Bern

Sensler wollen BLS-Werkstätte an Land ziehen

BernVerkehrte Welt: Während im Kanton Bern niemand die neue Werkstätte haben will, versuchen die Freiburger, das ungeliebte Projekt mit einer neuen Idee anzulocken.

Von hier bis zur Sense könnte die Autobahn überdeckt werden: Oberamtmann Nicolas Bürgisser (Mitte), Andreas Freiburghaus (links) und Manfred Raemy schlagen als Standort für die BLS-Werkstätte Flamatt vor.

Von hier bis zur Sense könnte die Autobahn überdeckt werden: Oberamtmann Nicolas Bürgisser (Mitte), Andreas Freiburghaus (links) und Manfred Raemy schlagen als Standort für die BLS-Werkstätte Flamatt vor. Bild: Beat Mathys

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In der Tiefe rauscht auf der Autobahn unablässig der Verkehr. Es geht gegen Feierabend, als Nicolas Bürgisser, Andreas Freiburghaus und Manfred Raemy beim Bahnhof Flamatt eintreffen. Vor Ort wollen der Oberamtmann des Sensebezirks, der Ammann von Wünnewil-Flamatt und der Geschäftsführer der Region Sense erklären, was es mit ihrer Idee auf sich hat.

Der Idee, rund einen Kilometer lang die Autobahn zu überdecken und auf dem gewonnenen Platz die neue BLS-Werk­stätte anzusiedeln. Das im Bernbiet so ungeliebte Projekt würde flugs nach Freiburg abwandern.

Schematisch eingetragen

Bürgisser blickt hinüber zur Sense. In der Tat scheint für den Vorschlag einiges zu sprechen. Autobahn und Eisenbahn verlaufen hier parallel, und noch wichtiger: Die Züge fahren quasi eine Etage höher als die Autos, könnten so ohne grosse Steigung zur Werkstätte gelangen. Die Platte, auf der die weitläufige Anlage zu stehen käme, würde vom Hang her die Autobahn überspannen.

Flamatt könnte so sein Lärmproblem weiter eindämmen, sagt Bürgisser. Vor allem aber «sparen wir wertvolles Kulturland», sinniert er mit Blick auf die heftigen Debatten, die das Projekt ausgelöst hat. Schon die offizielle BLS-Variante bei Riedbach im Westen der Stadt Bern liess die Emotionen hochgehen, weil sie rund 20 Hektaren verschlänge.

Und auch am Dienstag, als die von der BLS eingesetzte Begleitgruppe ihren Vorschlag präsentierte, ebbte die Kritik nicht ab. In links-grünen Kreisen stiess die Empfehlung, die Werkstätte weiter westlich im Chliforst zu bauen, gar nicht auf Gegenliebe. Präsident Bernhard Antener bestätigt, dass die Begleitgruppe zuvor mit Bürgisser Kontakt hatte, sich mit ihm sogar in Flamatt traf.

Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass eine Überdeckung nicht nur viel kosten würde, sondern an dieser Stelle auch viel zu schmal wäre. Die beigezogenen Planer hätten einen möglichen Grundriss schematisch in eine Karte eingetragen – und seien auf bestehenden Häusern gelandet.

Und die Arbeitsplätze?

Die BLS müsse sich bewegen und nicht in die Breite, sondern in die Länge bauen, hält Bürgisser dem entgegen. «Aus Gesprächen mit Berner Kollegen weiss ich, dass die Werkstätte nirgends willkommen ist.» Auch Freiburg habe sich gegen einen Neubau auf der grünen Wiese gestellt, weil es halt ein grundsätzliches Problem gebe: «Die Zahl der Arbeitsplätze pro Quadratmeter ist zu klein.» Und weiter zu den Kosten: Vielleicht lasse sich via Freiburger Wirtschaftsförderung Geld lockermachen. Immerhin gehe es trotz allem um rund 200 Jobs.

In der Freiburger Baudirektion stösst Bürgissers Vorstoss auf offene Ohren, zumindest für vertiefte Studien über ihre Machbarkeit, wie Staatsrat Maurice Ropraz (FDP) ausrichten lässt. Genauso gesprächsbereit zeigt sich aufseiten der Autobahn das Bun­desamt für Strassen (Astra). Seine Einschränkung: Ein Tunnel ziehe stets hohe Betriebskosten nach sich. Für sie müsse jemand aufkommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2016, 07:52 Uhr

Übergangslösung

Wie sakrosankt ist der Termin 2025? Bis dann kann die BLS dank einer Zwischenlösung im neuen Depot der Freiburger Verkehrsbetriebe TPF in Givisiez ihre Fahrzeuge ohne Probleme warten.

Ob sie anschliessend ihre eigene Werkstätte beziehen kann, ist angesichts des erbitterten Widerstands, der ihr auch am Standort Chliforst droht, aber mehr als fraglich.

Ob sich der Vertrag mit den TPF allenfalls verlängern lässt, bleibt zurzeit offen. Beide Seiten wollten sich gestern dazu nicht äussern.

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