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Selbst Polizisten werden verbal und tätlich angegriffen

Eine Messerstecherei, eine Pöbelei und eine Massenschlägerei innerhalb von sechs Stunden: Die Berner Aarbergergasse ist Ausgehmeile und Problemzone gleichzeitig.

Aggressives Partyvolk zwischen Polizeiwagen an der Aarbergergasse: Hier vor dem «El Pesidente» kam es in der Nacht auf Sonntag zu Prügeleien und einer Messerstecherei.
Aggressives Partyvolk zwischen Polizeiwagen an der Aarbergergasse: Hier vor dem «El Pesidente» kam es in der Nacht auf Sonntag zu Prügeleien und einer Messerstecherei.
Jürg Spori

Im Zusammenhang mit der am 7.März zur Abstimmung kommenden Sicherheitsinitiative der FDP wird kontrovers über die Sicherheitslage in Bern diskutiert. Diese Zeitung wollte es genauer wissen: Was passiert an einem zufällig ausgewählten Wochenende nachts in einer der städtischen «Problemzonen»?

Die Versuchsanordnung: Ein Reporter steht von 23 Uhr bis 5 Uhr in der Aarbergergasse – laut Sicherheitsdirektor Reto Nause ein «Hotspot» – und protokolliert die Ereignisse. Letztes Wochenende, in der Nacht auf Sonntag, kam es in den sechs Stunden unter anderem zu einer Messerstecherei, einer Pöbelei und einer Massenschlägerei, bei welcher die Polizei in Bedrängnis geriet (siehe Ausgabe von gestern).

War das nun eine ganz normale Nacht in der Ausgehmeile oder eine seltene Kumulierung der Ereignisse? «Polizeiliche Einsätze im Raum Aarbergergasse kommen seit geraumer Zeit regelmässig vor», sagt Manuel Willi, Regionenchef der Kantonspolizei. «Die Nacht auf den vergangenen Sonntag war eine intensive Nacht», ergänzt Willi. Es gebe auch bedeutend ruhigere Phasen. Häufungen wie letztes Wochenende kämen hie und da vor, seien aber nicht alltäglich.

Für die Sanitätspolizei sind Einsätze in der Aarbergergasse wegen Alkohol und Drogen an den Wochenenden normal, sagt Martin Berger, Chef Logistik. «Nebst drei Einsätzen in der Aarbergergasse hatten wir vier weitere alkoholisierte Personen in der Innenstadt zu betreuen.» Drei davon mussten hospitalisiert werden. Das Ausrücken wegen Messerstecherei und Schlägerei ist laut Berger weniger oft der Fall.

Schliessungen gefordert

Für Bernhard Hüsser, Präsident der Interessengemeinschaft Aarbergergasse und Wirt des Restaurants Moléson, war der letzte Samstag unterdurchschnittlich: «Bei warmem Wetter geht die Post noch mehr ab.» Das Regierungsstatthalteramt solle Bar- und Klubbetreiber etwa mit temporären Schliessungen zur Rechenschaft zu ziehen.

So sieht es auch Hans Gaberthüel, Besitzer der Liegenschaft, wo das «El Presidente» eingemietet ist. Vor diesem Klub kam es in der Nacht auf Sonntag zu drei Zwischenfällen. Weil Gaberthüel den Mietvertrag nicht auflösen kann, hat er beim Statthalteramt eine Beschränkung der Betriebszeiten verlangt (siehe Kasten). Regelmässig auf Kontrolle in der Gasse ist die Gewerbepolizei, welche die Verfügungen des Statthalteramts durchsetzen muss. Deren Chef Marc Heeb will zu einzelnen Ereignissen und Betrieben nicht Stellung nehmen. Er erwarte von der Kantonspolizei aber einen Bericht über die Ereignisse des Wochenendes.

Mehr Polizeieinsätze

Bei der Polizei beobachtet man die nächtliche Gewalt in den «Problemzonen» mit Sorge: «Namentlich am Wochenende hat die Zahl der Einsätze wegen Gewaltdelikten zugenommen», sagt Willi. Diese Entwicklung mache auch vor Polizisten nicht Halt: «Sie sehen sich des Öfteren mit verbalen und physischen Angriffen konfrontiert.» Darum stünden neben den regulären Kräften in der Stadt Bern auch sicherheitspolizeiliche Elemente im Einsatz. «So war es am Wochenende innert kürzester Zeit möglich, die Situation in der Aarbergergasse unter Kontrolle zu bringen», sagt Willi.

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