Selbstfahrender Minibus mit Kinderkrankheiten

Bern

Am Donnerstag lud Bernmobil die Medien zur Testfahrt des selbstfahrenden Kleinbusses. Bis er im Sommer Fahrgäste transportieren kann, ist noch Einiges zu tun – prompt kam der Bus bei der Testfahrt zum Erliegen.

Am Donnerstag lud Bernmobil zur Testfahrt des selbstfahrenden Kleinbusses, der ab Sommer zwischen Marzili-Bahn und Bärenpark verkehren wird.
(Video: Sibylle Hartmann)

Auf den ersten Blick hätte man meinen können, da stehe ein überdimensionales Playmobil-Auto vor dem Tramdepot an der Bolligenstrasse. Voller Stolz präsentierte Bernmobil am Donnerstag das knallrote, eckige Gefährt den Medien als ersten selbstfahrenden Kleinbus. Bevor der einjährige Pilotversuch auf der Strecke Marzilibahn–Bärenpark startet, werden derzeit auf dem Tramdepot-Areal Testfahrten durchgeführt.

Bei einer solchen wurde die Medienschar gleich Zeuge davon, warum der Bus noch nicht auf die Strasse darf. Nach den ersten Kurven blieb er mitten auf der Strecke stehen. «Die Technologie steckt in den Kinderschuhen, es gibt noch Softwareprobleme, die wir mit dem Hersteller lösen müssen», sagt Projektleiter Bernhard Riegel gelassen.

Start vielleicht im Mai

So gehe es in der Testphase auch darum, dass die Begleitpersonen den Umgang mit Störungen lernen würden. Obwohl der Kleinbus mit acht Sitzplätzen weitgehend selbstständig fährt, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass stets eine Begleitperson, die manuell eingreifen kann, an Bord ist.

Wann genau der Pilotversuch startet, ist noch unklar. «Wir hoffen, dass wir bis Mai, Juni die Ausnahmebewilligung des Bundes erhalten», sagt Riegel. Klar hingegen ist, dass der Bus anfangs stündlich, später halbstündlich verkehren wird.

Liess bei der Testfahrt der Fahrstil noch zu wünschen übrig, überzeugte das Gefährt hingegen beim Sicherheitstest. Der Projektleiter selber lief vor den fahrenden Bus, der sofort stoppte. Bei einem Tempo von höchstens 20 Stundenkilometern ist eine Vollbremsung als Fahrgast zu verkraften. Und erst recht, wenn die Fahrt gratis ist.

Regen und Reben als Hindernisse

In verschiedenen Schweizer Städten pröbeln derzeit Verkehrsunternehmen mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Auch andernorts lief und läuft längst nicht alles glatt mit den chauffeurlosen Fahrzeugen. Bei einem Pilotversuch in der Walliser Kantonshauptstadt Sitten mussten die Winzer entlang der Strecke ihre Reben immer wieder zurückschneiden, weil das autonome Postauto vor wild wuchernden Rebentrieben zurückschreckte.

Das Berner Fahrzeug hingegen scheint noch etwas wasserscheu zu sein, wie Bernmobil-Direktor René Schmied erzählte. Etwas stärkeren Regen nehmen die Sensoren als Hindernis in der Fahrbahn wahr und das Gefährt stoppt.

sih/mb/sda

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