv

Die Verteidiger setzten in ihren Parteivorträgen ein grosses Fragezeichen hinter die Aussagen des Opfers. Diese seien mithilfe von Suggestivfragen zustande gekommen, die Erwartungshaltung des Fragenden drücke durch.

So sei in einem Chat mit dem damaligen Freund einige Stunden später nicht der Sex die grösste Sorge gewesen, sondern die Angst, wegen des ungeschützten Verkehrs schwanger zu werden. Die Jugendliche habe den Sex gesucht und sei selber auch aktiv gewesen. Die Männer hätten nicht merken können, dass sie das nicht wolle.

Freisprüche müsse es auch geben, so die Verteidiger, weil die Männer nicht feststellen konnten, dass die Jugendliche erst knapp 13 und damit noch im Schutzalter war. Gemäss Gutachten sei sie für ihr Alter physisch bereits weit entwickelt.

Das Gericht gibt das Urteil am Freitag bekannt.

Berner Zeitung

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