Bern

Seine Suche nach Leben im All

BernDaniel Angerhausen ist Doktor in Astrophysik. An der Universität Bern forscht er nach Leben auf anderen Planeten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gibt es ausserirdisches Leben? Daniel Angerhausen ist überzeugt: «Seit mehr als 2000 Jahren beschäftigt diese Frage, und ich gehöre nun jener Generation an, welche erstmals die technischen Möglichkeiten haben wird, das herauszufinden.» Der 40-Jährige ist Doktor der Astrophysik und forscht an der Universität Bern am Center for Space and Habitability.

Er arbeitet daran, Teleskope zu entwickeln, die solche Beobachtungen von der Erde aus überhaupt möglich machen. «In etwa fünfzehn Jahren sind wir technisch so weit, dass wir systematisch damit beginnen können, nach Leben auf anderen Planeten zu suchen», ist Angerhausen überzeugt. «Ungefähr weitere fünf Jahre später können wir Beweise für Leben im All vorlegen.»

Die Universität Bern sei «eine Topadresse», wenn es um Astrobiologie gehe, also um das Thema Leben im Weltraum, so der gebürtige Deutsche. «Dass ich ein Forschungsstipendium erhalten habe und nun drei Jahre hier arbeiten kann, ist für meine Karriere grossartig.»

Beobachtungen in Chile

Als Forscher sei er ein Datensammler, so Angerhausen. In seinem Fall bedeutet dies, dass er Informationen zusammenträgt, die zur Entwicklung technischer Instrumente sowie Beobachtungsmethoden verwendet werden, «damit wir eben später nach Leben im All forschen können». Um diese Daten zu ermitteln, verbringt er viel Zeit im Ausland.

Er besucht Konferenzen oder arbeitet in Forschungsstationen. In Chile, Kalifornien oder auf Hawaii betreiben Weltraumbehörden und Universitäten Observatorien. Mit einem Teleskop in Chile hat der Wissenschafter zum Beispiel Daten zur Beschaffenheit von Jupiterplaneten eingeholt. Diese Daten dienen der Weiterentwicklung technischer Instrumente für die Forschung.

«Ich kann es mir nicht leisten, meiner Forschungsarbeit länger als zwei Wochen fernzubleiben, zu viel würde ich verpassen.»Daniel Angerhausen

Angerhausen lebt für die Wissenschaft. «Das ist so, seit ich als Kind einen Chemiekasten erhalten habe», sagt er mit einem Augenzwinkern. Fixe Arbeitszeiten kennt er nicht. Seine Teamkollegen arbeiten von überall auf der Welt, und Besprechungen via Computer finden auch um Mitternacht statt.

Ferien gönnt er sich kaum, ausser ab und zu einen Besuch bei seinen Eltern in Deutschland. «Ich kann es mir nicht leisten, meiner Forschungsarbeit länger als zwei Wochen fernzubleiben, zu viel würde ich verpassen.» Morgens checke er als Erstes auf einer Internetplattform, was für wissenschaftliche Neuigkeiten es zu seinen Themen gibt.

Grüne Männchen

Hat Angerhausen Daten eingeholt, beginnt die eigentliche Forschungsarbeit: das Auswerten. In dieser Zeit sitze er meist in seinem Büro an der Universität Bern. Ein spärlich eingerichteter Raum, weisse Wände, weisser Tisch, ein Bücherregal. Am Bildschirm seines Laptops studiert er Zahlen.

Er rechnet, vergleicht und zieht daraus seine Schlüsse. «Das ist höchst spannend.» Immer wieder tauscht er sich mit Teamkollegen über seine und deren Untersuchungen aus. Daraus ergeben sich die nächsten Forschungsaufgaben. Dabei hat Angerhausen ständig das Ziel vor Augen, Leben auf anderen Planeten aufzuspüren. «Wir werden vermutlich zuerst nicht auf grüne Männchen, sondern auf grüne Algen oder Bakterien stossen», ist er überzeugt.

«Die Vorstellung, Ausserirdische zu treffen, ist zwar verlockend, ich schaue mir übrigens auch gerne Science-Fiction-Filme an», sagt er und lacht. «Doch wenn es irgendwo intelligente Ausserirdische gibt, und daran glaube ich fest, dann leben sie für uns unerreichbar weit entfernt, zumindest, was die heutige Technologie anbelangt.»

Teil des Nasa-Teams

Sein Job als Forscher sei erfüllend, könne aber auch mühsam sein. «Immer wieder muss ich Anträge schreiben, damit ich Observatorien für Beobachtungen nutzen kann, und dabei hoffen, dass ich eine Genehmigung erhalte.» Auch seien bezahlte Forschungsstellen rar und meist nur befristet.

Seit seinem Doktorabschluss 2008 in Deutschland hat Angerhausen an vielen verschiedenen Instituten gearbeitet, ist oft umgezogen. «Das Sozialleben bleibt auf der Strecke, und an Familienplanung ist vorerst nicht zu denken», sagt er nachdenklich und fügt an: «Aber es ist alles einfach unglaublich spannend.»

«Das Sozialleben bleibt auf der Strecke, und an Familienplanung ist vorerst nicht zu denken.»Daniel Angerhausen

Den Deckel seines Laptops ziert ein prominenter Aufkleber der Nasa, der amerikanischen Aeronautik- und Raumfahrtbehörde. Angerhausens Gesichtszüge erhellen sich, wenn er an diese Zeit zurückdenkt. «Die lebendige Atmosphäre dort ist einmalig, und die Aufbruchstimmung spornt an.»

Teil des Nasa-Teams zu sein, sei für ihn als Astrophysiker etwas Besonderes gewesen. «Wie wenn du Fan eines Fussballklubs bist, und plötzlich spielst du selber mit.» Seit seiner Arbeit bei der Nasa nimmt Angerhausen jedes Jahr von Kalifornien aus an einem Forschungsflug mit Sofia teil. Sofia ist eine umgebaute Boeing, die mit einem Observatorium ausgestattet ist.

Sprung in die Aare

Doch die Forschungsarbeit an der Universität, die Konferenzen und auch die Vorträge, die er halten muss, sind für Angerhausen noch nicht genug: Er hat sich jüngst auch noch eine Firma aufgebaut und unterstützt Unternehmen bei Fragen zum Thema Wissenschaftskommunikation.

Obwohl erst ein paar Monate in Bern, habe er sich in der Stadt, wo er auch wohnt, gut eingelebt. Den Dialekt versteht Angerhausen zwar, er bleibt selber dem Hochdeutsch aber treu. Nun freue er sich auf den Sommer in Bern: «Alle schwärmen vom Aareschwimmen. Ich kann es kaum erwarten.»

Erstellt: 13.04.2017, 11:38 Uhr

Machen Sie mit!

Wo arbeiten Sie? Wie arbeiten Sie? Im «Forum» stellen wir regelmässig Menschen in ihrem beruflichen Umfeld vor. Haben Sie Lust, mitzumachen? Dann melden Sie sich bei uns, per Mail an: redaktion@bernerzeitung.ch (Vermerk: Mein Job).

Artikel zum Thema

Thomas Zurbuchen: «Die Sterne sind mir wichtig»

Bern Die Grundlagenforschung und mögliches Leben auf anderen Planeten sind für den Wissenschaftschef der Nasa wichtige Themen. Grösstes Projekt ist ein bemannter Flug zum Mars. Mehr...

Der Nasa-Chef ist der Stargast

Das Forum Spirit of Bern findet auch nächstes Jahr statt. Stargast ist Thomas Zurbuchen, Wissenschaftsdirektor der US-Weltraumbehörde Nasa. Mehr...

So tickt der neue Forschungsleiter der Nasa aus dem Oberland

Heiligenschwendi Das gab es noch nie: Mit Thomas Zurbuchen wirkt neu ein Berner Oberländer als Wissenschaftsdirektor der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa. Ab sofort ist er für 8000 Wissenschaftler zuständig. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Blogs

Gartenblog Bastelanleitung für einen Blumenbogen

Bern & so Flöten gehen

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ein bisschen wie in Rio: Anlässlich des Blumenkarnivals ziehen die gefiederten Tänzerinnen einer spanischen Gruppe durch die Strassen von Debrecen, Ungarn. (20. August 2017)
(Bild: Zsolt Czegledi/EPA) Mehr...