Seilziehen um Christophorus-Schule

Ostermundigen

Das Ostermundiger Parlament will, dass die Christophorus-Schule im Rothus bleiben darf. Der Gemeinderat muss der Schule nun einen neuen Mietvertrag unterbreiten.

Für die Christophorus-Schule in Ostermundigen wird nun ein neuer Mietvertrag ausgehandelt.

Für die Christophorus-Schule in Ostermundigen wird nun ein neuer Mietvertrag ausgehandelt.

(Bild: Raphael Moser)

Markus Zahno

Das Schicksal der Christophorus-Schule Bern (CSB) wird in Ostermundigen immer mehr zum politischen Pingpong. Es wird immer schwieriger zu eruieren, was stimmt und was nicht.

Im Sommer 2023 muss die heilpädagogische Tagesschule, in der 80 Kinder und Jugendliche mit teils mehrfacher Behinderung unterrichtet werden, aus dem Rothusschulhaus ausziehen. So will es der Gemeinderat. Er möchte das ­Rothus künftig wieder als Oberstufenzentrum nutzen, so wie bereits vor der Vermietung an die CSB.

Das sei die beste Lösung, um die steigenden Schülerzahlen zu bewältigen. «Stimmt nicht», widerspricht das Ostermundiger Parlament. Mit 24 zu 4 Stimmen hat es den Gemeinderat am Donnerstagabend beauftragt, mit der CSB über einen neuen Mietvertrag zu verhandeln.

Die Gemeinde

Parlamentarier von links bis rechts kri­tisieren den Gemeinderat, sogar von «Arbeitsverweigerung» ist die Rede. Der Rat habe nie ernsthaft Alternativen geprüft. Diese seien durchaus vorhanden: Zum Beispiel könne die Gemeinde beim Rothusschulhaus Modulbauten aufstellen.

So könne sie ihr Schulraumproblem kostengünstig lösen, zugleich bleibe die Christophorus-Schule im Rothus und zahle weiterhin Miete, rechnet die Parlamentsmehrheit vor.

«Wir können nicht ­einfach die Hände in den Schoss legen und nichts tun.»André EngelChristophorus-Schule

Der Gemeinderat wiederum deutet an, dass die Christophorus-Schule vielleicht nicht mehr unbedingt im Rothus bleiben wolle. Die CSB habe einen neuen Standort im Raum Bern im Visier, «sie steht kurz vor Vertragsabschluss, und ein Bauprojekt ist bereits am Laufen». Denn die CSB wachse und brauchte im Rothus mehr Platz, so der Gemeinderat. «Halt!», wendet SP-Parlamentarier ­Rudolf Mahler ein. Die CSB sei sehr wohl weiterhin an einer Lösung im Rothus ­interessiert.

Die Schule

Was stimmt nun? «Wir können nicht einfach die Hände in den Schoss legen und nichts tun», antwortet André Engel, Co-Schulleiter der Christophorus-Schule. Man verhandle mit einem andern Vermieter und dem Kanton, unterzeichnet sei aber noch nichts. Von der Gemeinde habe man kein Angebot erhalten, so Engel. Klar sei: «Wir brauchen langfristigen Schulraum», einen Mietvertrag von mindestens 25 Jahren.

Die Vorstösse im Parlament haben ­dazu geführt, dass der Ostermundiger Gemeinderat die vor fünf Jahren gestartete Schulraumplanung nun nochmals überprüft. Ein externes Planungsbüro soll verschiedene Varianten durchrechnen, die danach dem Parlament unterbreitet werden.

Im Rahmen der Abklärung werde man der Christophorus-Schule – wie gewünscht – einen neuen Mietvertrag unterbreiten, sagt Gemeinderat Henrik Schoop (FDP). Wann dies geschehen werde, wagt Schoop «wegen der hohen Ansprüche des Parlaments an die Planung» nicht vorauszusagen.

Die Vorgeschichte

Als der Gemeinderat das Rothus 2008 vermietete, stellte er der Christophorus-Schule mündlich in Aussicht, langfristig im Schulhaus bleiben zu können. Der schriftliche Mietvertrag – der fälschlicherweise nie dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt wurde – enthielt allerdings eine Kündigungsfrist von nur fünf Jahren.

Von dieser Frist machte der neu ­zusammengesetzte Gemeinderat Gebrauch. Die CSB klagte die Gemeinde deshalb ein, und das Gericht urteilte: Die CSB ­erhält eine Mieterstreckung bis 2023, danach kann die Gemeinde über ihr Schulhaus verfügen.

Diese Vorgeschichte sei alles andere als glücklich. Zumindest in diesem Punkt sind sich die meisten Betroffenen einig.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt