Seit 150 Jahren fliegen die Späne

Zimmerwald

Die Schreinerei Blatter in Zimmerwald gibt es seit 150 Jahren. Trotz des stetigen Wandels der Branche ist das Unternehmen immer in der Familie geblieben – und wird heute in der fünften Generation geführt.

Markus Blatter in der Werkstatt seiner Schreinerei. Seit 1974 steht sie am Dorfrand von Zimmerwald.

Markus Blatter in der Werkstatt seiner Schreinerei. Seit 1974 steht sie am Dorfrand von Zimmerwald.

(Bild: Beat Mathys)

Christoph Albrecht

Der Kleber an der Tür weist bereits darauf hin: Wer diese Werkstatt betritt, sollte dies besser mit einem Gehörschutz tun. Von den gewaltigen Maschinen her dröhnt und quietscht es in ohrenbetäubender Lautstärke, in der Luft liegt der Geruch von Holz. Auf dem feinen Sägemehlfilm, der sich auf dem Boden gebildet hat, sind Schuhabdrücke zu erkennen. Es sind diejenigen von Markus Blatter, dem Chef der Schreinerei Blatter.

Der 49-Jährige führt das Familienunternehmen am Dorfrand von Zimmerwald in der fünften Generation. Friedrich Blatter hatte es 1864 gegründet und damit den Anfang einer langen Geschichte markiert, denn in den 150 Jahren ist die Schreinerei stets in der Familie Blatter geblieben. Dies macht den heutigen Patron umso stolzer: «Es gibt sicher nicht mehr viele Familienbetriebe mit einer solchen Tradition», sagt Markus Blatter.

Schlafzimmer für Ehepaare

Trotz aller Beständigkeit durchlief die Schreinerei in den anderthalb Jahrhunderten auch einen stetigen Wandel. So wechselte sie mehrmals ihren Standort. Am Anfang war sie in Wald angesiedelt, sie zog dann ins Dorfzentrum von Zimmerwald und schliesslich an den Dorfrand, wo sie seit 1974 steht.

Grundlegend verändert haben sich in der Schreinerei im Laufe der Jahre aber vor allem die Arbeiten. «Früher wurden hier nebst Wagenrädern noch ganze Schlafzimmer geschreinert», weiss Niklaus Blatter, der den Betrieb während über 30 Jahren geführt hat und 1993 an seinen Sohn Markus übergab.

Dem 78-Jährigen sind viele Erzählungen seiner Vorfahren noch präsent. So hätten der Schreinerei damals etwa die frisch verheirateten Paare besonders grosse Aufträge beschert. «Die jungen Paare zogen zu jener Zeit erst nach der Heirat zusammen und benötigten dann eigene Möbel», erklärt Blatter. Ob Stühle, Schränke, Betten oder Türen: Alles sei damals noch von Hand gemacht worden.

Konkurrenz von Ikea

Diese Zeiten sind jedoch vorbei: Nicht nur hat die maschinelle Produktion längst auch in Zimmerwald Einzug gehalten. Auch produzieren die Blatters heute die klassischen Möbelstücke praktisch nicht mehr. Zu gross ist die Konkurrenz für die kleine Schreinerei mit aktuell sieben Mitarbeitenden geworden. «Heute machen wir nur noch das, was es bei Ikea nicht schon gibt», sagt Betriebsleiter Markus Blatter.

So ist seine Schreinerei heute auf Nischen spezialisiert und stellt Dinge her, die nicht ab Stange zu haben sind – etwa Küchen, Parkettböden oder speziell angefertigte Schränke. «In diesen Bereichen bestehen noch besondere Kundenwünsche, die ein Möbelriese nicht erfüllen kann.» Dazu gehören ebenfalls die hölzernen Haustüren, welche die Schreinerei Blatter seit jeher produziert und die in der Umgebung von Zimmerwald allgegenwärtig sind. «In der Region gibt es die eine oder andere Haustüre, die von uns stammt», sagt Blatter.

Nachfolge noch offen

Stolz ist Blatter ebenfalls auf die lange Lehrlingstradition, die seine Schreinerei als Kleinbetrieb aufweisen kann. «Bereits mein Urgrossonkel Heinrich beschäftigte seinerzeit Gesellen.» 1969 stellte sein Vater schliesslich den ersten Lehrling ein. «Seither wurden hier schon über 40 Stifte ausgebildet», sagt Blatter, der aktuell zwei Lernende unter sich hat. Was ihn besonders freut: Noch nie musste ein Lehrlingsverhältnis aufgelöst werden. «Wir hatten immer Glück mit den Jungen.» Dieser Lehrlingstradition wolle er auf jeden Fall auch in Zukunft treu bleiben.

Offen ist indes noch, wer die Schreinerei dereinst übernehmen wird – und ob der Betrieb überhaupt in der Familie bleibt. Denn Markus Blatter und seine Frau sind kinderlos. Allzu sehr mag sich der 49-Jährige aber noch gar nicht mit der Nachfolge beschäftigen: «Im Moment haben ich und mein Team immer noch Freude an der Arbeit – und bis zu meiner Pension dauert es schliesslich noch eine Weile.»

Tag der offenen Tür in der Schreinerei Blatter an der Schulhausstrasse 16 in Zimmerwald, Samstag von 10 bis 20 Uhr.

Berner Zeitung

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