Scott Beattie verdient die Chance

Ein Kommentar von Sportredaktor Philipp Rindlisbacher zum Playout-Sieg der SCL-Tigers.

Philipp Rindlisbacher

Die SCL Tigers haben ein Team hinter sich gelassen, den Ligaerhalt vorzeitig geschafft.Insofern hat der Aufsteiger trotz einer gravierenden Baisse zum scheinbar dümmsten Zeitpunkt Anfang März die Pflicht souverän erfüllt. Bis zur drittletzten Qualifikationsrunde kämpften die Langnauer um die Playoff-Teilnahme, begeisterten phasenweise mit spektakulärem Offensivhockey. Mehr hatte gewiss nicht erwartet werden dürfen.

Für die Wahl Scott Beatties als Nothelfer nach der Entlassung von Benoît Laporte erntete Sportchef Jörg Reber gehörig Kritik.Der auf höchster Stufe völlig unerfahrene Beattie jedoch erwies sich in der Krisenzeit als geeigneter Trainer. Der Italo-Kanadier hat Kommunikation studiert, den Draht zu den vielen sensiblen Charakteren im Team rasch gefunden. Im Mannschaftssport sind mittlerweile nicht mehr primär die Inhalte entscheidend, sondern die Art und Weise, wie diese vermittelt werden. Genau in diesem Punkt liegt Beatties Stärke. Ihm war vor der Unterschrift eine Chance in Aussicht gestellt worden, sich für ein längerfristiges Engagement aufzudrängen. Eigenwerbung hat er betrieben, seine Perspektiven aber dürften dennoch nicht sonderlich rosig sein. Als Wunschkandidat gilt SCB-Coach Lars Leuenberger.

Dabei täten die Tigers gut daran, auf Scott Beattie zu setzen. Den Rückhalt der Spieler spürt er, weit mehr jedenfalls als seine Vorgänger. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Plus, besitzt in Langnau die Mannschaft doch seit geraumer Zeit (zu) viel Macht – weil sie aufmüpfig wurde, mussten Bengt-Ake Gustafsson und Laporte gehen. Oberstes Ziel der Vereinsführung sollte es nun sein, endlich Kontinuität zu schaffen. In den letzten vier Jahren standen nicht weniger als sieben verschiedene Trainer an der Bande.

Die Langnauer Perspektiven jedenfalls sind gut.Die Begeisterung in der Region ist nie grösser gewesen, 15 von 31 Heimspielen in dieser Saison waren ausverkauft. Mehrere Hunderttausend Franken Gewinn wird der Klub erwirtschaften, das Budget für die erste Mannschaft dürfte sich um rund 10 Prozent erhöhen. Hinsichtlich der Besetzung der zwei offenen Ausländerpositionen hat Jörg Reber etwas mehr finanziellen Spielraum. Mit der Verpflichtung von SCB-Flügel Pascal Berger ist dem Sportchef ein Transfercoup gelungen. Und doch: Der 10. Rang respektive das Umgehen der Playouts wird nicht leicht zu erreichen sein – der Weg zum Ligaerhalt wird vorderhand steinig bleiben.

p.rindlisbacher@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt